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Das renovierte Barockjuwel ist wieder zugänglich

Freudenböller zur Wiedereröffnung der Kapelle in Osterhofen



Foto: Rudi Martin
Die nach siebenjähriger Schließung wiedereröffnete Kapelle „Mariä Opferung“ in Osterhofen (Stadt Bad Waldsee) erstrahlt in neuem Glanz. Den Eröffnungsgottesdienst gestaltete die Sangesschar des eigentlich nicht mehr aktiven Kirchenchores unter der Leitung des früheren Dirigenten Karsten Maluck.

Osterhofen – Der 2. Adventssonntag 2025 wird mit der Wiedereröffnung der Kapelle nicht nur in der Geschichte von Osterhofen, sondern auch in der ganzen Region Bad Waldsee einen besonderen Stellenwert einnehmen. Denn hier vor Ort zeigte sich, wie dank des außergewöhnlichen Engagements vieler Unterstützer und Befürworter des Sanierungsprojekts „Kapelle Mariä Opferung“ ein kunsthistorisches sakrales Kleinod zu neuem Leben erweckt werden konnte.

Die barocke Kleinkirche in Osterhofen ist seit 7. Dezember 2025 wieder benutzbar. Das wurde groß gefeiert.

Bekanntlich musste die im Besitz der Stadt Bad Waldsee stehende Kapelle aus bautechnischen Gründen geschlossen werden. Mit vereinten Kräften – Förderverein, Stadt Bad Waldsee, Kirchengemeinde Haisterkirch und Spender – schaffte man die Renovation nach siebenjähriger Schließung. Die Freude über die Wiedereröffnung war riesig und das konnten zahlreiche Besucherinnen und Besucher des Festakts miterleben.

In der hell strahlenden, total sanierten Kleinkirche waren Stühle für die geladenen Gäste zusammengetragen worden. Pfarrer Stefan Werner, ein engagierter Befürworter der Sanierungsmaßnahmen, leitete den Gottesdienst. Das passende Liedgut wurde von den bisherigen Mitgliedern des  Haisterkircher Kirchenchors feierlich vorgetragen. Die Leitung des eigentlich nicht mehr aktiven Chors hatte der langjährige Dirigent Karsten Maluck übernommen. Schade, dass diese Chorgemeinschaft jetzt nur anlässlich dieses besonderen Ereignisses geprobt und gesungen hat. Pfarrer Stefan Werner erinnerte daran, mit Hinweis auf die vielen neu vergoldeten Engelsfiguren am wunderschönen barocken Altar, dass bekanntlich Engel die Türöffner zur Liebe Gottes sind. Er erbat den Segen Gottes für alle Menschen. Rolf Heber, der Gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderates Haisterkirch, zog Bilanz über die Restaurierungsgeschichte und bedankte sich bei den anwesenden Vertretern der Kreissparkasse Ravensburg und bei der Volksbank Allgäu-Oberschwaben für großzügige Unterstützung. Auch die Kirchengemeinde trägt ihr Scherflein zur so gelungenen Maßnahme bei.

Eröffnung des Festgottesdienstes: Pfarrer Stefan Werner leitete die Wortfeier.

Rolf Heber, der Gewählte Vorsitzende der Kirchengemeinde Haisterkirch, bei seiner Ansprache.

Bis 31. Januar wird jede 10-Euro-Spende verdoppelt

Heber erinnerte daran, dass jede bei der Volksbank Allgäu-Oberschwaben bis 31. 12. 2025 eingehende 10-Euro-Spende zugunsten der Sanierung Kapelle Osterhofen von der VBAO verdoppelt wird.

Salut zu Beginn des Festaktes

Nach dem Gottesdienst wurde das Festgeschehen im benachbarten Zelt fortgesetzt.  Zum Auftakt wurde durch Böllerschützen aus Altshausen die Freude über die Wiedereröffnung unterstrichen und der offizielle Festakt eröffnet. Um die Mittagszeit war das Festzelt voll belegt. Platz gefunden hatten auf den aufgestellten Bänken 250 Personen. Manche mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Die Ansage hatte Ortsvorsteher Matthias Covic übernommen.

Die Grußworte

Das erste Grußwort richtete Markus Schmid (Bild), der Vorsitzende des Fördervereins Kapelle Osterhofen, an die Gäste. Ihm war es deutlich anzumerken, wie glücklich er ist, dass diese Wiedereröffnung mit Hilfe so vieler Unterstützer zum Gelingen gebracht werden konnte. Sein Dankeschön an alle, die dazu beigetragen hatten, kam aus vollem Herzen.

Oberbürgermeister Matthias Henne (Bild) betonte in seinem Redebeitrag, dass dieser Tag ein besonderer Tag für die Ortschaft und für die Stadt Bad Waldsee und für all jene ist, denen dieses Kleinod am Herzen liegt. Mit vereinten Kräften sei es gelungen, die Kapelle vor dem Verfall zu retten und ein Stück Heimat, Religions- und Kulturgeschichte zu bewahren. Der Oberbürgermeister nannte all die Namen der verschiedenen Unterstützer dieser Rettungsaktion, die eine Gesamtsumme von rund 700.000 Euro kostete, die die Stadt nicht allein hätte stemmen können. Als der Oberbürgermeister den ungewöhnlich großen Einsatz der früheren Ortsvorsteherin Rosa Eisele für die Kapelle erwähnte, brandete spontaner Beifall auf. Ihr Name wurde beim Festakt am häufigsten erwähnt.

Etliche Großspender

Mittels großer Spenden – wie von den anwesenden Privatspendern Gerda Hymer, Karl Branz, Franz Brauchle, Kurt Hinder und Erwin Kübler – konnten Finanzierungslücken geschlossen werden; das wurde mit viel Beifall bedacht. 

Gerda Hymer (mit Brigitte Hecht-Lang, links).

Bürgermeisterin Monika Ludy (Bild) begann ihren Rückblick mit den Worten: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg oder die lange Reise der Kapelle Osterhofen.“ Sie hatte als Chefin der städtischen Finanzverwaltung mit Hingabe und Stehvermögen Zugang zu all den möglichen Geldquellen gesucht und gefunden.

Erfreulich war der Einsatz der Abgeordneten aus der Region, die sich für notwendige Bundes- und Landesmittel eingesetzt hatten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Müller (Bild) berichtete, dass es ihnen parteiübergreifend gelungen ist, in Berlin einen bedeutend hohen Zuschuss locker zu machen. Die anwesende frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Engelhardt bestätigte dies. Der CDU-Landtagsabgeordnete Raimund Haser wies darauf hin, dass sich der Einsatz auf Landesebene mit der Zusage durch die Denkmalbehörden, die nahezu die Hälfte der Kosten übernommen hatten, gelohnt habe.

Das Schlusswort blieb Ortsvorsteher Matthias Covic (Bild) vorbehalten, der in seinen Dank alle einschloss, die diesen Freudentag ermöglicht hatten, beginnend bei der Planungs- und Handwerksleistug, bei den Spendern, dem Förderverein , der Kirchengemeinde, der Stadt und all den freiwilligen Helferinnen und Helfern, die an den Verkaufsständen rund um die Kapelle für Kulinarisches gesorgt hatten und auch für den Zeltaufbau und die Nacharbeiten Sorge getragen hatten.

Günter Brutscher und Brigitte Hecht-Lang machten Führungen

Am Nachmittag fanden dann Führungen in der Kapelle durch die Kunstsachverständigen Brigitte Hecht-Lang und Günther Brutscher statt (darüber berichtet die Bildschirmzeitung in einem gesonderten Artikel).

Ein großes Ensemble der Musikkapelle Haisterkirch unter der Leitung von Daniel Maucher sorgte für schmissige blasmusikalische Klänge im Festzelt.

Im Zelt spielte die Musikkapelle Haisterkirch auf.

Anwesend bei der Wiedereröffnung waren auch der frühere Bürgermeister Rudolf Forcher und der damalige 1. Beigeordnete und Kämmerer Alfons  Fiegel. Bei der Eingemeindung von Haisterkirch 1972 in die Stadt Bad Waldsee waren die Verantwortlichen der Stadt bereit gewesen, die Baulast der Kapelle Osterhofen zu  übernehmen.

Altbürgermeister Rudolf Forcher begrüßt Peter Lutz (rechts), früher Stadtrat und CDU-Stadtverbandsvorsitzender. Lutz wird für die Bildschirmzeitung „Der Waldseer” noch über die nachmittäglichen Veranstaltungen im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten berichten; er hat die Führungen durch die Kapelle begleitet, die von Günter Brutscher und Brigitte Hecht-Lang gehalten wurden.

Gekommen waren viele Freunde der Osterhofer Kapelle aus nah und fern, so auch Josef Fußenegger aus Wangen (links); er hat seine Wurzeln in Osterhofen und ist Mitglied in der Jüngeren Marianischen Bruderschaft.

Rudolf Köberle, ehemaliger Landesminister, und Raimund Haser, aktueller Landtagsabgeordneter, vor dem kupfernen Modell der Osterhofer Kapelle.

Erbaut 1762

Dass diese Kapelle im Jahr 1762 überhaupt gebaut werden konnte, zudem mit dieser Rokoko-Pracht, ausgestattet unter anderem mit dem herausragenden Deckengemälde des 1724 in Eggmannsried geborenen Künstlers Eustachius Gabriel, verdankt man dem Engagement zweier Bruderschaften, die seit 1702 respektive seit 1718 bestehen und nach wie vor blühen. Sie haben jeweils 63 Brüder. Und besitzen jeweils ein Bruderschaftsgemälde, angebracht an den Seitenwänden.

Nach sieben Jahren

Die Jüngere Marianische Bruderschaft (von 1718) trifft sich jetzt am Donnerstag (11. Dezember) um 9.00 Uhr nach siebenjähriger Verlegung in die Pfarrkirche Haisterkirch zu ihrem Bruderschaftstag wieder am gewohnten Ort in der Kapelle Osterhofen.

Hermann Kemmlers Nachbildung in Kupfer

Ein vielfach bewundertes Objekt, aufgestellt vor dem Eingang zur Kapelle, eine aus Kupferblech angefertigte Nachbildung der Osterhofener Kapelle, wurde von Hermann Kemmler (Bad Waldsee) der Kirchengemeinde Haisterkirch geschenkt.  Es ist nicht das erste Geschenk dieser Art an die Kirchengemeinde. Denn auch die metallene Nachbildung der Kapelle St. Sebastian, als Wegweiser gleich nach dem Klosterhof in Haisterkirch auf der linken Seite Richtung St. Sebastian angebracht, stammt von seiner Hand. Auch die vielen Laternen für den Stationenweg sind Geschenke des 94-jährigen Kunsthandwerkers Hermann Kemmler. Er ist vielen Bad Waldseern als ehemaliger Hausmeister des Krankenhauses und dazu als großartiger Langstreckenläufer bekannt. Im Haistergau erfährt er besondere Hochachtung.

Hermann Kemmler mit seiner kupferner Nachbildung der Osterhofer Kapelle. Foto: Rosa Eisele

Text und Fotos: Rudi Martin

Ein weiterer Bericht folgt. Darin geht es um die kunsthistorischen Führungen am Nachmittag.

Viele Bilder in der Galerie



Fotos: Rudi Martin

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