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Der renommierte Installationskünstler Johannes Pfeiffer stellt aus

Im und am Bad Waldseer Kornhaus weht ein Atem der Freiheit



Foto: Peter Lutz
Strahlen der Hoffnung, aus Sicherheitsgründen eingegittert (während derVernissage war die Installation uneingeschränkt zu sehen).

Bad Waldsee – Der international arbeitende und anerkannte Ulmer Künstler Johannes Pfeiffer ehrt Bad Waldsee mit verblüffend ansprechenden und sensibel-ästhetischen Installationen. Den Begriff „Freiheit“ verbindet Pfeiffer mit Erinnerungen an den vor 500 Jahren entfachten Bauernkrieg und an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren, markierten doch beide Ereignisse Anfänge von Freiheitsideen und Gleichheit aller Menschen. In der Pfeilerhalle ist dieser Atem sichtbar an einer sich bewegenden oder fließenden Installation. Außen, fast vom Dachspitz aus, werden Strahlen der Hoffnung geschickt. Diese etwa 60 Nylonschnüre sind fest mit der Erde verbunden, schaffen Neugier nicht nur bei Kunstkennern und locken sicher auch Passanten ins geschichtsträchtige Kornhaus. Umgehend ist man von beruhigenden und entspannenden Empfindungen erfasst, die insbesondere das leuchtende Weiß aller Objekte spürbar machen.

Initiator des Kunstevents in der Kurstadt ist Axel Otterbach (Bild), der Johannes Pfeiffer seit 35 Jahren persönlich kennt und schätzt. Und die Kurstadt selbst erinnert sich wohl an den Künstler, der anlässlich ihrer 700-Jahrfeier im Winkel des Kirchplatzes die Installation „Sichtverlust“ schuf. In seiner Begrüßung entschuldigte Otterbach den in Klausur weilenden Gemeinderat und die Stadtspitze. Aber er konnte einen „treuen Kunstfreund“ in Person von Alt-Bürgermeister Rudolf Forcher begrüßen. Otterbach freute sich sehr, den Licht- und Objektkünstler Johannes Pfeiffer für eine Ausstellung gewonnen zu haben. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und eine Ortsbesichtigung hätten Pfeiffer rasch zu einer Zusage bewogen.

Der Künstler und sein Waldseer Impresario: Johannes Pfeiffer und Axel Otternbach.

Rudolf Forcher und Johannes Pfeiffer.

Viel schwieriger sei aber die Auseinandersetzung mit den Behörden gewesen. Eine Sondernutzungserlaubnis für den öffentlichen Verkehrsraum vor dem Kornhaus musste erreicht werden, die erst nach Zugeständnissen der Veranstalter erteilt wurde! Auch die am vergangenen Dienstag (6.5.) erfolgten Fernsehaufnahmen des SWR bedurften einer Genehmigung. Leider mussten wegen vermuteter Verletzungsgefahr Absperrgitter um die Verankerung der Nylonschnüre angebracht werden, die aber während der Vernissage kurz entfernt werden durften.

Pfeiffers Außeninstallation am Waldseer Kornhaus.

Pfeiffers Weg zur Kunst

Johannes Pfeiffers Umweg zur Kunst führte über Theologie und Jura und Diplom in Betriebswirtschaftslehre. Eine Italienreise im Anschluss führte 1981 zum Studium der Bildhauerei an der Accademia delle Belle Arti di Roma bei Lorenzo Guerrini und anschließend an der Accademia delle Belle Arti di Carrara. Auch eine Gastdozentur an der Pontificia Universidad Católica de Chile festigte seinen Weg. Es folgten zahlreiche Preise und ca. 85 Aktionen im In- und Ausland, beispielsweise in Italien, Frankreich, Chile, Korea, Tschechien oder Indien, weshalb er sich selbst als Nomaden der Kunst sehe.

Temporäre Verhüllungen

Im Gegensatz zu dauerhaft präsenten Arbeiten von Bildhauern sind Pfeiffers Werke temporär und werden stets wieder abgebaut. Otterbach dankte allen, die das Zustandekommen der Installationen ermöglicht haben und verwies auch auf die Blindzeichnungen und Verhüllungen barocker Figuren im Obergeschoss des Kornhauses, die andere Sichtweisen freigeben würden durch Kontrast zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst. Dort ist auch ein Video zu sehen mit dem Titel „Johannes Pfeiffer – Art in Dialogue with the World“, das der Waldseer Dr. Matthias Thorner für den Künstler erstellt habe.

Sichtschärfung durch Verhüllung: der ungefasste und flügellose Verkündungsengel Gabriel.

Die Laudatorin

Die Laudatio übernahm die Kunsthistorikerin Dr. Heiderose Langer, langjährige Geschäftsführerin der Erich-Hauser-Kunststiftung in Rottweil. Sie nahm gleich Bezug zum Geist von Freiheit, angesichts der beiden erwähnten Ereignisse, die ganz Europa erschütterten. Die Zwölf Artikel, das zentrale Manifest des Bauernkriegs, seien früheste Menschenrechtserklärungen und dokumentierten das menschliche Bedürfnis nach Freiheit und in Freiheit zu atmen. Sie sehe hier einen Dialog zwischen Außen- und Innenraum, Kunst und Architektur, Geschichte und Gegenwart.

Dr. Heiderose Langer

Ein Strom von Gedanken

Die weißen Nylonschnüre von der Außenwand bis zum Boden seien auch als Verbindung zum Ort der Installationen zu verstehen und würden wohl auch einen Strom von Gedanken darstellen. In den verwendeten Stoffen sehe man eine Dreidimensionalität, die durchlässig und anpassend seien wie beispielsweise das Ein- und Ausatmen in völliger Freiheit. Die Pfeilerhalle werde so zu einem Resonanzraum. Die Farbe Weiß vermittle Licht, Stille, Klarheit, Utopie, humane Welt, spirituelles Erlebnis, Unschuld und Reinheit. In der Pfeilerhalle bewegt sich wellenartig ein weißer röhrenförmiger Stoff – es ist Fallschirmseide – und simuliere das befreite Atmen als lebenserhaltende Basis menschlichen Seins oder auch unsere unstillbare Sehnsucht, frei atmen zu dürfen.

Vorübergehende Verdrängung des Barocks

Im Obergeschoss suche der Künstler das Gestaltungsprinzip der Veränderung von Bestehendem hin zu neuen Wahrnehmungsperspektiven. Er verhüllt vier Skulpturen, wiederum in Weiß und finde durch Verdrängung eine Sichtschärfung, die die Figuren nur noch erahnen lassen. Üppiger Barock werde so zu minimaler Transparenz beziehungsweise schwerer Marmor zu Leichtigkeit. Verhüllt wurden Constantin Dauschs Omphale, der ungefasste flügellose Verkündungsengel Gabriel, der Evangelist Matthäus mit Engel und der Thronende Christus aus der Zürnschen Sammlung des Museums.

Bis 20. Juli zu sehen

Schließlich verstecken dort auch Blindzeichnungen Pfeiffers die Werke vergangener Waldseer Maler. Zu sehen ist eine Waage, die Schriften von Goethe und Shakespeare vergleicht, ein großes Tor, eine indische Leichenverbrennung oder Segelschiffe. Natürlich sind auch diese Arbeiten wieder auf großflächigem Weiß bei schlichtem reduziertem Schwarz. Pfeiffers äußerst eindrucksvolle künstlerische Reflexionen in Bad Waldsee sind noch bis 20. Juli zu sehen, werden in Erinnerung bleiben und sicher auch wiederholte Besuche wert sein, so die Laudatorin.

Die Bad Waldseer Pfeiffer-Ausstellung im SWR-Fernsehen

Am Ende des offiziellen Teils der Vernissage dankte die stellvertretende Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins Brigitte Hecht-Lang für die Präsentation Johannes Pfeiffers im Kornhaus und ehrte Heiderose Langer mit einem bunten Blumengebinde. Und es gab noch den Hinweis auf die Berichterstattung des SWR-Fernsehens über die außergewöhnlichen Installationen im und am Waldseer Kornhaus, die am Sonntag, 11. Mai, um 17.30 Uhr ausgestrahlt wurde (in der SWR-Mediathek unter https://www.ardmediathek.de/video/swr-kultur/swr-kultur-sendung-vom-11-5-2025/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyMzkwNjg noch zu sehen).

Brigitte Hecht-Lang dankte.

Text, Fotos und Video: Peter Lutz

Weitere Bilder in der Galerie

“Das Ein- und Ausatmen in völliger Freiheit”: Die bewegliche Installation kann unter dem nachstehenden Link in einem kurzen Video angeschaut werden.



Fotos: Peter Lutz

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