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„Orpheus und Eurydike“ im Bad Waldseer Kornhaus

Das Amviehtheater hat’s noch immer drauf



Foto: Erwin Linder
Die Kämm-Szene (Alte Frau und Eurydike; Wiltrud Fach, links, und Carmen Gebel).

Bad Waldsee – Am 9./10. November gastierte das „Amviehtheater“, die Theatergruppe des Bad Waldseer Kulturvereins Spektrum K, mit dem Stück „Orpheus. Mythos oder Alltagshölle“ im Säulensaal des Bad Waldseer Heimatmuseums Kornhaus. Weitere Aufführungen gibt es am 22. und 23. November (jeweils 20.00 Uhr). Vorverkauf in der Stadtbuchhandlung in Bad Waldsee.

Es war ein starkes Plädoyer für Frauen, was das Amviehtheater auf die Bretter brachte. Die „Alte Dame“, dargestellt von Wiltrud Fach, brachte es in ihrem Eingangsmonolog auf den Punkt. Eurydike wird vergewaltigt, wird ermordet, wird aus dem Hades herausgeholt. Will sie das denn? Die handelnden Personen sind immer Männer, die Frauen müssen es über sich ergehen lassen.

Aber zurück zum Ausgang. Orpheus und Eurydike sind Figuren aus der griechischen Mythologie. Eurydike ist die Ehefrau des Orpheus. An ihrem Hochzeitstag wird sie vom „verliebten“ Aristheus verfolgt. Sie flieht, um sich ihm zu entziehen und tritt bei der Flucht auf eine Schlange. Sie stirbt am Schlangenbiss. Der untröstliche Orpheus, von den Göttern mit einem betörenden Gesangstalent gesegnet, bringt es fertig, sie aus dem Hades, der griechischen Unterwelt, zu befreien. Die Bedingung des Totengottes zur Freilassung: Orpheus darf sich während des ganzen Weges nicht nach ihr umsehen. Er tut es trotzdem und seine geliebte Frau wird ihm zum zweiten Mal entrissen. Nach seiner Rückkehr aus der Unterwelt wird Orpheus von rasenden Anhängerinnen des Gottes Dionysos getötet. Sie warfen Kopf und Lyra in den Fluß Hebros, wo er schlussendlich an der Insel Lesbos strandete.

Orpheus, musizierend.

Die moderne Eurydike, im langen Kleid und mit unübersehbarem Schwangerschaftsbauch, dargestellt von Carmen Gebel, wird von zwei Schwarzen Sheriffs, Christof Bader und Hans Ehinger, bedrängt, vergewaltigt und ermordet. Orpheus, ein softer Schönling, gegeben von Niko Werner, sucht seine Eurydike. Kommt ebenfalls wegen seines Gesangs in die Unterwelt und kann seine Eurydike mitnehmen. Macht den gleichen Fehler, dreht sich um und muss Eurydike doch im Totenreich zurücklassen. Die beiden Schwarzen Sheriffs erschießen Orpheus in einer Tiefgarage und enthaupten den Toten.

Regisseur Alexander Marx-Pabst führt die Schauspieler auf einer minimalistisch ausgestatten Bühne zu einem eindrucksvoll-ausdruckstarken Spiel. In den 20 Szenen, aus denen sich das komplette Stück zusammensetzt, wird die griechisch-mythische Ansiedelung der Parabel ins Diesseitige geholt. Nicht mehr die Götter bestimmen den Lauf des Schicksals, sondern Mann hat es selbst in der Hand. Frau wird unterjocht, geschlagen, getötet und dann, weil Mann sich nicht beherrschen kann, um die zweite Lebenschance gebracht.

Auch die sogenannte „häusliche“ Gewalt findet ihren Platz in diesem Stück. Auch wenn sie in den Medien praktisch keinen Niederschlag findet – alle vier Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. 331 Frauen wurden Opfer von versuchtem/vollendeten Mord oder Totschlag, 155 Frauen wurden durch ihren (Ex-)Partner getötet* – hat es der Autor Hansjörg Schneider, verstanden, auch dieses Thema in das Stück einzubringen.

Markus Kresser gibt mit Anzug und Krawatte einen glaubhaften Totengott Hades ab, der müde ist vom Verwalten des Totenreichs und die Herausforderung des Orpheus gerne annimmt.

Beate Decker als Ehefrau erträgt ihren Ehemann und Schwarzen Sheriff, der ihr droht und doch beim geringsten Widerstand klein beigibt.

Mathias Grünvogel begleitete die Szenen mit einem einfühlsamen Spiel auf seinem Akkordeon und sorgte so akustisch für griechisches Flair.

Mit dem Stück, der Regie und der schauspielerischen Leistung setzte das Amvietheater von  Spektrum K wieder Maßstäbe für eine Laienspieltruppe.

Weiter in der Besetzung: Technik Albert Ehinger, Dramaturgie Wiltrud Fach, Souffleuse Birgit Bader-Sickinger.

Schluss-Bild bei der Premiere am 9. November.

Das Stück wird am 22. und 23. November im Kornhaus noch einmal aufgeführt. Die Vorführungen waren gut besucht, besorgen Sie sich Ihre Karten frühzeitig in der Stadtbuchhandlung.

Besetzung

Orpheus – Niko Werner
Eurydike – Carmen Gebel
Hades – Markus Kresser
1 Wärter / Zerberus – Christof Bader
2. Wärter / Ehemann – Hans Ehinger
Ehefrau – Beate Decker
Alte Dame – Wiltrud Fach
Verzwickt – Alexander Marx – Pabst
Musik – Mathias Grünvogel
Technik – Albert Ehinger
Regie – Alexander Marx – Pabst
Dramaturgie – Wiltrud Fach
Souffleuse – Birgit Bader-Sickinger
Text und Fotos: Erwin Linder

Unter “Downloads” haben wir den Flyer hinterlegt

* Quelle: unwomen.de



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