Skip to main content
Am 6. Dezember

Der Kornhaus-Advent zauberte Winterstimmung in die Köpfe



Foto: Peter Lutz
Hubert Leißle, Brigitte Hecht-Lang und (rechts) Ernst Langer – ehemalige Vorstände des Museums- und Heimatvereins – erhielten für ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit Dank und Präsent.

Bad Waldsee – Weihnachtlich leuchtete die historische Altstadt. Der Weihnachtsmarkt verbreitete duftende Vorfreude. Alte oberschwäbische Bräuche erwachten in Programmen und in den Herzen der Menschen. Allein der Winter hielt sich noch sehr bedeckt. Allerdings in der Pfeilerhalle hielt er musikalisch spürbar Einzug. Das Saitenensemble Salteris und Oberschwaben Brass erfüllten die Besucher reichlich mit adventlich-winterlichen Emotionen.

Monika Ludy begrüßt Publikum und Künstler.

Die neue Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins (MHV) Bürgermeisterin Monika Ludy (Biild) freute sich über die vollbesetzte Halle. Im Namen von Oberbürgermeister Matthias Henne und ihres fast vollständig anwesenden Vorstands begrüßte sie die Konzertbesucher herzlich. Gleichzeitig dankte sie dem bisherigen Vorstand für dessen mit Herzblut und vorbildlichem ehrenamtlichen Engagement geleistete Arbeit. Auch bei Johanna Hess, Ernst Langer und Brigitte Hecht-Lang bedankte sie sich sehr für die intensiven organisatorischen Vorbereitungen des Konzertabends. Ludy wünschte allen ein genussreiches oberschwäbisches Konzerterlebnis und lud die Gäste ein, abzuschalten.

Teile des neuen MHV-Vorstands (von links): Tina Deiss, Lena Maucher, Markus Mohr

Die Gruppe „Salteris“ mit Severin Hänsler (Hackbrett und Moderation), Salome Hänsler (Violine), Regina Hänsler (Bass) und Georg Dahlmann (Gitarre) spielte zum Auftakt Satz eins des Winterkonzerts aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Alle vier Instrumente, insbesondere Hackbrett und Violine, spielten rasante Läufe mit Sechzehntelnoten, auch unterstützt von Severin Hänslers Hi-Hat, womit auch eisige Stürme aufschienen. Auf die besondere Atmosphäre war nun perfekt und fulminant eingestimmt, was Hänsler mit einem Bild leisen und wilden Schneerieselns zusätzlich erklärte. Das Winterkonzert bilde schließlich einen roten Faden durch das gesamte Adventskonzert.

Das Ensemble “Salteris”.

Winterliche Stimmung trotz milder Temperaturen

„Oberschwaben Brass“ mit Steffen Ocker (Trompete und Moderation), Severin Hänsler (Trompete), Hermann Stehle (Waldhorn), Matthias Dorner (Posaune) und Markus Rist (Tuba) nahm mit „Nivalúme’“, arrangiert von Severin Hänsler, die winterliche Stimmung elegant auf. Das teilweise getragen gespielte Stück erinnerte deutlich an winterliche Helligkeit und weiße Schneelandschaft. Auch mit Gustav Holsts „In the bleak midwinter“ malte Salteris ein romantisch-musikalisches Winterbild wohl aus der oberschwäbischen Heimat mit all ihren landschaftlichen Schönheiten und alten Gotteshäusern. Regina Hänsler trug dazu passend das Gedicht „Winternacht“ von Edeltrud Wisser vor, in dem ein glanzversiegeltes Wasserbett – gemeint ist damit ein zugefrorener See – das Sternenzelt wiederspiegelt.  Das aus Finnland stammende „Sinun Silmäsi“ passte wunderbar zu diesem Bild und wurde einfühlsam von Salteris intoniert. Das Stück beschreibt Augen der Menschen in einsamen klirrend kalten nordischen Winterlandschaften, die diese Szenen aus einem warmen Haus durchs Fenster zufrieden wahrnehmen. Bei derzeit (6.12.) gerade mal acht Grad plus in Bad Waldsee seien die nordischen Minusgrade wohl nicht unmittelbar vorstellbar, aber musikalisch funktionierte das dennoch, meinte Hänsler. zurecht.

Der ängstlich schwitzende Schneemann

Ähnlich winterlich, aber recht heimatlich-humorvoll  besuchte Oberschwaben Brass einen „Frosty the Snowman“, der hoffentlich nicht gleich dahinschmelzen würde, doch aber sicher alle Jahre wieder kommen darf. Das schmissig gespielte Stück gab sinnbildlich den ängstlich „schwitzenden“ Schneemann überzeugend wieder! Salteris setzte das Programm nun mit dem zweiten Satz aus Vivaldis „Winterkonzert“ fort. Darin waren wechselnde Winterwetter wie Wind, Schauer von Schnee und Regen oder wohl auch Feuer vom warmen Ofen in der Stube unüberhörbar. Unterstrichen war das deutlich vom flotten Violinenbeitrag Salome Hänslers und vom Rhythmus der Gitarre und des Kontrabasses.

„Oberschwaben Brass“ nahm den brausenden Winter geschickt und wuchtig mit „It’s the most beautiful time“ auf. Zuvor aber erinnerte Steffen Ocker an aus viktorianischem Zeitalter stammende Weihnachtsbräuche nach, denen man sich gruselige Geistergeschichten in warmer Stube vorlas. Diese aufwühlenden Geschichten wurden von den Bläsern herrlich erzählt, wobei alle fünf Instrumente einen technisch anspruchsvollen Beitrag großartig darboten. Ocker beruhigte das Publikum aber mit seiner Ankündigung, man werde anschließend ein beruhigendes Lullaby von Christoph Moschberger zu Gehör bringen. Salteris hätten dann die nicht einfache Aufgabe, die Gäste wieder aufzuwecken, scherzte er. Insbesondere die beiden Trompeter glänzten bei diesem Doppeltitel, Hänsler teilweise mit gedämpftem Instrument.

“Oberschwaben Brass”, das sind (von links): Steffen Ocker, Matthias Dorner, Markus Rist, Hermann Stehle und Severin Hänsler.

Die Geschichte vom Wärmen der Krippenfiguren

Die Bassistin Regina Hänsler gab – zum Aufwecken? – einen witzigen Schulaufsatz in schwäbischem Dialekt zum Besten. Er handelte vom alljährliche Aufbau der Weihnachtskrippe, diesmal mit Unterstützung des recht einfallsreichen Schulbuben. Weil es in der Stube doch so kalt war, wollte der mitfühlende Bub die Figuren am Ofen wärmen. Das allerdings bekam den dadurch verstümmelten Figuren nun gar nicht gut, weshalb kurzerhand improvisiert werden musste. So saß der Josef nun auf einem seitlich gestellten Playmobilmotorrad, damit das verlorene Bein nicht zu sehen war, das völlig geschmolzene Jesukind wurde durch den Asterix ersetzt, weil der genau in das Kinderbettle passte und warum konnte man nicht mehr existierende Weidetiere doch nicht auch durch Nilpferd oder Brontosaurus ersetzen? Die Geschenke der heiligen drei Könige waren denn auch Marlboro, Kaugummi, Pistole und Pizza statt Gold und Weihrauch. Bei diesem Anblick formulierte nun der Opa das lustige Kerzenadventsgedicht in Obstler um, etwa so: erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier … mit den daraus resultierenden unvermeidlichen Folgen! Schon damit war das Publikum wieder auf heitere Weise hellwach geworden, ganz sicher aber durch das „Pure Imagination’ (Lesslie Bricusse) vom Saitenensemble. Hänsler beschrieb zuvor die Rollen der fünf eingesetzten Instrumente, die das Stück berührend interpretierten. Insbesondere Hackbrett und Violine waren dabei kraftvoll und tremoloartig zu genießen.

Geschenke auf schwankenden Kamelrücken

Der dritte Satz aus dem „Winterkonzert“ war nächster Programmpunkt. Der ausdruckstarke Satz versetze den Hörer in das Bild eines rasant auf glattem, aber oft auch gefährlich dünnem Eis dahingleitenden Schlittschuhäufers, meinte Hänsler. Nicht weniger herausfordernd für Salteris war „We three kings“ (John Hopkins). Natürlich sei dies ein sehr weihnachtliches Motiv, aber diesmal nicht in Winterlandschaft, sondern als musikalisch-orientalische Karawane von Kamelen in der Wüste, die dem Stern nach Bethlehem folgen. Dabei gelte es, die Geschenke auf schwankenden Kamelrücken gut festzuhalten bei fein gespielten orientalischen Rhythmen.

Ein Rentier in Oberschwaben?

Steffen Ocker wollte zunächst den ankommenden Santa Clause samt Rentier (Fred J. Cools) nach Oberschwaben lenken, was natürlich nicht so ernst gemeint war. Santa Clause schwebte wie gewohnt musikalisch flott begleitet von vier strahlend harmonisch klingenden Instrumenten und einer Sicherheit bietenden Tuba weiter im kalten Norden.

Beide folgenden Titel entführten das Publikum in den Swinging Jazz. „Sweet Georgia Brown“, intoniert von Salteris, brachten so manche Beine dem beliebten Song folgend in Bewegung. Ein perfektes Violinensolo bereicherte die Interpretation auf schönste Weise. Bei „Mr. Sandman“ (Pat Ballard) von Oberschwaben Brass war ein Einschlafen des Publikums absolut nicht zu befürchten. Alle fünf Blasinstrumente spielten darin eine jeweils für sie typische und deutliche Rolle. Offizieller Schluss des Konzerts war ein barocker Ausflug in französische Königsschlösser. „Fontaine et Rondeau“  (François Couperin). Das damals typische Rondo wurde am Hackbrett einfühlsam deutlich. Getragene und heitere Motive waren geboten, was die weite Dynamik der Salteris bewies.

„Feliz Navidad“ und „O Du Fröhliche“

Hochverdienter Schlussapplaus bewog die Musiker zu zwei Zugaben: die Weihnachtsversion von „Java“ durch Salteris und das ergreifende „Feliz Navidad“ durch die Bläser. Endgültiger Abschluss war schließlich des gemeinsam gesungene „O Du Fröhliche“, begleitet von allen neun Musikern.

Hubert Leißle, Brigitte Hecht-Lang (beide vom scheidenden MHV-Vorstand) und Monika Ludy, die neue Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins.

Dre der Salteris.

Die “Salteris”.

Severin Hänsler an der Trompete.

Salome Hänsler an der Violine.

Severin Hänsler am Hackbrett.

Georg Dahlmann (Gitarre).

Regina Hänsler am Kontrabass.

Severin Hänsler am Hackbrett.

Markus Rist, Hermann Stehle und Severin Hänsler (von links).

Rist und Stehle.

Ocker, Dorner, Rist, Stehle und Hänsler

Text und Fotos: Peter Lutz    




NEUESTE BEITRÄGE

Bad Waldsee
Am Samstag, 23. Mai

Ehrentag 2026 – Für dich. Für uns. Für alle.

Bad Waldsee – Am 23. Mai wird erstmals bundesweit der „Ehrentag – Für dich. Für uns. Für alle.“ begangen. Der neue Mitmachtag wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgerufen und rückt das Ehrenamt sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt.
Hast Du Lust mit uns zu singen?

Der Männerchor Haisterkirch sucht Mitsänger für Projektchor

Haisterkirch – Auch für dieses Jahr ist der Männerchor Haisterkirch wieder in den Planungen für einen Sängerabend am Samstag, 27. Juni. Zum Konzert soll, wie bereits in den vergangenen Jahren, ein Projektchor mitwirken.
Tag der offenen Tür am 21. März: jetzt ein Blasinstrument lernen!

Jugendmusikschule Bad Waldsee bietet neue Einstiegsmöglichkeiten

Bad Waldsee – Zum Halbjahreswechsel am 1. April bietet die Jugendmusikschule Bad Waldsee e.V. wieder neue Einstiegsmöglichkeiten in den Instrumentalunterricht an. Besonders gesucht sind junge Musikerinnen und Musiker, die ein Blasinstrument erlernen möchten. Blasinstrumente bilden die Grundlage vieler Musikgruppen, Ensembles und Orchester. Ohne Trompeten, Hörner oder Posaunen ist ein vollständiges Zusammenspiel kaum möglich. Deshalb möchte die Jugendmusikschule gezielt Kinder und Jugendliche …
Sonntag, 15. März, 10.30 Uhr

Kirchengemeinde St. Peter hat Gemeindeversammlung

Bad Waldsee – Das Thema „Fusion von Kirchengemeinden zu Raumschaften“ treibt viele Gläubige um. Wie wird die seelsorgerliche Versorgung künftig vonstatten gehen? Auch der „Gebäudeprozess“ ist ein Thema, das vielen unter den Nägeln brennt. Die Kirche muss sich aufgrund schwindender Mitgliedzahlen und abnehmender finanzieller Ressourcen von einem Teil ihrer nichtsakralen Gebäude trennen. Um diese Fragen geht es bei der Gemeindeversammlung der Kirchengemeinde St. Peter am Sonntag, 15. März, um 1…
Daniel Lämmle und Thomas Högg

Zwei Stadtjäger für Bad Waldsee

Bad Waldsee – Die Stadt Bad Waldsee hat früh erkannt, dass Begegnungen zwischen Mensch und Wildtier im urbanen Raum (Siedlungs- und Wohnbereich) zunehmen und neue Lösungsansätze erfordern. Statt erst bei akuten Problemen zu reagieren, haben sich die Verantwortlichen der Stadt rechtzeitig mit der Thematik des urbanen Wildtiermanagements (Umgang mit Wildtieren in der Stadt und im Wohngebiet) auseinandergesetzt und ein strukturiertes Angebot geschaffen.
ANZEIGE

MEISTGELESEN

Bad Waldsee
Sängerabend am Samstag, 20. April

Männerchor Haisterkirch sucht Mitsänger für Projektchor

Haisterkirch – Auch für dieses Jahr ist der Männerchor Haisterkirch wieder in den Planungen für einen Sängerabend am Samstag, 20. April. Zum Konzert soll, wie bereits in den vergangenen Jahren, ein Projektchor mitwirken. Hierzu sind alle sangesfreudigen Männer jeder Altersstufe herzlich eingeladen.
Sieben Neuzertifizierungen im Landkreis Ravensburg

58 Handwerksbetriebe aus der Region sind TOP-Ausbilder

Ulm – In der Region gibt es viele Handwerksbetriebe, denen die Ausbildung junger Menschen besonders am Herzen liegt und die sich maßgeblich engagieren. Über das Qualitätssiegel „TOP-Ausbilder“ der Handwerkskammer Ulm können sie sich das hohe Engagement in Sachen Nachwuchsfachkräfte zertifizieren lassen. Ganz aktuell haben im Kammergebiet weitere 19 Ausbildungsbetriebe das Zertifikat erhalten: davon befinden sich sieben im Kreis Ravensburg, vier im Landkreis Biberach, drei im Bodenseekreis, zw…
Unterstützung jenseits der Fallpauschalen

Geburtshilfen in Wangen und Ravensburg erhalten Bundesmittel

Stuttgart / Wangen / Ravensburg – Die geburtshilfliche Versorgung in den Krankenhäusern in Baden-Württemberg wird, wie bereits im Vorjahr, mit rund 15,65 Millionen Euro aus Bundesmittel gefördert. Dies soll die Geburtshilfe unabhängig von der leistungsorientierten Fallkostenpauschale finanziell absichern und die Fachabteilungen für Geburtshilfe in den Krankenhäusern unterstützen. Dies teilte Landes-Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag (2. April) in Stuttgart mit. Die Geburtshil…
Erstmals mit Audioguide – An vielen Tagen auch Liveprogramm

1. Mai: Saisonstart bei der Moorbahn

Aulendorf – Bad Waldsee – Bad Wurzach – Die Ausflugszüge der Moorbahn starten am 1. Mai in die neue Saison. Immer sonn- und feiertags bis zum 20. Oktober fahren sie auf der Strecke Aulendorf – Bad Waldsee – Bad Wurzach durch die schöne Landschaft zwischen Oberschwaben und Allgäu. Viele spannende Ziele warten darauf, entdeckt zu werden. In den Zügen gibt es gute Unterhaltung – live und jetzt erstmals mit einem Audioguide.
Auf dem Freigelände der Viehversteigerungshalle Bad Waldsee

Am 3. Mai ein groß angelegter Fahrsicherheitstag für E-Bikes und Fahrräder

Bad Waldsee – Am 3. Mai findet auf dem Freigelände der Viehversteigerungshalle Bad Waldsee ein groß angelegter Fahrsicherheitstag für E-Bikes und Fahrräder statt. Die sehr erfreuliche Anzahl von Verkehrsteilnehmern, welche mit E-Bike (Pedelec) und Fahrräder unterwegs sind, haben zu einem starken Anstieg von Radunfällen geführt. Hierfür gibt es sicherlich verschiedene Gründe, wie mangelnde Fahrpraxis, überhöhte Geschwindigkeit oder Überforderung. Die Verkehrswacht Ravensburg e.V und das Polize…

TOP-THEMEN

Bad Waldsee
Haisterkirch / Osterhofen – Am 19. Februar 2025 gründete sich die Bürgerrunde Haistergau mit diesem, von ihr so formu…
Ulm / Bad Waldsee – Mehr Zeit für die Bildung der neuen Groß-Pfarreien war eine Forderung beim Austausch zum diözesan…
Bad Waldsee – Der 73. Begegnungstag der Landfrauen fand unter dem Motto statt: „Steh auf, fass Mut und handle“. Wie i…

Einzelhandel, Dienstleistungen und Handwerk in Allgäu-Oberschwaben

VERANSTALTUNGEN

Bad Waldsee