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Der traditionelle Ball im „Kreuz“

Sammler stimmten sich auf die Fasnet ein



Foto: Erwin Linder
Einmarsch mit „Pauken und Trompeten“.

Bad Waldsee – Am vergangenen Samstagabend (17. Januar) stimmte sich das Sammlervökle Waldsee mit dem traditionsreichen Sammlerball in der Residenz „Zum Kreuz“ auf die Fasnet ein. König Berthe Schmidinger konnte sein zahlreich versammeltes Völkle begrüßen.

Einmal „Fliege“, bitte.

„So, bisch au gut über d‘r Winter komme“ – mit einem anzüglichen Blick auf die Körpermitte und den straff gespannten Stoff der Weste unter dem Sammlerfrack – die Knöpfe konnten den Embonpoint nur mit Mühe noch im Zaum halten – begrüßten sich alte Bekannte. „Mei, schwer wäh“ (ein urschwäbischer Ausdruck für besonders hübsch) wurde der neue Sammlerhut der Freundin fachkundig beurteilt.

Ja, wenn man so in der Wirtsstube der Königsresidenz im Gasthaus „Kreuz“ rundum schaute, sah man viel neuen und edlen Stoff aus Maßschneiders-Atelier. Vorbei die Zeiten, da sich die Sammlerfräcke und -röcke in der Strohschütte auf den alten Lastwagen von Scheerers Hans oder der BAG bewähren mussten. Vorbei mit den Polonaisen durch die Kuhställe, mit den Walzern auf dem hochherrschaftlichen Schlossherd. Legendär die Bitte des stets unfallfreien Fahrers Fritz Reize: „Mir bloß an halbe, i bin d‘r Fahrer“. Verantwortungsbewusst wurde die Schnapsration auf ein halbes Stamperl beschränkt. Heutzutage fahren die Sammler, den strengen Verkehrsvorschriften geschuldet, mit Kleinbussen in Bad Waldsees Außenorte.

Nach dem Einmarsch mit Musik, Pauken und Trompeten, hielt der König eine fulminante Ansprache an sein Volk. Im Sammlersprech: „Er sprach ein paar rührselige Worte.“ Und schritt alsbald zur Ehrung verdienter Sammler.

König Berthe spricht „ein paar rührselige Worte“.

Ehrungen

Für ihren jahrzehntelangen treuen Einsatz, für ihr Ausharren in der Residenz, bis auch die letzte Sammlerguppe kurz vor Mitternacht den Weg zurück ins „Kreuz“ gefunden hatte, für die sorgfältige Ausgabe und Rücknahme der Sammlerkässle und für das exakte Zählen aller gesammelten Spenden wurde Elisabeth Disch mit dem Zunftorden in Gold ausgezeichnet. Karin Blaser, die das Kassenteam komplettierte, wurde gleichzeitig noch für 25 Jahre Mitgliedschaft im Sammlervölkle geehrt und erhielt den Federlesstern in Silber am blauen Band.

Die Geehrten (von links): Elisabeth Disch, Karin Blaser, Franz Mosch, erhöht Sammlerkönig Berthold Schmidinger, Andreas Hepp, Bianca Jäger-Fischer, Klaus Christ, Jürgen Heiss, Zunftmeister Christoph Mayer.

Weitere Auszeichnungen für langjährige Treue zum Völkle erhielten Hansjörg Jedelhauser für 50 Jahre, Ehrenzunftmeister Franz Mosch, Klaus „Vetter“ Christ, Vizekönig Andreas Hepp, Michael „Mülli“ Müller und Susanne Wirth für 40 Jahre. Bianca Reuter-Fischer erhielt für ihre Verdienste den Sammlerorden in Silber, Jürgen Heiss in Gold.

Eine Schwarzwurst für „Wigge“

Die Idee der Aufnahmezeremonie und für den Ablauf hatte vor 40 Jahren in einem typisch sammlerisch-schwäbischen Geistesblitz Werner „Wigge“ Gros. Er wurde vom König nicht ganz ernsthaft mit der „Schwarzwurst am goldenen Bande“ ausgezeichnet.

Anschließend nahmen die beiden Zeremonienmeister Andi Hepp und Timo Abler das Heft in die Hand. Die Fasnet spielt sich dieses Jahr auf der britischen Insel ab. Und so suchten die beiden den Spaß an der Freud zunächst als Sherlock Holmes und Dr. Watson. Doch wie von Zauberhand warfen sie ihre Detektiv-Verkleidung ab und kamen als waschechte Schotten in Kilts und roten Karos zum Vorschein.

Sherlock Holmes und Dr. Watson alias Andreas Hepp und Timo Abler.

Was ein Sammlermagen alles erträgt

Jetzt galt es, die Jungsammler, die sich die letzten beiden Jahre als Lehrlinge auf Probe bewähren mussten, einer theoretischen und praktischen Prüfung zu unterziehen. Zeremonienmeister Andi Hepp hatte wie jedes Jahr ein kniffliges, witziges Quiz zusammengestellt. Alle Prüflinge bestanden diesen Teil der Prüfung mit Bravour. Und die Praxis? An den Sammeltagen ist es bei den Haltstationen nett und gemütlich, aber der Sammeltag hat halt nur 24 Stunden. Und da muss man die festen und flüssigen Leckereien schnell vereinnahmen. Unter „Mir sottet, mir sottet“-Rufen wurden die Prüflinge auch in  diesem Jahr wieder mit den obligatorischen lukullischen Genüssen konfrontiert. Auf den Berliner schnell ein Gläschen Sekt, zum Rollmops ein Schnäpsle, zur Schwarzwurst einen Schluck Wein und zum Harzer Roller noch einen süßen Likör. Ein Sammlermagen muss es ertragen. Und so konnten die neuen Sammler ins Völkle aufgenommen werden und erhielten mit Hut und Häs die Insignien, die „aus einem gewöhnlichen Menschen einen Sammler machen“.

Bereit für die praktische Prüfung.

Die Verwandlung.

Andi Hepp stellt knifflige Fragen.

Ein wackerer Biss in den Berliner.

Ganz schön hart, die Schwarzwurst.

Lecker: Harzer Roller.

Die Neusammler sorgen für Stimmung.

Hahn im Korb.

Beste Stimmung.

Ein AHA aus voller Kehle.

Neuaufnahmen

Die Aufgenommenen – Liane Becker, Bernadette Behr, Lisa Fähndrich, Andreas Fussenegger, Susanne Hoffmann, Nikolai Kibler, Stefan Kopf, Philipp Kronen, Markus Nold und Silke Straßner – dankten mit einem flotten Lied. Auch die Probesammler des Jahrgangs 2026, Yvonne Bachhofer und Mario Albersmeier, stellten ihr Gesangstalent unter Beweis. Stimmkräftig gecoacht und unterstützt von Siggi Schmidinger in der Sammler-Singgruppe.

Allmählich nahm der Ball Fahrt auf, die Musik gab ihr Bestes und als Höhepunkt des laut-fröhlichen Abends machte die Prinzengruppe noch ihre Aufwartung in der Residenz.
Text und Fotos: Erwin Linder




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