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Am vergangenen Mittwoch im Haus am Stadtsee

Stadt informierte über kommunale Wärmeplanung



Foto: Erwin Linder
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) unterscheidet zwischen Gebäudebestand und Neubauten. Grafik: Stadt (BMWK)

Bad Waldsee – Am Mittwochabend (3.4.) stellte die Große Kreisstadt im Haus am Stadtsee die Kommunale Wärmeplanung vor. Moderiert von Bürgermeisterin Monika Ludy referierten Michael Maucher von der Energieagentur Ravensburg sowie Jens Maier und Philipp Fendrich von der mit der Planung beauftragten IBS Ingenieurgesellschaft aus Bietigheim-Bissingen zum Thema. Für Fragen am Ende der Referate standen noch Manfred Erne, Chef der Stadtwerke, und Michael Kreis, Klimaschutzmanager auf dem Rathaus, zur Verfügung. Ungefähr 80 Besucher hörten sich die Pläne der Stadt an.

Das Klima ändert sich. Unsere Welt wird wärmer. Das ist eine Tatsache. Die einen sprechen von einer Klimakrise. Die anderen schon von einer Klimakatastrophe. Die dritten leugnen den Klimawandel noch immer. Fakt ist, dass der Februar 2024 im Durchschnitt 3 Grad Celsius wärmer war als der Durchschnitt der 25 vorausgegangenen Jahre.

Lassen wir die Krisenleugner mal weg, ist es allgemeiner Konsens, dass die globale Klimaerwärmung durch den Ausstoß und die Ansammlung von CO2 in der Atmosphäre verursacht wird. Auf der Pariser Klimakonferenz (COP 21) im Jahr 2015 einigte sich die Staatengemeinschaft erstmals völkerrechtlich verbindlich darauf, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Das bedeutet, dass der Ausstoß von CO2 drastisch verringert  werden muss.

Die größten CO2 Emittenten in Deutschland sind
Platz 1             Energieerzeuger mit 38 %
Platz 2             Industrie mit 21 %
Platz 3             Straßenverkehr mit 20 %
Platz 4             Haushalte mit 10 %
Auf die restlichen Emittenten entfallen noch 11 %.

Die Wärmeversorgung verursacht dabei einen Großteil des CO2 Ausstoßes in den privaten Haushalten. Denn rund 80 % der Wärmenachfrage wird derzeit durch den Einsatz von fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl gedeckt, die aus dem Ausland bezogen werden. Von den rund 41 Millionen Haushalten in Deutschland heizt nahezu jeder zweite mit Gas und knapp jeder vierte mit Heizöl. Fernwärme macht aktuell rund 14 % aus, jedoch wird diese bisher überwiegend aus fossilen Brennstoffen gewonnen.

Wie stark die Preise für Gas und Öl ansteigen können, wurde uns in den letzten Jahren vor Augen geführt.

Welche Bedeutung hat die kommunale Wärmeplanung für den Klimaschutz?

Wärmepläne auf kommunaler Ebene sind eine zentrale Säule des Klimaschutzgesetzes. Mit ihnen kann der Wärmesektor auf klimaneutrale und nachhaltige Lösungen umgestellt werden. Die kommunale Wärmeplanung eröffnet realistische Perspektiven, die Wärmeversorgung innerhalb der nächsten Jahrzehnte klimaneutral um- und aufzubauen.

Bad Waldsees Fahrplan zur Wärmeplanung

Bürgermeisterin Ludy gab einen Überblick zum Projekt Wärmeplanung. Ausgelöst wurde es 2021 durch die Novelle zum Klimaschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg, das alle Großen Kreisstädte, sprich Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnern, zur einer Wärmeplanung verpflichtet. Im September 2022 wurde das Ingenieurbüro Schuler, Bietigheim-Bissingen, zusammen mit Smart Geomatics mit der Erstellung des Planes beauftragt. Die Projektkoordination übernahmen die Stadtwerke. Übergeordnetes Ziel der Maßnahme ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Baden-Württemberg bis 2040. Die Bürger erhalten einen Überblick, ob an ihrem Wohnort ein Nahwärmenetzpotenzial besteht oder ob sie weiterhin auf Einzelheizungen setzen müssen.

Das Gebäude-Energie-Gesetz und Fördermöglichkeiten

Michael Maucher von der Energieagentur in Ravensburg erläuterte viele Details zum Gebäude-Energie-Gesetz (GEG). Wenn man es genau liest, gibt „Habecks-Heizungs-Hammer“, wie das GEG von der Bildzeitung verteufelt wurde, den Heizungsbetreibern viele Sicherheiten und viele Fördermöglichkeiten beim Heizungstausch.  Das sind die wichtigsten Eckpunkte ab 2024:

  1. In Neubaugebieten dürfen Heizungen nur noch mit einem Anteil von 65 Prozent Erneuerbaren Energien eingebaut werden
  2. Außerhalb Neubaugebieten dürfen in Neubauten ab 2026 nur noch Heizungen mit einem Anteil von 65 Prozent Erneuerbaren Energien eingebaut werden
  3. Im Bestand: Heizung funktioniert oder kann repariert werden – kein Tausch vorgeschrieben
  4. Im Bestand: Heizung ist kaputt, kann nicht mehr repariert werden – es gelten pragmatische Übergangslösungen.

Kostenlose Beratung

Da die Materie doch sehr komplex ist, empfiehlt sich eine Beratung bei der Energieagentur. Die Beratung dort ist kostenlos, aber sehr nachgefragt. Es können jedoch Termine über die Stadtverwaltung bei Frau Schmid, Tel 07524 941361 vereinbart werden.

Was brachte die Wärmeplanung bis jetzt für Ergebnisse?

Nach einer „hausgenauen“ Wärmebedarfsermittlung und einer Potenzialanalyse zur Wärmeerzeugung im Stadtgebiet ergibt sich nach den Erhebungen des Ingenieurbüros ein ungefährer Plan von Stadteilen, die in absehbarer Zeit wirtschaftlich an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden können und von solchen, die weiterhin auf Einzelheizungen angewiesen sind.

Die Gebiete für Nahwärme sind rot, für Einzelheizungen blau dargestellt. Karte: Stadt

Der Wärmebedarf für die Nahwärme in der Kernstadt wurde mit etwas über 70.000 MWH/a errechnet, die nach der IBS-Analyse von regionalen, erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden könnten. Allerdings wären dafür noch beträchtliche Investitionen zum Beispiel in Tiefengeothermie notwendig. Schnell lässt sich das nicht verwirklichen.

Ein Nahwärmenetz in den Teilorten aufzubauen, erweist sich als äußerst schwierig.

Im Kernstadtbereich sind die Voraussetzungen für ein Nahwärmenetz besser. Hier könnte an das vorhandene Netz angebaut werden.

Auch hierfür brachte das Ingenieurbüro Karten mit. Blaue Gebiete sind schon mit Nahwärme erschlossen, grün markierte Gebiete könnten kurzfristig, orange markierte mittelfristig und die gelb markierten Gebiete langfristig, Zeithorizont ca. zehn Jahre, mit Fernwärme erschlossen werden.

Abstimmung im Gemeinderat

Die Wärmeplanung kommt am 22. April in die nächste Gemeinderatssitzung und geht dann bei Beschluss an das Regierungspräsidium in Tübingen.
Text und Fotos: Erwin Linder

Ca. 80 Interessierte kamen zur Information über die kommunale Wärmeplanun der Stadt Bad Waldsee am Mittwoch ins Haus am Stadtsee.

Information aus erster Hand (von links): Jens Maier, IBS; Philipp Fendrich, IBS; Manfred Erne, Stadtwerke; Michael Kreis, Klimaschutzmanager Bad Waldsee; Michael Maucher, Energieagentur Ravensburg.

Die kommunale Wärmeplanung fällt in Ressort: Bürgermeisterin Monika Ludy.

Eignungsgebiete Nahwärme. Karte: Stadt.

Wärmebedarf und Potenziale. Grafik: Stadt

Mögliche Bauabschnitte. Karte: Stadt




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