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Großes Konzert des Musikvereins Bergatreute

Musikalisches Träumen von Freiheit



Foto: Peter Lutz
Projektdirigentin Stefanie Hairbucher hatte das Programm zusammengestellt, unterstützt von Gastdirigent Roland Schmid.

Bergatreute – Marc Kovatschevitsch, Vorstand des Musikvereins Bergatreute, durfte beim Herbstkonzert vor kurzem viele Ehemalige begrüßen, unter ihnen Ehrenvorstand Reinhard Koppers. Besonders würdigte er den betagten Schlagzeuger Erich Schorpp, der seit sage und schreibe 78 Jahren aktiv dabei ist. Von der ehemaligen Dirigentin Anja Vinçon gab es herzliche Grüße und allen Musikern beste Wünsche für ein gutes Gelingen des Konzerts. Auch befreundete Musikvereine hieß er willkommen. Über etwa 400 Konzertbesucher freute sich der Vorsitzende. „Ein Traum von Freiheit“ war das Motto des Konzerts. Projektdirigentin Stefanie Hairbucher stellte das Programm zusammen, unterstützt von Gastdirigent Roland Schmid.

Klassisch blasmusikalisch eröffnete der fast 70 Musiker starke Klangkörper den Konzertabend mit strahlenden und vibrierenden Fanfarenklängen, die spielend aus dem Alltagstrott führten, hinein in Phantasien und Wunsch?-Träume. Titel war „Jubilee Vibrations“  von Gabriel Leitner.

Querflötistin Verena Baumann (Bild) verdeutlichte in ihrer Ansage das ehrgeizige Vorhaben zum Eintauchen in Träume. Freiheit gelinge auf der Suche nach Grenzen mit dem Mut zu eigenen Wegen; sie schlug vor, sich einfach mal fallen zu lassen bzw. gedanklich in ein Gefühl zu treten, das uns in Bewegung hält.

Die „Songs of the Catkills“ (Johan de Meij) besingen eine US-Region im Bundesstaat New York, kaum 100 Meilen von der Metropole entfernt. Dort gibt es eine reiche Musiktradition mit teils populären amerikanischen, irischen und schottischen Folkloreelementen. Bilder von schöner Natur, Menschen in Armut und schwerer Arbeit, unter anderem in Steinbrüchen, symbolisiert mit Ketten, wandern als Motive durch die Register. Sie enden mit einem Zuversicht vermittelnden Finale. Diese anspruchsvolle Komposition war von Stefanie Hairbucher minutiös einstudiert und wurde von ihr sehr konzentriert dirigiert.

Zurück auf den alten Kontinent ging’s hinein ins Freiheit atmende Allgäu, nach Fischen. Die Suite „Fiskinatura“ (Thiemo Kraas) erzählt von Heimat und ihren Menschen, von der Macht der Natur und vom Chaos menschlicher Natur, fein interpretiert von allen Registern und souverän geleitet von Roland Schmid (Bild). Im Hintergrund waren Bilder des alpinen Allgäu zu bewundern.

Den „Marcha Libertad“, einen Konzertmarsch führte wieder Stefanie Hairbucher (Bild) an. Darin zeigten die Bergatreuter ihre dynamische Vielseitigkeit von zartwarmen bis wuchtigen Passagen eindrucksvoll.

Die Pop-Overture „Odilia“

Teile der Holz- und Schlagregister. Im Hintergrund war ein Bild der Heiligen Ottilie eingeblendet.

Verena Baumann führte nun sehr fundiert in die Pop-Overture „Odilia“ ein. Dieses Stück behandelt das Leben der Heiligen Ottilie, Schutzpatronin des Elsaß sowie der Augen. Von Geburt an erblindet,  kommt sie im Alter von zwölf Jahren ins Kloster und wird dort durch ein Wunder sehend. Ottilie empfindet zunächst Freiheit nur von innen. Mit ihrem Glauben und ihrer Zuversicht nimmt sie nun  ihre Freiheit mit eigenen Augen wahr. Das Bild des Ottilienklosters auf bizarrer Höhe im Hintergrund vor Augen, interpretierten die Musiker äußerst sensibel, eingehend auf den Wallfahrtsort, wo auch die Reliquien der Heiligen aufbewahrt sind. Der Vortrag vermittelte zudem eine ansteigende Aufbruchstimmung.

Ein sehr populäres Motiv (Theme) in „Gonna Fly Now“ findet sich in der wohl bedeutendsten Filmmusik zu „Rocky“ in den Siebzigern. Rocky sah seine Freiheit im eigenen Mut bis hin zu einer erarbeiteten Schwerelosigkeit, die Inbegriff der Freiheit sei, erläuterte Verena Baumann zutreffend. Mit toller Power insbesondere durch das Schlagwerk lenkten die Musiker in eine erträumte Freiheit des Protagonisten und wurden wie zuvor schon mit begeistertem Applaus belohnt.

Zwei Musiker aus der Abteilung Schlagwerk (vor Ottilie).

„Schließt die Augen“

Zum nächsten Titel „Annie’s Dream“ empfahl die Moderatorin die Augen zu schließen. Wer ist denn eigentlich diese Annie, die ihren Traum vom eigenen Lebensweg mühsam erkämpfen muss, um ihre Talente anderen zu beweisen, fragte die Moderatorin. Insbesondere Trompeten und Flügelhorn wie dann auch die Holzregister zeigten den schwierigen Weg der jungen Annie in einer perfekten musikalischen Interpretation. Dazu passend war das Bild einer offensichtlich triumphierenden Frau auf einer Felsspitze zu sehen.

Das „Perpetua Mundus“ wurde von Lukas Bruckmeyer in Zeiten der Corona-Pandemie geschaffen. Damals verschwanden selbstverständliche Freiheiten, Nähen und Bewegungsmöglichkeiten und Masken entstellten unsere Gesichter. Mit seinem Werk thematisierte der Komponist auch eine Wiederkehr von Gefühlen und vielen verdrängten Möglichkeiten. Sehr eindrucksvoll führte die Dirigentin in diese durchlittenen Zeiten.

Auch an Puccinis Oper „Turandot“ wagten sich die Musiker. Die Arie des Prinzen Calaf  „Nessun Dorma“ (Keiner schlafe) erklang aus ihren Instrumenten. Turandots Rätsel hatte der Prinz ja gelöst und entging so seiner Tötung, aber seinen Namen zu finden blieb Turandots Sehnen! Wie auf großer Opernbühne ging man in der Gemeindehalle zu Werke, wobei man hier nicht in den Orchestergraben musste. Nicht nur hören, sondern auch sehen und fühlen durfte das Publikum die gewonnenen Freiheiten der Protagonisten!

Mit der Polka „Ein Egerländer Traum“ übernahm Roland Schmid (Bild) wieder den Taktstock. Damit gelangte das Publikum in die heiteren Sphären der Freiheitsträume. Flott gespielt empfand man sich rasch freier und der obligatorische Paukenschlag am Schluss tat sein Übriges!

Beeindruckend: ein  Stück aus dem Musical „Elisabeth“

In weiteren Höhen ging es um die Freiheitsträume von Kaiserin Elisabeth am Hofe der K.u.K-Monarchie unter Kaiser Franz Joseph. Die viel zu jung verheiratete Elisabeth musste schmerzhaft ihren Weg zu Stärke und Freiheit jenseits der Zwänge am Wiener Hof finden. Welcher Mut war nötig bis zu ihrer Erkenntnis „Ich gehöre nur mir“?

Auch in uns allen sah die Moderatorin Möglichkeiten, sich von inneren Ketten zu lösen und sich von Problemen zu befreien. Solche Träume und Gedanken sollten wir heute mit nach Hause nehmen, meinte Verena Baumann und dankte für den so zahlreichen Konzertbesuch. Das Arrangement Johan de Meijis aus dem Musical „Elisabeth“ setzten Stefanie Hairbucher und ihre Musiker grandios um. So leiteten erst Traumsphären leise ein; dynamisch anschwellend mit Klarinetten und Querflöten ging‘s über mit Horn und gedämpfter Posaune, Leiden und Reifungsprozesse der Elisabeth symbolisierend. Heitere Rhythmen malten Elisabeths Ausbrechen gegen den liebenden und dennoch einengenden Gemahl. Sicher war dieser Titel ein glänzender Höhepunkt des Konzertabends.

Der Dank des Vorstandes

Vorstand Marc Kovatschevitsch (Bild) dankte schließlich allen sehr herzlich, die diesen Abend möglich gemacht haben, und hob die Notensponsoren und die Moderatorin hervor. Der Dirigentin überreichte er ein Blumengebinde, dem Dirigenten ein Geschenk, für den Musikverantwortlichen Johannes Sonntag gab es ein Partyfass. Und weil der Musikverein Bergatreute auf Dirigentensuche ist, bezeichnete der Vorstand das Herbstkonzert quasi als „Vorstellungsgespräch“ mit bester Wirkung. Bei der Begrüßung zu Beginn hatte erv erwähnt, dass der verhinderte Bürgermeister Helmfried Schäfer und der gleichfalls verhinderte Ortspfarrer Klaus Stegmaier sich entschuldigt hatten.

Vorstand Marc Kovatschevitsch überreicht dem Gastdirigenten Roland Schmid ein Geschenk.

Und für die Projektleiterin gab es Blumen.

Der Dank der Projekt-Dirigentin

Hairbucher dankte, auch im Namen Roland Schmids, allen, besonders aber den Musikern mit den Worten „Seid stolz auf Eure Leistung und lasst Euch jetzt gebührend feiern!“

Die fällige Zugabe war Markus Nentwichs Polka „Eine letzte Runde“.

Duett zum Schluss

Franziska Walser und Stefanie Hairbucher beim “Kimm guat hoam” im verdunkelten Saal.

Und weil es gar so schön war, gab es noch einen zusätzlichen Schlusspunkt: Die Dirigentin und ihre Schwester Franziska Walser sangen im Duett „Kimm guat hoam’, instrumental begleitet vom gesamten Ensemble und dazu noch mit stimmlicher Unterstützung aller Männer im Ensemble!
Text und Fotos: Peter Lutz




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