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Glänzende Konzerte an zwei Abenden vor kurzem im Haus für Bürger und Gäste

Anspruchsvoll, heiter und auch nachdenklich: der Männerchor Alttann



Foto: Peter Lutz
Peter Schad leitet seit vielen Jahren den Männerchor Alttann. Das Bild zeigt einen Teil des Ensembles.

Alttann – Weit war der Bogen, den Peter Schad mit seiner klugen Stückauswahl für die diesjährigen Sängerabende des Männerchores Alttann spannte. Im Nu war der triste Novembernebel draußen vergessen, als Peter Schads Mannen den voll besetzten Saal des Hauses für Bürger und Gäste betraten. Vorstand Karl Motz begrüßte erfreut die große Besucherschar, unter ihnen die Geistlichkeit, Gemeinderäte und insbesondere die Freunde aus Rüthi in der Schweiz, nah am Hohen Kasten im St. Galler Rheintal. Auch den Neuen im Ensemble, Dieter Linse, hieß er willkommen. Er betonte, trotz des unveränderten Mottos „Männer mag man eben“ sei dieser Abend beileibe keine Wiederholung vom Vorjahr und recht sollte er behalten. An zwei Abenden wurde das Programm dargeboten.

Ansager und Multitalent Josef Matheis (Bild) verbreitete flugs Heiterkeit, als er die Unersetzlichkeit, die Schlauheit, die Sonderbarkeit und Verletzlichkeit der Männer pries, was doch die Frauen sicher auch so sähen. Mit stolzer Inbrunst und aus völliger Überzeugung wurde gleich das „Männer mag man eben“ intoniert, begleitet von Franz Ott am Klavier und Josef Matheis am Cajon. Alle Register waren dabei gefordert und gaben ihr Bestes.

Josef Matheis rezitiert „D‘r Gsangverei“

Matheis strapazierte die Lachmuskeln weiter mit dem Gedicht „D‘r Gsangverei“ (Sebastian Blau), wo erst mal „nohmol jeder huastat, die Mäuler sperrangelweit uf send, dia Manna kommet net nuf, hohl dr Bierbrauerbass sei, aber dr Gsang aufs Gmüat gehe und schließlich durstig macht“.

Weil der nächste Titel „Der größte Chor der Welt“ hieß, stand die Frage im Raum, wie groß denn die Alttanner denn wirklich seien. Die ließen sich nicht lumpen, streckten alle Arme in die Höhe mit einem lauten „sooo groß“!

Bruno Häfele erster Solist

Bruno Häfele (Bild) war der erst mal alleinige Sänger, der dann mit seiner Sangeskunst im Traum Millionen Stimmen und Herzen erreicht, egal wie perfekt oder schlecht sie mitsingen, aber doch jeder Song ein Licht im Dunkel sei! Ein nachdenklicher Titel ist das, wunderbar einstudiert von Peter Schad.

Im Köfferle das alte Russland und mehr

Vor dem nächsten Programmpunkt durfte man erst mal erfahren, welche Geheimnisse denn in Matheis’ Köfferle versteckt sind. Es sind die Erinnerungen der Sänger an ihre gesungenen Reisen um die Welt, wozu natürlich auch das alte Russland gehöre. Die unvergesslich schöne Schiwago-Melodie war damit angesagt. Man fühlte sich unmittelbar in Film oder Buch getragen, als der Männerchor einfühlsam mit gekonnt wechselnder Dynamik, toll von Ott am Klavier begleitet, diesen Titel vortrug. Und sicher träumten die weiblichen Gäste von ihrem damaligen Frauenstar Omar Sharif, der den Yuri Schiwago spielte.

Mit „Der Zar und das Mädchen“ blieb man im alten Russland. Mireille Mathieu gab vor Zeiten das schöne Mädchen Maria, das des Zaren heißes Werben nicht beeindruckte, weil es besser sei, frei wie ein Vogel zu leben, als im goldenen Käfig zu sein. Wie schön dies auch Männer zum Ausdruck bringen können, bewiesen die Alttanner überzeugend.

Kuno Reichle und Chor lassen die „Abendglocken“ erklingen

Auch die nun folgenden „Abendglocken“ klangen aus dem traditionellen Russland. Die nun wehmütige Stimmung lockerte Matheis humorvoll auf, indem er den Tenor Kuno Reichle und dessen goldene Kehle „bei diesen im Moment so hohen Goldpreisen“ vorstellte. Reichle, Ott und Chor brachten die orthodox anmutenden Glocken ausdrucksvoll und dennoch versunken herrlich zum Klingen, was gar den Dirigenten zum Applaus bewog.

Kuno Reichle gibt sich russisch.

Manuel Zieher und Franz Ott bringen Mozart zu Gehör

Auf der Bühne wurde nun Platz gemacht für die Überraschung, die der Männerchor in jedem Konzert bereithält. Diesmal war es Manuel Zieher von der Bruno-Frey-Musikschule Biberach, Dirigent der Stadtkapelle Bad Schussenried und im Ensemble der oberschwäbischen Dorfmusikanten, die Schad so lange führte. Manuel Zieher am Tenorhorn (Bild) und Franz Ott spielten im Duett Mozarts Romanze aus der „Kleinen Nachtmusik“. Wenn dies auf nur zwei Instrumenten interpretiert wird, fordert das besonderes Können. Mit tollen Läufen und bestens aufeinander eingespielt trugen beide diese Romanze vor.

Der Mann am Klavier: Franz Ott.

Walter Appenmaier mit dem Hobellied

Zurück auf der Bühne nahmen sich die Männer das auch von Paul Hörbiger gesungene “Hobellied” vor, in dem die Einen alles haben, die anderen nichts, am Ende aber alle gleich sind. Walter Appenmaier, von Matheis zurecht als Sängerlegende angekündigt, übernahm, als Schreiner gewandet, den Hobel in der Hand, gekonnt die Solistenrolle und legte den Hobel, wie im Lied, schließlich energisch auf Otts Klavier. Ott hatte ihn sensibel durch das nachdenkliche Lied begleitet.

Walter Appenmaier singt das „Hobellied”.

Nachdenklich war auch „Nimm die Stunden, wie sie kommen“, dessen Text von Jules Verard stammt. „Träume nicht von besseren Tagen, niemand bringt sie dir zurück, das Glück ist kurz“ und man freue sich, wenn die Sonne wieder scheint, heißt es darin und das passte doch auch so gut in unsere Zeit.

Mit „Memory“ aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“ ging‘s weiter und Schads Sänger hatten kaum Probleme, es Elaine Paigé gleichzutun, haben sie doch weit mehr Register als nur eine Ausnahmekünstlerin es hat. Auch hier wieder überraschte die Dynamik des Männerchors.

Der „Werbeblock“

Teil eins des Konzerts endete mit dem „Werbeblock“. Peter Schad dazu: „Auch wir machen’s wie alle Rundfunkstationen.“ Die Aufforderung war klar: Männer in den Männerchor!

Der lustige Frater

Lustig wurde es wieder mit dem „Frater Kellermeister“. Egon Gaidzik in Mönchskutte (Bild) begab sich zum auf der Bühne stehenden Fass mit vollem Weinglas, hatte er doch den strengen Auftrag seines Abtes, den besten Wein zu finden. Er tat dies bei allen Winzern und Kneipen und lässt so seinen Abt bis heute auf das Ergebnis warten, so gewissenhaft führte er seinen Auftrag aus! Dass ihm dabei Kopf und Zunge bisweilen schwer wurden, demonstrierte er absolut überzeugend. Ganz in diesem Sinne hatte Matheis diese spaßigen Szenen angesagt. Demnach gelte der Wein doch auch als Arznei, die den Patienten stets jünger mache. Aber bei seinen Selbstversuchen sage seine Frau stets, „heut siehst aber wieder alt aus“, genau wie der Frater hier.

Mönch Egon beim Verkosten.

Auch vom Männerchor Alttann gern besungen: der Wein

Die Themen Wein und Reben fanden sich auch im „Herrlichen Weinland“ und in Johann Strauss’ „Feuerstrom der Reben“ aus der Operette „Fledermaus“. Feurig besang Johannes Oßwald die zu Wein werdenden Reben und gleichzeitig wurde dazu tüchtig eingeschenkt, mehr stimmlich als flüssig!

Schorsch Deger beim „Feuerstrom”.

Humorvoll beschrieb Matheis davor den Wettstreit zweier Winzer aus dem Ahrtal und von der Mosel. Sie wollten ihrem Wein zugkräftige Attribute geben wie Ahrblume, Moselperle und überboten sich dabei, bis der Moselwinzer zum entscheidenden Sieg ansetzte und sein Produkt Moselschlecker nannte, was der Ahrtaler niemals übernehmen konnte! Zwei gelungene Weinlieder stimmten die Männer aus Erfahrung freudig an.

Kuno Reichle lässt auch Besucher vom „Feuerstrom” nippen.

Die Schöne in Athen

Dann ging’s mit „Yasmina“ nach Athen, wo der Yasmin und eine Schöne erblühten. Leider wurden beide vom Liebhaber enttäuscht. Auch dazu fanden die doch so sensiblen Männer den richtigen Ton bei Begleitung durch Klavier und Cajon.

Die schöne Rose im Aostatal

Man fand dann ins Aostatal zu „Belle Rose du Printemps“. Mit harmonischem Summen begann der Titel und fuhr stimmungsvoll getragen fort – wahrlich ein berührender Choral!

Missverständnis

Wieder in der Realität angekommen berichtete Matheis von einem Zusammensein eines Schweizers mit einem Italiener. Letzterer fragte höflich come stai (wie geht‘s)?. In diesem Moment traf ein herabstüzender Stein den Hinterkopf des Schweizers. „Du hättest mich doch warnen können“, rief der. Der Italiener darauf, habe doch gesagt, come stai!

Mit dem neapolitanischen Schifferlied „Tiritomba“ blieb man noch in Italien. Auch diese beliebte Melodie gelang den Männern vorzüglich in allen Registern, wieder am Klavier begleitet.

Wenn die Mühle klappert

Natürlich durfte auch ein deutsches Volkslied nicht fehlen, das Peter Schad für seinen Chor naturnah bearbeitet hat. Während die Männer das Mühlenlied sangen, ließ Matheis die Mühle aus dem Hintergrund rhythmisch klappern.

Froschtöne aller Art

Für Manuel Zieher wurde die Bühne erneut geräumt. Auf der Posaune mit Dämpfer und Hand spielte er die „Froschpolka“ (Bild). Dabei ließ er vom Ochsenfrosch über die Kröte bis zum kleinen Frosch ihr Quaken hören, was die Gäste wiederholt staunend lächeln ließ. Auch sein Alphorn hatte Zieher mitgebracht, auf dem er schwierigste Fantasien in hohen und sehr tiefen, in leisen und lauten Tönen mit präziser Lippenspannung spielte. Dafür erntete er lang anhaltenden Applaus.

Manuel Zieher mit seinem Alphorn.

Schorsch Deger und das Handy

Danach folgte wieder eine Heiterkeit mit dem Handylied und Solist Schorsch Deger. Bei der Ansage hatte Matheis ein übergroßes Handy (Bild) noch mit Antenne auf dem Arm. Deger hatte die Idee dazu in einer Nacht, als er nach dem WC-Besuch nicht mehr einschlafen konnte. Recht originell beschrieb er die heutige Allgegenwart des Handys, seine Möglichkeiten bis zum Musikhören, seinen Nutzen, aber auch die Gefahren dieses kleinen Geräts. Obwohl doch das Handy alles wisse und alles google, werde nicht selten das Konto seines Besitzers leer. Deger, das Urgestein des Chors, sang das Lied mit Schwung und schleuderte das Handy schließlich wütend auf den Boden!

Handyman Schorsch Deger.

Frauenverstehende Männer

Den Evergreen „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ moderierte Matheis mit der Erkenntnis an, dass nur über Blondinen gewitzelt werde, nie aber über blonde Männer. Dazu sein Rat: Nehmen wir die Frauen, wie sie nun mal sind, es gibt keine besseren. Dass alle anwesenden Frauen die männliche Botschaft des Titels verstanden, dürfte sicher sein!

Alle stimmen in Cohens „Halleluja“ ein

Grandios war die sich anschließende Interpretation von Leonard Cohens „Halleluja“. Davor zitierte Matheis Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“, der als Engel Aloisius dort bekanntlich frohlocken sollte. Wesentlich gefühlvoller beherrschte dies der Solist Johannes Osswald mit Chor, Klavier und Cajon. Die Begeisterung im Saal war so stark, dass Peter Schad alle zum Mitsingen der Halleluja-Passagen aufforderte, womit ein großer Chor die Männer auf der Bühne begleitete.

Johannes Oßwald beim Halleluja.

Vorstand Karl Motz dankte

„Grad schad“, meinte Matheis zum Ende des Konzerts und betonte, Frohsinn und Gesang halten jung, wie man dienstags an den Proben sehe, die, wie im Gedicht „D‘r Gsangverei“, am Ende müde und durstig machen! Vorsitzender Karl Motz dankte nun allen, die diesen Abend ermöglicht haben, insbesondere den Gästen, die seinen Sängern reichlich Applaus schenkten, was ja der Lohn für die  Sänger sei. Auch Manuel Zieher, Franz Ott, Peter Schad, insbesondere aber dessen Geduld, und schließlich allen Sangeskameraden sei herzlich zu danken, so der Vorsitzende.

Vorstand Karl Motz begrüßte die zahlreichen Besucher und dankte am Schluss allen Mitwirkenden.

Mehrere Zugaben

Die obligatorische Zugabe war das romantische „Bergheimat“, dessen Klang wie Echo im Tal anmutete. Und weil die Stimmung im Saal ungebrochen blieb, forderte Peter Schad alle Gäste auf, gemeinsam das „Abendstille überall“ zu singen, das schließlich gar als Kanon klappte. Mit „Kommat guat über d‘r Winter“ verabschiedete sich Schad mit seinem Chor von einem erfolgreichen Konzertabend.

Dirigent Peter Schad mit wohlverdientem Lohn.

Text und Fotos: Peter Lutz




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