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Leserbrief

Auch ich bin ins Grübeln gekommen



Zum Bericht „Bin sehr ins Grübeln gekommen“ über die Gemeinderatssitzung in Kißlegg am 14. Mai (DBSZ vom 18. Mai)

Wenn man den Worten von Bürgermeister Krattenmacher folgt – insbesondere seiner Aussage „Bei Mönchengladbach bin ich sehr ins Grübeln gekommen“ – sowie den Erzählungen, die ihn schließlich zu der Überzeugung geführt haben, „ich kann damit leben, wenn zwei Windkraftanlagen nach Kißlegg kommen“, dann war seine Reise sicherlich eindrucksvoll. Die Geschichte, die er zu Beginn des Tagesordnungspunktes schilderte, war zweifellos ausführlich – vielleicht sogar etwas zu ausführlich.

Interessant wird es spätestens dann, wenn man sich den Reiseverlauf anschaut, den Herr Krattenmacher offenbar auf sich genommen hat, um den Gemeinderäten und Bürgern zu erläutern, „wie groß ein Loch“ im Tagebaugebiet Garzweiler sein kann. Hier stellt sich unweigerlich die Frage: Wen möchte er damit überzeugen – und welche Route hat ihn angeblich bis nach England geführt? Mein Navigationsgerät hätte dafür eine andere Strecke gewählt!

Was genau möchte der Bürgermeister dem Gemeinderat und der Bevölkerung mit dieser „Reisegeschichte“ vermitteln? Wo bleiben in seinen Ausführungen die ganz konkreten, lokalen Sorgen der Bürger – etwa die Auswirkungen auf die 52 Hektar große Moor- und Waldlandschaft, die Gefährdung der Wasserversorgung durch private Brunnen oder der Einfluss auf den Generalwildwegeplan vor Ort? Wo bleiben die Fotos vom „abgesoffenen“ Bohrgerät im Suchgebiet? Vom Bauamtsleiter wurden drei Windenergieanlagen aus größerer Entfernung – ohne örtlichen Bezug – gezeigt, dafür aber mit dem treffenden Hinweis „so könnte das bei uns auch aussehen!“ „Wer hätt des au denkt?“

Ergänzend zur Aussage eines Fährmanns aus dem Rheinland zur Trockenheit wäre auch ein aktueller regionaler Bezug vom Bürgermeister wichtig gewesen: etwa die Meldungen des SWR, wonach der Pegel des Bodensees ein 40-Jahres-Tief erreicht hat und Fischer über erschwerte Bedingungen klagen, da die geringe Wassertiefe ihre Arbeit erheblich beeinträchtigt.

Fazit: Matthias Claudius schrieb einst: „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen.“ Dem ist grundsätzlich nichts hinzuzufügen. Die Frage bleibt jedoch: Was will man erzählen, wem – und zu welchem Zweck?
Armin Kohler (Entwicklung Lebensraum Kißlegg e.V.), Kißlegg-Waltershofen



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