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Terence Carr in der „kleinen galerie“ in Bad Waldsee

Mensch – Krieger – Künstler



Foto: Peter Lutz
Terence Carr vor seinem Werk „The truth about paradise”. Rechts die Skulptur „For always”. Die Ausstellung ist bis 22. Februar zu sehen.

Bad Waldsee – „Meine Wahrheit“ – so ist die erste Ausstellung des Jahres in der „kleinen galerie“ im Haus am Stadtsee betitelt. Zu sehen sind Arbeiten von Terence Carr (bis 22. Februar). Absicht des Künstlers ist das Sichtbarmachen in unseren Welten. Mit oft recht plastischen Darstellungen erscheinen so beispilesweise Kontraste zwischen Selbstverwirklichung und kollektiver Verantwortung. Ganz in diesem Sinne wies Galerieleiter Axel Otterbach in seiner Begrüßung auf Funktionen und Möglichkeiten des Kunstschaffens hin: „Kunst hat kein politisches Mandat. Aber sie trägt dazu bei, Werte wachzuhalten und zu stärken, auf die eine Demokratie angewiesen ist.“ Und er fragte, ob man nach all den momentanen Geschehnissen noch Lust habe, Kunst zu genießen.

Terence Carr: „Ist serviert”.

Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion werden überschritten

Axel Otterbach (Bild) erinnerte in seiner Begrüßung an den Skulpturensommer 1989 in Bad Waldsee. Unter den damals geladenen Bildhauern war auch Terence Carr mit seiner farbigen Skulptur „Someone“. Dies war die Zeit, als Skulpturen aus unterschiedlichsten Materialien wieder mit Farbe Aufwertung erhielten. Selbst zunächst mit Kettensäge entstandene Skulpturen Carrs werden durch aufwändige Bemalung filigran und detailreich, so Otterbach. In seinen Arbeiten überschreite der Künstler Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion oder eben auch zwischen Skulptur und Malerei.

Farbe hat in Carrs Schaffen einen großen Stellenwert

Und weil Farbe in Carrs Schaffen einen dominanten Stellenwert hat, kam Otterbach auf das Pantone Color Institute zu sprechen. Diese Institution wähle jedes Jahr eine Farbe zur Farbe des Jahres. Farbe des Jahres 2026 sei „Cloud Dancer“, ein Weißton, eine wohl langweilige Farbe oder Äquivalent zu einem tiefen Seufzer angesichts der allgemeinen Situation. Dieses Institut betrachte sämtliche Entwicklungen und Aktivitäten und entwickle daraus die jeweils angemessene Farbe. So sei man damit eine Art Wetterfrosch des Zeitgeists. „Cloud Dancer“ sei wohl auch Symbol der globalen Erschöpfung. Das rückläufige Konsumverhalten passe wohl nicht zu knalligen Farben früherer Jahre. In seinen Arbeiten halte aber Terence Carr deutlich dagegen.

Aufgewachsen in Ostafrika

Die Kunsthistorikerin Natalie Carr (Bild) übernahm die Laudatio zum Schaffen ihres Ehegatten Terence Carr. Sie teilte seine künstlerische Prägung in drei Lebensabschnitte: Terence Carr – der Mensch, Terence Carr – der Krieger und Terence Carr – der Künstler. Alle drei seien in seiner Bildsprache, seiner Motivik und seiner Farbigkeit zu erkennen. Aufgewachsen ist Terence Carr in einem katholischen Internat in Ostafrika. Schon als Kind zeigte er Interesse an Sport und an künstlerischen Aktivitäten. Statt seines gewünschten Kunststudiums ging er auf Wunsch seines Vaters zur renommierten britischen Militärakademie Sandhurst, wo er eine Offizierskarriere durchlief. Erfahrungen und Spuren als Krieger prägten ihn während des Bürgerkriegs in Nordirland, wie Wahrheit, Verletzlichkeit und Fragilität menschlicher Existenz. Erst eine Verlegung nach Norddeutschland und späterer Quittierung des Militärdienstes mit Verbleib in Deutschland führte ihn zum Künstlerischen, eine schicksalhafte Wendung, so Natalie Carr. Terence Carr nahm ein Kunststudium auf, womit auch sein Kampf um Existenz und Anerkennung allein durch Kunst begann. Zunächst arbeitete er als figurativer Maler realistischer Zeichnungen. Dann wandte er sich der Abstraktion zu – über das Material Holz zu eigenen Welten. So thematisierte er den Menschen im Geflecht seiner gegenseitigen Beziehungen. Nähe, Zusammenhalt, Distanz oder Vereinzelung werde damit gezeigt. Auch mit unserer Spaßgesellschaft mit wenig Verantwortung, aber mit Selbstoptimierung, Konsum und moralischer Selbstgewissheit befasste sich der Künstler kritisch und möchte das sichtbar machen.

Die Vertreibung”.

Die sieben Sünden

Mit seinen filigranen und detailreichen Bronzearbeiten „Seven Moral Sins“ prangert Carr zeitgenössische Zustände, beispielsweise des permanenten Vergnügens und Begehrens, an. Die dargestellten Sünden sind: Zorn, Völlerei, Stolz, Gier, Lust, Neid und Faulheit.

„Völlerei”. Bronze.

„Neid”. Bronze.

„Gier”. Bronze.

„Zorn”. Bronze.

Dieses Anliegen verfolge der Künstler auch in seinen neueren Holzreliefs in lebendiger und kraftvoller Farbigkeit. Christliche Werte werden hier auf den Kopf gestellt, Figuren erscheinen entblößt bzw. entheiligt. Natalie Carr sieht darin zeitgenössische Gegenaltäre einer Gesellschaft, die ihre christlichen Werte noch nicht (?) verloren hat, sondern sie bewusst umkehrt. Ob mit diesen Darstellungen eine Erneuerung der Werte gefunden wird, überlässt Terence Carr wohl dem jeweiligen Betrachter.

Breite Anerkennung

Mit seinen Arbeiten fand der Künstler breite Anerkennung in Form zahlreicher Kunstpreise und er ist auch Mitglied der Münchner Secession und der Royal Society of Sculptors in London. Seine Werke sind in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen oder in prominenten Einrichtungen ausgestellt.

„Meine Wahrheit“

Der Titel der Ausstellung, „Meine Wahrheit“ versteht sich als persönliches Bekenntnis des Künstlers, eine Allgemeingültigkeit wird damit nicht beansprucht. Die Laudatorin sieht in seinen Arbeiten eine „radikale Ehrlichkeit“, die weder gefallen noch erklären wolle. Man solle sich aber darauf einlassen und eigene Antworten finden. Damit ist Natalie Carr wieder angekommen bei Otterbachs einführender Aussage, wonach Kunst dazu beitragen möge, Werte wachzuhalten und zu stärken!

Axel Musch, der städtische Kulturbeauftragte, im Gespräch mit Terence Carr.

Text und Fotos: Peter Lutz

Weitere Bilder in der Galerie



Fotos: Peter Lutz

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