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Begegnungstag der Landfrauen 2026 in Bad Waldsee

Ein ermutigendes Leitwort



Foto: Peter Lutz
Mut war der Zentralbegriff des diesjährigen Begegnungstages des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Christine Dorn-Bohner ist eine der Initiatorinnen des Bad Waldseer Tages. Weiter gehören Susanne Völkle, Anita Knab, Maria Rundel und Gerlinde Kurz zum hiesigen Team.

Bad Waldsee – Der 73. Begegnungstag der Landfrauen fand unter dem Motto statt: „Steh auf, fass Mut und handle“. Wie immer wurde er mit einem Gottesdienst eröffnet, dem im Gemeindehaus St. Peter ein Frühstück folgte. Für die inhaltliche Erarbeitung des gestellten Mottos sorgte Referentin Theresia Zettler aus Kempten. Dort ist sie Gemeindereferentin, psychologische Beraterin, Trainerin für gewaltfreie Kommunikation und Kabarettistin. Wie innere Stärke wachsen kann trotz vielfältiger Herausforderungen und selten leichter Vergangenheit, wollte sie vermitteln. Gesunder Humor, verbunden mit Tiefgang, waren ihr überzeugendes Herangehen an das gesetzte Ziel. Verbindendes und befreiendes Lachen begleiteten den gesamten Auftritt der Referentin.

Zelebrant des Gottesdienstes war Pfarrer Stefan Werner und der Singkreis Haisterkirch umrahmte die Feier in gewohnt erfrischender Weise, insbesondere mit dem Lied „Steh auf und bewege dich“. Christine Dorn-Bohner (Bild) gab den Impuls.

Der Impuls

Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehn.
Aufstehn, aufeinander zugehn und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehn.
Viel zu lange rumgelegen, viel zu viel schon lamentiert.
Es wird Zeit, sich zu bewegen, höchste Zeit, dass was passiert.
Jeder hat was einzubringen. Diese Vielfalt wunderbar.
Neue Lieder wolln wir singen, neue Texte laut und klar.
Diese Welt ist uns gegeben, wir sind alle Gäste hier.
Wenn wir nicht zusammenleben, kann die Menschheit nur verliern.
Dass aus Fremden Nachbarn werden, das geschieht nicht von allein.
Dass aus Nachbarn Freunde werden, dafür setzen wir uns ein!

Pfarrer Werner verwies auf Bibelstellen im Alten und Neuen Testament, die sich mit Aufstehen befassen und Leben spendende Weckrufe sind. Mut allein reiche dazu nicht, Glaube, Hoffnung und Vertrauen gehörten dazu. Als Beispiel für Mut erinnerte Stefan Werner an die Aufforderung „Fürchte dich nicht“ oder an das Bildnis Jesu, als er übers Wasser ging. Mut sei eine Gabe des Geistes, kein Selbstzweck, sondern auch Beziehung zwischen Mensch und Gott mit der Gewissheit, Gott wird uns begleiten. Auch in der Bergpredigt werde zum Handeln aufgerufen, also das Gesagte in die Tat umzusetzen. Mut habe keine Pause, Aufstehen solle man auch in schwierigen Zeiten!

Die Fürbitten

Die Fürbitten wurden vom Vorstandsteam der Landfrauen vorgetragen. Drei der Fürbitten seien genannt: Wir bitten für alle Menschen, die am Boden liegen: Gib ihnen die Kraft, aufzustehen; wir bitten für alle Menschen, die Angst haben: Hilf ihnen, Mut zu fassen; wir bitten für alle Menschen, die sich innerlich gelähmt fühlen: Wecke ihre Lebenskraft, die sie wieder in Bewegung bringt.

Beschlossen wurde der Gottesdienst vom Singkreis mit dem Lied „Steh auf, beweg dich“, das von allen rhythmisch klatschend begleitet wurde.

Liebevoll zubereitetes Frühstück

Das liebevoll unter der Regie von Ingrid Maucher und ihren Landfrauen aus Reute-Gaisbeuren   zubereitete Frühstück wurde auf zwei großen Buffets angeboten. Die Tische waren geschmackvoll geschmückt und auf jedem Platz gab es Besteck, eingehüllt von Papiermanschetten mit Aufschriften entsprechend dem Motto wie: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“ oder „Wenn Du nicht fliegen kannst, dann renne; wenn Du nicht rennen kannst, dann gehe; wenn Du nicht gehen kannst, dann krieche – aber was immer Du tust, steh auf und geh weiter“ oder „Sei mutig und stark! Fürchte dich nicht, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst“ oder „Der größte Ruhm im Leben liegt nicht darin, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen“ oder „Mut brüllt nicht immer. Manchmal ist Mut die Stimme am Ende des Tages, die sagt: Morgen versuchen wir es wieder“ oder „Mut ist, wenn Du mit der Angst tanzt“.

Christine Dorn-Bohner: Es braucht mehr Mut in der Gesellschaft

Bis auf den letzten Platz war der Gemeindesaal besetzt, worüber sich Christine Dorn-Bohner in ihrer Begrüßung sehr freute. Sie verriet auch, wie man auf Theresia Zettler als Referentin kam. Es war eine Empfehlung Regina Steinhausers von der Bauernschule Bad Waldsee. Dorn-Bohner wiederholte das Motto des Tages und forderte Mut in Kirche, Landwirtschaft und Gesellschaft und versprach, Theresia Zettler werde Inspiration und Ermutigung für alle sein.

Erheiterndes zum Auftakt

Theresia Zettlers (Bild) Auftakt erheiterte den ganzen Saal, als sie von Missverständnissen berichtete. Ein Mann drehte dauernd den Kopf nach links, warum? Er werde noch heute ein Autorennen besuchen und so die Vorbeirasenden besser sehen können. Und wie war’s, wurde er am nächsten Tag gefragt, seine Antwort, echt blöd, die Autos rasten alle nach rechts an mir vorbei.

Oder: Ein Referent wird vom Publikum aufgefordert, das Mikrofon näher am Mund zu halten. Meldet sich einer aus dem Publikum, er sei gehörlos, wenn Sie das Mikrofon so nah am Mund halten, kann ich ihre Worte nicht mehr von ihren Lippen ablesen!

Die Macht des Gebetes

Weiter ging es mit dem Gebet: Im Namen Gottes fang ich an, es helfe Gott, der helfen kann. Wo Gott nicht hilft, wird nichts erreicht, wo Gott mithilft, da wird es leicht. Drum ist das Beste, was ich kann, im Namen Gottes fang ich an!

Etwas Biografisches

Über Theresia Zettlers Herkunft aus Sontheim im Allgäu erfuhr man danach mehr. Sie wuchs mit fünf Geschwistern auf; auf dem Hof gab es 13 Kühe. Ein Bild zeigte sie als Kind mit roten Strumpfhosen. Noch mit 80 sagte der Papa, wo noch nichts gschafft ist, gibt es auch kein Essen oder einen Spaziergang gab es allenfalls mit dem Rechen auf der Schulter oder statt am Sonntag Schwimmen im Badesee: erst wird Heu gemacht! Und weil ja ein Hoferbe hermusste, meinte der Vater nach der Geburt einer Schwester, unser Sebastian heißt halt Veronika. Toll fand er es, dass er später bei vier Frauen vor Festen die Kleider hinten zumachen durfte. Und wenn wir Kinder mal was ausgeheckt hatten, war Verschweigen zwecklos, denn die Nachbarn hatten es bereits ausgeplaudert. Im Fall einer Heirat musste das natürlich katholisch sein, da half ein der Schwester zugeworfener Brautstrauß auch nichts. Aber, statt in einer Metzgerei zu landen, durfte ich Gemeindereferentin und Pfarrhausfrau werden. Aufstehen habe sie bereits früh im Elternhaus lernen können.

Ein Stück vom eigenen Kuchen gekauft

Alle Landfrauen sollten heute mal stolz auf sich selbst sein, forderte Theresia Zettler. Wieviel tausend Kuchen habt ihr für Vereinsfestle schon gebacken, sie dann hingetragen und beim Fest ein Stück vom eigenen Kuchen gekauft? Mut wolle sehen, was passiert, wenn man nicht aufgibt. Hier ging es um die drei Wörter: Demut, Zumutung und Langmut. Ausschließlich innere Größe sei stets entscheidend. Man ist nie zu klein, um großartig zu sein und auch Demut und Größe gehören zusammen. Von der Kraft von Mutmachworten war dazu die Rede, sie könnten oft Wunder wirken, wie heißt es doch, Sprich nur ein Wort …? Dabei zeigte die Referentin ein Kissen, das sie in großer Zahl anfertigte und fragte, wer hat mir vertraut? Auf dem Kissen war zu lesen: Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann (Dietrich Bonhoeffer). Dazu die Referentin: Ein Mann setzte sich mal auf solch ein Kissen und dankte, dass man was gegen sein Prostataleiden tue!

Unsere Augen möchten uns helfen, wenn wir zu unseren Wurzeln, zu den Sternen oder vorwärts zum Glück blicken. Dazu brauche es Augenblicke, Weitblick, aber kein Blickdickicht. Blicken wir zum Himmel, zu Gott, dem Schöpfer, und fragen, worauf freue ich mich heute? Einen Mann könne man sich aussuchen, eine Familie aber nicht. So sei Familie Hoffnungsträger. Schließlich heiße es ja auch, die Mutter sei in guter Hoffnung, wenn sie schwanger ist. Darauf könne man sich stets freuen.

8999-mal ging kein Licht auf

Ein interessantes Beispiel für Familie und Aufstehen sei auch die Kindheit des Erfinders Thomas Alva Edison. Er wurde von der Schule zur Mutter gegeben, sie solle ihn bitte selbst unterrichten. Edison war behindert, er habe aber nie aufgegeben und erst nach 9000 Versuchen schließlich die Glühbirne erfunden. Wem konnte er also vertrauen? Dazu fiel der wiederholte Satz, starke Menschen haben oft keine leichte Vergangenheit.

Theresia Zettler ist Kommunionhelferin. Wenn sie die Hostie in die Hände gebe, denkt sie sich, was haben diese Hände schon alles geschafft. Sie fragte auch, mit was allem haben auch Großeltern uns ins Leben geholfen? Als der Enkel vom Fußballtrainer ausgewechselt wurde und der Bub sagte, aber ich war doch der Beste, meinte der Opa dazu tröstend, die Besten muss man schonen!

Man muss auch nein sagen können

Auch das Wort „Nein“ ist Zettler wichtig. Ein ehrliches Nein sei allemal besser als ein falsches Ja. Man solle immer wissen, woran man selbst ist. Auch Farben hätten ihre Bedeutung. Farben weckten oft Emotionen oder auch Bauchgefühle! Ähnlich dem erwähnten Nein müsse man auch mit der Frage, wie geht es Dir, umgegangen werden. Egal, ob man neu verliebt ist oder etwas gerade schwierig oder unangenehm ist, die Wahrheit dazu sei stets die richtige Antwort.

Das Nachtgebet von Augustinus

Mut sei auch im Zusammenhang mit Beten zu sehen. Mut ist Angst, die gebetet hat. Und wenn man vermutet, die Angst stehe vor der Tür, dann steht ja meist niemand draußen. Miteinander und füreinander beten vertreibt Angst. Dazu gab es ein Nachtgebet des Hl. Augustinus:

Wache du, Herr, mit denen, die wachen oder weinen.
In dieser Nacht hüte deine Kranken,
lass deine Müden ruhen, segne deine Sterbenden.
Tröste deine Leidenden.
Erbarme dich deiner Betrübten
und sei mit deinen Fröhlichen
und mit uns allen – um deiner unendlichen Liebe willen.
Amen.

Viel Humoristisches zwischendurch

Zu lachen gab es immer wieder in Theresia Zettlers Vortrag. Hier eine Kostprobe: Sagt die eine Ziege zur anderen: Gehst du heute Abend mit auf den Ball? Sagt die andere Ziege: Nee, hab’ kein Bock! Dazu gab es ein Bild von einem wirklich kapitalen Ziegenbock!

„Du bist bei mir“

Passend zum Thema nahm Theresia Zettler das Kreuz in den Blick. Gott habe zu jedem von uns einen Nagel angelegt. So helfe uns der Glaube auch durch schwierige Zeiten. Der Glaube sei ein Heilmittel. Dazu gab es eine Aussage Immanuel Kants zu Psalm 23: „Ich habe in meinem Leben kluge und viele Bücher gelesen, aber ich habe in ihnen allen nichts gefunden, was mein Herz so still und froh gemacht hätte, wie diese vier Worte aus Psalm 23, Du bist bei mir!“

Auch Paradies und Langeweile wurden thematisiert. Ja, es brauche Zeiten, in denen es mal langweilig ist, weil da gut über Perspektiven und Entscheidungen nachgedacht werden könne. Jede Entscheidung ist wie ein Pinselstrich auf der Leinwand deines Lebens, zusammen ergeben sie dein Meisterwerk. Oder: Ich habe so viel aus meinen Fehlern gelernt, dass ich darüber nachdenke, noch weitere Fehler zu machen. Und wenn nicht entschieden wird, werden andere über uns entscheiden.

Heiter war auch die Behandlung des Begriffs ok, des weltweit am meisten gebrauchten Begriffs. Man sollte das aber nie sagen, wenn einer flach auf dich einredet. In diesem Fall reiche es, nur mit „o“ zu reagieren.

Nachdem auch über das berühmte halbvolle oder halbleere Glas gesprochen wurde, sei doch eines klar, gut, dass man überhaupt ein Glas hat! Dazu die Geschichte über zwei Zwillingsschwestern, die eine ewig pessimistisch, die andere unverwüstliche Optimistin. Um auch die Pessimistin mal richtig froh zu machen, schenkten ihr die Eltern zu Weihnachten all das, was sie sich wünschte. Dagegen bekam die Optimistin nur einen Pferdeapfel. Natürlich klagte die Pessimistin trotzdem weiter, alles sei so schnell alt oder kaputt oder nicht mehr so wichtig. Dagegen freute sich die Optimistin sehr über den Pferdeapfel mit den Worten, da müsste sicher auch ein Pony in der Nähe sein!

Ähnlich sei es mit Ferien, Genuss und Sonne. Klar, der Wein hat in Italien viel besser geschmeckt als der gleiche später in Deutschland. Sicher helfe daher reisen, denn dabei könne doch was in Gang kommen.

Passend hierzu sprach die Referentin diesen Neujahrsgruß:

Ich wünsche Dir zum Neuen Jahr ein kleines bisschen Glück.
Zur rechten Zeit das rechte Wort und einen schönen Urlaubsort.
Grad so viel Arbeit, wie du magst, damit du dich nicht zu sehr plagst.
Den Menschen, der gern mit dir lacht und sagt, das hast du gut gemacht.
Oft einen Weg mit schönem Ziel, den Sinn für Leichtigkeit und Spiel.
Und Gottes Segen obendrein, so soll für dich das Leben sein.

Aufmunternd stärkte Zettler die anwesenden Landfrauen in ihrer Rolle: Ihr seid doch Leute, die zupacken und daher ein Hoch auf Euch fleißige Landfrauen – Vergelt’s Gott für so Vieles! Und sie gab noch den Rat: Was Du heute kannst entkorken, das verschiebe nie auf morgen!

Darauf gab es verdienten und lang anhaltenden Applaus für die Referentin. Gerlinde Kurz übernahm dann das Vergelt’s Gott sagen. Sie tat dies mit den Worten, ihr falle es diesmal besonders leicht, die Referentin zu loben und ihr zu danken. Bereits in diesem noch jungen Jahr wünschte sie ihr Glück auch für 2027! Anzufügen wäre: Theresia Zettler hat den Landfrauen bei ihren Vortrag in Bad Waldsee viel mitgegeben.

Willkommensgruß.

Die jüngste „Landfrau” war gerade mal 6 Monate alt.

Ingrid Maucher (rechts) mit ihrem Frühstücksteam aus Reute-Gaisbeuren.

Christine Dorn-Bohner begrüßt im Gemeindesaal.

Pfarrer Stefan Werner erhielt Frühlingsblumen.

Anita Knab vom Leitungsteam.

Folien von Theresia Zettler:

Nachstehend einige der von Theresia Zettler im Rahmen ihres ermutigenden Vortrages gezeigten Folien:

Die Folie Herkunft und Heimat.

Worüber man sich freut.

Edisons Glühbirne.

Farben, spektakulär oder spektral.

Miteinander und füreinander beten.

Gerlinde Kurz (links) dankt Theresia Zettler.

Text und Fotos: Peter Lutz




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