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Alexandra Karabelas vor der Werkserie Rossballett von Christa Näher. Diese Bilder empfangen die Besucherinnen und Besucher in der neuen Ausstellung in der Fähre in Bad Saulgau. Foto: Rudi Multer

Bad Saulgau – Die städtische Galerie die Fähre in Bad Saulgau zeigt unter dem Titel Niemandsland bis zum 8. März rund 50 meist großformatige Werke von Christa Näher. Die renommierte Künstlerin lebt und arbeitet in der Region, ist bislang öffentlich aber kaum in Erscheinung getreten. Der Bad Saulgauer Galerieleiterin Alexandra Karabelas ist es gelungen, sie für eine große Werkschau zu gewinnen. Es wurde Zeit.

Das Roßballett, eine aus fünf großformatigen Werken bestehende Werkserie, begrüßt die Besucher der Ausstellung gleich zu Beginn im Kreuzgang der Galerie im Bad Saulgauer Kulturzentrum Altes Kloster. Die in schwarz gehaltenen Gemälde machen Körperlichkeit und Dynamik der sich aufbäumenden, sich drehenden, sich reckenden oder sich krümmenden Pferde sicht-, man möchte sagen, fühlbar. Christa Näher arbeitet mit Schattierungen mittels fein abgestimmter Farbabstufungen und nutzt dazu die riesige Bandbreite und Meisterschaft ihrer malerischen Techniken.

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Einen Raum weiter können die Besucher zumindest medial vermittelt mit einem Film einen Blick in ihr Atelier in Wassers bei Wolfegg werfen. Hier lebt die Künstlerin in einem mit viel Respekt vor dem Gebäude und seinen Erbauern sanierten alten Bauernhaus, inmitten eines naturnahen Gartens. Filmisch nähert sich die Besucherin oder der Besucher hier Nähers Verständnis von Kunst. Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine konnte sie tagelang nicht malen, erzählt sie dort. Doch dann sei das Bild zu ihr gekommen. Sie verlieh dem Krieg in einem von Kälte, Hunger, Respektlosigkeit und Gewalt gezeichneten Hund vor einer riesigen Landschaft einen Ausdruck. Das geht unter die Haut. „Niemandsland“, der Titel der Ausstellung, ist das Terrain dieses kreativen Prozesses, in dem Gefühl zur Idee, die Idee zum Bild wird, und gleichzeitig ist es eine Aufforderung an Besucherin und Besucher, sich beim Schauen darauf einzulassen.

Christa Näher ist heute 78 Jahre alt. 26 Jahre lang, von 1987 bis 2013 war sie Professorin für Malerei an der Städelschule, der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main, die erste Frau auf dieser renommierten Stelle. Sie gehört in die Reihe bekannter Lehrer an dieser Hochschule, darunter Max Beckmann, der dort in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts lehrte. Nach ihrer Zeit als Hochschullehrerin kehrte die in Lindau geborene Künstlerin wieder in den Süden zurück, nach Wolfegg. 2019 erhielt sie den Hans-Thoma-Preis. Im Rahmen der Preisverleihung waren Werke von ihr öffentlich zu sehen.

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Ansonsten macht sie sich rar in öffentlichen Kunstschauen. „Sie war immer eigensinnig und hat sich zugunsten ihres inneren Erlebens dem Kunstmarkt manchmal widersetzt“, so Alexandra Karabelas. Die Bad Saulgauer Galerieleiterin hörte von Christa Näher bei einem Gespräch mit Johannes Honeck in der Kunsthalle in Mannheim. Er ist heute Leiter der Galerien in Aschaffenburg, hat ein Werkverzeichnis der annähernd 1000 Arbeiten der Künstlerin erarbeitet und sprach in Bad Saulgau zur Einführung über Werk und Künstlerin. Ihm hatte Alexandra Karabelas von ihrem neuen Wirkungsort in Oberschwaben erzählt. „Da ist doch die Christa“, habe der ihr geantwortet und sie gebeten Grüße auszurichten. „Wie, die Christa?“ war die Antwort einer damals verunsicherten neuen Galerieleiterin.

Nach einem Jahr als Kulturamtschefin in Bad Saulgau hat sich daraus ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Alexandra Karabelas und Christa Näher tauschen über WhatsApp Gedanken über Bilder aus. Poetisch und tiefsinnige Begleittexte zu den Werken gelangen so zu den Bildern der Ausstellung.

Erst dieses persönliche Vertrauensverhältnis machte dieses besondere Kunstereignis für Bad Saulgau und die ganze Region möglich. Tiefgründig kann die Galerieleiterin Christa Nähers Mischwesen zwischen Tier und Mensch wie den Minotaurus, den sich nur andeutenden Tanz mit dem Tod, die Landschaft mit Blumenwiese und die allseits präsenten Weberknechte in den Bildern tiefgründig erklären. Eine der renommiertesten Künstlerinnen der Region von einer Ausstellung in der ältesten städtischen Galerie Oberschwabens überzeugt zu haben, ist ein bemerkenswerter Erfolg und zeigt, wie die Fähre in einem von Karabelas so bezeichneten neuen Fahrwasser Fahrt aufnimmt. Zur Ausstellung gehört in der Zeit bis zum 8. März ein großes Begleitprogramm. Das reicht von einem Programm für Kindergärten, über ein literarische Lesung, einem Gespräch mit der Künstlerin bei Kaffee und Kuchen bis hin zur einer philosophischen Auseinandersetzung mit dem Titel „Sein und Zeit“ – Philosophieren über Kunstwerke.

Mehr zu Ausstellung und Begleitprogramm unter: www.bad-saulgau.de/de/kultur-freizeit-einkaufen/kultur/ausstellungen/Ausstellungen-Aktuell/

Autor: Rudi Multer



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