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Aulendorf – Geburtstage und Jubiläen sind willkommene Anlässe, um nach dem Geleisteten, dem Gelungenen und Besonderen zu fragen. Matthias Burth ist seit 17 Jahren Bürgermeister in Aulendorf. BLIX wollte von ihm wissen, was es auf sich hat mit „75 Jahre Stadt Aulendorf“.

Warum war es Aulendorf kurz nach dem Krieg so wichtig, zur Stadt erhoben zu werden? 

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Die Stadterhebung war ein Ausdruck von Selbstbewusstsein und Identität. Nach den schweren Jahren des Zweiten Weltkriegs wollten viele Gemeinden zeigen, dass sie sich entwickeln und wachsen – auch symbolisch. Der Stadttitel war ein Statussymbol. Gerade in ländlichen Regionen war es ein Zeichen von Bedeutung, Entwicklung und Eigenständigkeit.

Aulendorf war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, hatte wirtschaftlich an Bedeutung gewonnen und wollte sich als zentraler Ort im ländlichen Raum positionieren. Der Stadttitel konnte helfen, Investoren oder staatliche Fördermittel leichter zu bekommen. Städte hatten häufig bessere Voraussetzungen, eigene Verwaltungseinheiten zu etablieren, wie zum Beispiel Schulen, Ämter oder kommunale Einrichtungen.

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Die Stadterhebung war für Aulendorf ein Schritt in Richtung Eigenständigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und öffentliches Ansehen. Sie bedeutete nicht automatisch einen Wandel im Alltag der Bürger, aber sie war ein klares Signal: Aulendorf wollte nicht mehr nur ‚ein Dorf am Bahnknoten‘ sein, sondern eine Stadt mit Zukunft.

Matthias Burth, Bürgermeister.

Welchen rechtlichen Unterschied macht es, ob eine Kommune Dorf oder Stadt ist?

Der Unterschied liegt nicht in der Größe oder Einwohnerzahl, sondern im Rechtstitel, der von der Landesregierung verliehen wird. Eine Stadt hat das Recht, sich ‚Stadt‘ zu nennen, was früher mit Marktrecht, Stadtmauer und eigenem Stadtrecht verbunden war. Heute gibt es zwischen Gemeinden und Städten allein aus der Bezeichnung keine rechtlichen Unterschiede mehr. 

Was zeichnet Aulendorf und die Aulendorfer­Innen aus?

Aulendorf ist ein bedeutender Eisenbahnknoten in Oberschwaben – eine seltene Kombination aus ländlicher Gemeinde mit guter überregionaler Anbindung. Trotz dieser Verkehrsdrehscheibe ist die Umgebung naturnah, mit Hügeln, Wäldern und Thermalquellen – ideal für Erholung und Lebensqualität. Unser barockes Schloss prägt das Stadtbild und ist ein stolzer Teil der Geschichte von Aulendorf. Die Stadt hat sich ihren historischen Kern bewahrt und pflegt Tradition und Kultur. Mit der Schwaben-Therme und den Reha- und Gesundheitseinrichtungen ist Aulendorf auch ein Ort der Erholung und Prävention. Gesundheitstourismus und sanfte Mobilität spielen eine wachsende Rolle.

Die AulendorferInnen sind überaus engagiert – im Sport, in der Musik, im Ehrenamt und natürlich in der Fasnet. Man kennt sich, hilft sich – und ist zugleich gastfreundlich gegenüber Zugezogenen und Besuchern. Alteingesessene Familien prägen die Stadt genauso wie neue Bewohner und junge Familien, die bezahlbaren Wohnraum und Nähe zur Natur suchen. Aulendorf ist eine kleine Stadt mit großem Herz, in der Tradition, Gemeinschaft und Lebensqualität eng zusammengehören. Die AulendorferInnen sind stolz auf ihre Wurzeln, offen für Neues – und vor allem: sie halten zusammen. Das macht sie – und ihre Stadt – besonders.

Historisch: So feierte Aulendorf vor 75 Jahren.

Sie sind seit 17 Jahren Bürgermeister in Aulendorf. Welches sind Ihre Highlights im Amt?

Ich bin dankbar, dass ich in den vergangenen 17 Jahren in Aulendorf viele Highlights zusammen mit den Aulendorferinnen und Aulendorfern erleben durfte. Natürlich ist die gelungene Stabilisierung der Finanzen mit der Rückführung der Schulden ein Highlight und damit auch verbunden die Unterzeichnung des Finanzhilfevertrages mit dem damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger in der Villa Reitzenstein. 

Genauso wichtig ist, dass es gelungen ist, eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung der Stadt voranzubringen. Beispielhaft seien hier die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes, die Erschließung neuer Baugebiete und auch die Ansiedlung der Firma Carthago genannt. Mit den Investitionen in die Kinderbetreuung und Bildung wurden neue Plätze mit einem flexiblen und bedarfsgerechten Angebot für Familien und zur Förderung der jungen Generation geschaffen. Ein besonderes Highlight ist, dass es in Aulendorf einen enormen gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt, was sich gerade in der Krise gezeigt hat und bei gemeinsamen Stadtfesten zeigt. Ich denke hier an das 150-jährige Jubiläum des Bahnknotenpunktes, das jährliche Schloss- und Kinderfest und jetzt vor kurzem das Landschaftstreffen der Narrenzunft. Aber auch die Ortsfasnet ist für Aulendorfer selbstverständlich ein Highlight.

Sie sind in der dritten Amtsperiode und noch sieben Jahre im Amt, was möchten Sie in Aulendorf noch erreichen?

Die Aufgaben einer Gemeinde sind ja bekanntlich nie erledigt. In den kommenden Jahren werden die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die verkehrliche Umgestaltung der Hauptstraße, die Umgestaltung des Stadtparks neben dem Weg der Stadt zur Klimaneutralität eine große Rolle spielen. Die weitere finanzielle Konsolidierung darf dabei nicht aus den Augen verloren gehen. 

Welchen Wunsch haben Sie zum Stadtjubiläum?

Schönes Wetter, viele Besucher und tolle Stimmung.

Autor: Roland Reck



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