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Glänzender Auftritt der Stadtkapelle

Wie das Wertungsspiel, so das Jahreskonzert: „Hervorragend“



Foto: Peter Lutz
Alle Register trugen zum großen Erfolg des Jahreskonzertes 2025 bei. Unser Bild zeigt Teile des Holzregisters.

Bad Waldsee – „Hervorragend“– dieses höchste Prädikat erspielte sich die Stadtkapelle Bad Waldsee im vergangenen Juli beim Wertungsspiel in Fronhofen und wurde damit ihren eigenen hohen Ansprüchen „spielend“ gerecht. Genau auf diesem Niveau präsentierte die Oberstufenkapelle ihr diesjähriges Jahreskonzert. Die Auswahl der durchweg anspruchsvollen Titel traf Stadtmusikdirektor Joachim Weiss, der nun bereits zum elften Mal das traditionelle Jahreskonzert seiner mehr als sechzig hochmotivierten Musikerinnen und Musiker leitete. In der adventlich-weihnachtlich dekorierten Stadthalle wurde das Doppelkonzert am Samstagabend (29.11.) und am ersten Adventssonntag nachmittags gespielt. Das Jugendblasorchester WoWaBe trat am Samstag in Wolfegg auf und am Sonntag auch in Bad Waldsee.

Vorsitzender Franz Gapp (Bild) begrüßte zahlreich erschienene Gäste aus nah und fern, unter ihnen Bürgermeisterin Monika Ludy, Altbürgermeister Rudolf Forcher mit Gattin, den ehemaligen Landtagsabgeordneten Helmut Kiefl mit Gattin, Pfarrer Josef Mattes und Ehrendirigent Siegfried Frommelt mit Gattin und Freunde aus benachbarten Musikvereinen. Er dankte Joe Weiss für seinen vorbildlichen Einsatz und verwies auch auf das allmählich in den Blick kommende Großereignis seiner Stadtkapelle am 10. bis 13. Juni 2027, an dem man das 200-jährige Bestehen feiern dürfe. Gapp freute sich, auch diesmal wieder Matthias Winstel als Moderator gewonnen zu haben, wünschte guten Musikgenuss und begab sich zu seinem geschätzten Trompetenregister.

Führte gekonnt durchs Programm: Matthias Winstel.

Konzertauftakt war „The Cowboys Overture’“von John Williams aus dem Film „Die Cowboys“ (1972). Musikalisch wird hier Spannung, Abenteuer und Mut eines lehrreichen Auftrags für tapfere und rechtschaffene junge Cowboys aufgebaut, was auch durch Motive aus klassischen Western deutlich wird. Mit wuchtigen Einsätzen insbesondere des Schlagwerks, der Posaunen, Klarinetten, Baritone und Hornregister entstanden, vom Dirigenten brillant geleitet, Bilder aus weiten Landschaften und Abenteuern des amerikanischen Westens. Winstel sah in seinem Kommentar zum gelungenen Auftakt klassische Westernerinnerungen und stellte John Wayne John Williams gegenüber, also den berühmten Westernhelden und den einfühlsamen Komponisten und Musiker.

Leitete zum elften Mal ein Jahreskonzert der Stadtkapelle Bad Waldsee: Dirigent Joachim Weiss.

Das „Fiskinatura“ von Thiemo Kraas war Pflichtstück beim Wertungsspiel in Fronhofen. Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk, das anlässlich der 1150-Jahrfeier der Allgäugemeinde Fischingen entstand. Winstel verband mit diesem Titel die Idee, doch auch für Bad Waldsee ein Auftragswerk anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Stadtkapelle zu schaffen. Der Titel könnte doch „Walasenatura“ heißen und seine vier Sätze Intrada iubilate, Scherzo dansante (der Urbach speise doch beide Seen, die durch den Pfaffenbach verbunden seien und danach die Steinach bilden), Intermezzo pastorale und ein tolles Finale? Man hätte dabei unser liebenswertes Städtle vor Augen, auch die netten Gärtle, die Landschaft und Natur samt ihrer Macht, den Himmel und Frieden und die Heiterkeit seiner Menschen? Die Stadtkapelle interpretierte das recht rhythmische Fiskinatura in allen Registern bestens einstudiert von Joe Weiss. Besonders eindrucksvoll war das wuchtige Finale, sehr unterstützt vom Schlagwerk.

Das Stück „Serenity“ von Ola Gjeilo leitete Winstel über die damit verbundenen Sponsoren „Eulenspiegel“ und Metzgerei Frank ein, von denen üblicherweise leibliches Wohl zu erwarten sei. Das Stück vermittle aber ein anderes Wohl, nämlich Ruhe und Gelassenheit und wohl auch etwas Weihnachten und werde die Besucher berühren. So waren beispielsweise die Klarinetten- und Posaunenregister richtig wärmend und getragen, was dann von Fagott, Oboe, Bariton, Saxophon und Querflöten weitergetragen wurde. Mit diesem stilgerecht und sehr sensibel gespielten Titel stellte Winstel auch das Oboenregister Alexandra Eisele und Ulrike Hlawatschek vor.

Mit „Don Quixote“ von Jean-Pierre Haeck, natürlich im Schwierigkeitsgrad „schwer“, präsentierte Weiss das zweite Stück, das er selbst für das Wertungsspiel in Fronhofen ausgewählt hatte. Der spanische Schriftsteller de Cervantes verewigte damit einen majestätischen Ritter voller Illusionen und sein Gegenteil, den humorvollen und bodenständigen Sancho Panza. Geheimnisvoll und doch wuchtig wechselnd ist das Stück zu spielen und lustig kommt darin Sancho Panza vor allem im Trompetenregister daher und das Einsehen der Beiden wurde in getragenen Passagen der Holzregister deutlich und schließlich auch im Schlagwerk – eine großartige Interpretation der Stadtkapelle bei froher Erinnerung ans jüngste Wertungsspiel! Jakob Strassner als Neuer mit Tenorhorn durfte hier unter anderem mit dem etablierten Tenorhornisten Hans-Martin Maucher spielen.

Zwei der sechs Tenorhornisten.

Joe Weiss mit einem Teil des 60-köpfigen Ensembles.

In „Meridian“ von Ola Gjeilo wagte sich Joe Weiss in der langen Stadtkapellentradition an Neues. Kontrabassistin Freia Völkel war schon im Bläserensemble. Nun aber fügte sich auch Pianistin Valeria Kizka in den großen Klangkörper der Bläser. Diese junge Ukrainerin beherrscht ihr Tasteninstrument virtuos, was sie bereits in der Stadtkapelle Aulendorf unter Beweis stellen durfte. Mit einem rasant rhythmischen Soloauftakt eröffnete sie den „Meridian“, der schließlich in den gesamten Klangkörper mündete. Aber nicht nur ihr Piano war dabei sehr eindrucksvoll im Spiel, sondern auch ein herrlich gespieltes Querflötensolo von Theresa Längle! Danach ging es in ein wiegend berührendes Finale der Kapelle über. Nun stellte Winstel  den Neuzugang im Schlagwerk, Marc Burkhart, vor.

Paul Lovatt-Coopers „Vitae Aeternum“ war sicher ein weiteres Highlight des Jahreskonzerts! Theologe und Musiker Matthias Winstel ging hier auf die religiösen Inhalte der Komposition ein. Darin enthalten sind drei Liedertitel, „God came in Jesus to live among us“, „I’ll praise you Lord with all my Heart’“ aus Psalm 9 und „His Provision“. Alle Register, inklusive Piano waren dabei intensiv gefordert und bewiesen wieder ihre Stärken. Fast umwerfend war schließlich das Finale auch mit dem Schlagwerk.

Am Konzertende trat Theresa Längle (Bild) ans Mikrofon, um allen zu danken, die dieses Konzert ermöglicht haben.

Trompeterin Karin Glasder überreichte Präsente an Matthias Winstel (Bild) und Joe Weiss.

Theresia Längle (am Mikro) und Karin Glasder dankten Moderator Matthias Winstel und dem Dirigenten Joachim Weiss (rechts) mit ehrenden Worten und anerkennenden Geschenken.

Und natürlich folgte nach langem Applaus eine Zugabe, die sich vom üblichen Marsch abhob! Stattdessen waren es die nun wirklich weihnachtlichen „Drei Nüsse für Aschenbrödel’“, die alljährlich fester Bestandteil der öffentlichen TV-Sender an Weihnachten sind. Der Film entstand bereits 1973 und die Musik dazu komponierte Karel Svoboda. Auch damit bewies die Stadtkapelle Bad Waldsee nochmal ihr sehr hohes Niveau. 

Die Jugend war am Samstag (als unser Konzertberichterstatter in Bad Waldsee vor Ort war) in Wolfegg im Einsatz.

Text und Fotos: Peter Lutz   




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