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Vortrag des Biber-Beauftragter Franz Spannenkrebs in Friesenhofen

„Druck auf dem Kessel”



Foto: Julian Aicher
Das Konfliktpotenzial rund um den Biber, von Franz Spannenkrebs plakativ dargestellt.

Friesenhofen – Gemütlicher Vortragsabend über ein possierliches Tierchen in einem beschaulich-alten Schulgebäude? Von wegen! Bei seinem Vortrag am Dienstagabend (8.10.) im Café „Alte Schule“ in  Friesenhofen hörte Biber-Beauftragter Franz Spannenkrebs viele kritische Fragen und Vorwürfe gegen das Biber-Management des Landes. Der Veranstaltungsraum wirkte mit rund 25 Leuten recht voll. Volkshochschulleiter Karl-Anton Maucher freute sich über die „ziemlich offene Diskussion”.

Biber-Fachmann Franz Spannenkrebs.

„Das Tier hat einfach zwei Seiten.” Wer mit beiden leben lernen wolle, müsse „verstehen, wie das Tier tickt”. Nämlich das wasserliebende Säugetier Biber. 1854 auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württembergs ausgerottet, beleben heute rund 11.000 Biber den deutschen Südwesten. Und zwar familien- und ortstreu – als „absolute Vegetarier”. 

„Wie wir leben – ob wir leben”

Durch seine Umgestaltung der Gewässerufer erweitere der Biber die „Struktur”. Das diene der dringend notwendigen Artenvielfalt. Vortragsredner Franz Spannenkrebs: „Der Klimawandel entscheidet, wie wir leben. Die Biodiversität entscheidet, ob wir leben.”

Im Café „Alte Schule“ in Friesenhofen sprach sich niemand dafür aus, das fellige Tier wieder auszurotten. Aber bei der Frage, wieviele dieser Wasser-Bewohner die Ufer bevölkern und wieviele es sein sollten, gingen die Meinungen deutlich auseinander. 

Zu den rund 1700 Bibern, die laut Vortragendem im Kreis Ravensburg leben, sagte ein Besucher leicht lächelnd: „Ich kenne die fast alle persönlich.” Dann meinte er aber: „Die Zahl liegt doch wahrscheinlich viel höher.” Spannenkrebs bekannte, so genau könne das bisher niemand wissen.

Erkennbar sind dagegen die Spuren, die der Biber in der Landschaft legt. An sich ein Uferbewohner an Bächen und Flüssen, zeigen sich Rutschrinnen des Tiers schon mal quer durch Wiesen und Felder. Franz Spannenkrebs: „Mais liebt er.” Mindestens so sehr Zuckerrüben. 

Auf seinem Weg dahin durchquere der Biber ganze Waldstücke – und knabbere dort viele Bäume an. So der Beschwerde-Bericht eines Forstbesitzers. Den Hinweis Spannenkrebs’, deren Stämme ließen sich doch durch staatlich bezahlte Gitter („fünf Minuten pro Baum”) sichern, kommentierte der Waldbesitzer mit fassungslosem Kopfschütteln.

Laut und lebhaft dann die Ansagen von Landwirt und Ortschaftsratsmitglied Christian Rottmar aus Hofs. Er unterhält seine (Mais-)Äcker und Wiesen auch entlang der kurvig durchs Tal gluckernden Hofser Ach. Sie zeigt sich so als Gegenteil von Spannenkrebs‘ Aussage, dass „alle Fließgewässer begradigt“ seien. Bauer Rottmar beschwerte sich, die vom Biber dort angeknabberten Bäume fehlten als Schattenspender – und damit als kühlender Schutz des untersucht vorbildlichen Gewässers. 

Staatliche Fachleute hätten es Rottmar verweigert, das Anpflanzen neuer Bäume am Ufer als Ausgleichsmaßnahme für Erweiterungsbauten an seinem Hof bewerten lassen zu dürfen. Zu den Folgen vom Biber abgeknapperter Bäume fragte Ortschaftsrat Rottmar: „Wer ersetzt solche Schäden?”. Direkt Richtung Vortragsredner meinte der Landwirt: „Sie können gerne vorbeikommen.”

Mehr noch: Beim jüngsten Hochwasser Ende Mai/Anfang Juni 2024 sei er (Christian Rottmar)  mit seiner Zugmaschine 17 Stunden unterwegs gewesen, um Bäume aus den Fluten zu ziehen. „Vierzig Prozent davon stammten vom Biber”, betonte der Bauer am Dienstagabend – und wollte gut hörbar wissen: „Wie deppert sind wir eigentlich?”

Auf solche und etliche ähnliche Anwürfe antwortete Vortragsredner, Biologe und Gymnasiallehrer Franz Spannenkrebs: „Sagt’s nicht mir, sagt’s der Politik.” Diejenigen, die im Staatsauftrag Biber beobachten und Geschädigte von Biber-Bau-Aktivitäten beraten, würden solche Erkenntnisse eins zu eins ans Regierungspräsidium melden, versicherte Spannenkrebs. Einen Teil dieser Nagetiere aber einfach gelegentlich abzuschießen, sei „nicht so einfach” zu handhaben. Das wisse man aus Bayern, wo pro Jahr rund 2000 Biber vor die Flinten kommen.

Diese Zahlen zum Bibervorkommen nannte Franz Spannenkrebs. So stieg die Zahl der Biber im Kreis Ravensburg im Zeitraum zwischen 2009 und 2024 von 98 (die in 28 Revieren lebten) auf 1700. Die Vergleichszahlen im Regierungsbezirk Tübingen  im selben Zeitraum lauten: 294 / 5100. In ganz Baden-Württemberg leben derzeit geschätzt 11.500 Biber. In der Diskussion in Friesenhofen wurden die Zahlen zum Teil als zu niedrig angesetzt bewertet.

Ein Besucher berichtete, er sei am Montag bei einer Besprechung mit verschiedenen Fachleuten von Behörden und Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle im Bereich Fetzachmoos gewesen. Dabei habe man vereinbart, dass die Biber-Dämme „offen bleiben”. Für besseren Ablauf bei Hochwasser.

„Der Biber – Problemtier oder Chance für zerstörte Gewässersysteme?” So der Titel des Vortrags von Biberbeauftragtem Franz Spannenkrebs am Dienstagabend in Friesenhofen. Einigkeit ließ sich dabei nicht erzielen. Eher war „Druck auf dem Kessel” zu spüren.  Volkshochschulleiter Karl-Anton Maucher als Veranstalter verbuchte die “ziemlich offene Diskussion” als Gewinn. 
Text und Fotos: Julian Aicher



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Kommentar

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Der Biber als “Problemtier oder als Chance für zerstörte Gewässersysteme” – so der Titel eines Vortragsabends am Dienstag, 8. Oktober, im Café “Alte Schule” in Friesenhofen. Soll das Fell-Tier dabei helfen, die Artenvielfalt zu retten, braucht es “Fläche, Fläche, Fläche”. Das erklärte der Biberbeauftragte Franz Spannenkrebs aus Laupheim.
von Julian Aicher
veröffentlicht am 9. Oktober 2024

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