Skip to main content
Stadtkämmerer Kunz hat die Geschäftsführung übernommen

Stadt muss den Kurbetrieb mit 1,5 Millionen Euro stützen



Foto: Stadtkämmerei
Kernsätze der Beschlussfassung in der Haushaltssitzung des Gemeinderates am 26. Januar. Die Seitenangaben beziehen sich auf den umfängliche Haushaltsplan, der erstmals nicht gedruckt, sondern in digitaler Form vorgelegt wurde. Screenshot aus der Haushaltspräsentation von Stadtkämmerer Kunz in der Dezembersitzung des Gemeinderates.

Bad Wurzach – Der in Schieflage geratene Städtische Kurbetrieb rechnet für das Wirtschaftsjahr 2026 mit einem Defizit von 1,54 Millionen Euro, wofür die Stadtkasse geradestehen muss. Am 1. Januar hat Stadtkämmerer Stefan Kunz die kommissarische Geschäftsführung beim Kurbetrieb übernommen.

In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag (26.1.) wurde in allen Haushaltsreden deutlich, dass es kein „Weiter so“ für den Kurbetrieb – seit einiger Zeit FeelMoor genannt – geben kann. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, stimmten alle Gemeinderäte für die Verabschiedung des vorliegenden Wirtschaftsplanes für den Kurbetrieb, in dem das besagte Defizit genannt ist.

Bürgermeisterin Alexandra Scherer gab zu Beginn der Sitzung bekannt, dass seit dem 1. Januar Kämmerer Stefan Kunz offiziell kommissarischer Kurgeschäftsführer bis zur Neubesetzung des Postens ist. „Wir arbeiten intensiv daran, dass das bald geschieht.“ Der neue Geschäftsführer wird kein leichtes Erbe antreten, wie die Fraktionssprecher der vier im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen in ihren Haushaltsreden feststellten.

ANZEIGE

Emina Wiest (CDU) zur Kurkrise

Emina Wiest sagte für die CDU-Fraktion: „Der Kurbetrieb als Aushängeschild der Stadt und Arbeitgeber für über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befindet sich in einer wirtschaftlichen Schieflage. Der im Haushalt 2026 prognostizierte Verlust von 1,5 Millionen Euro stellt eine erhebliche Belastung dar. Klar ist: Diese Situation ist nicht auf die engagierte Arbeit der Beschäftigten zurückzuführen, sondern auf Fehler und Versäumnisse der Geschäftsführung in den vergangenen beiden Jahren. Bereits im vergangenen Jahr wurde mit einer konsequenten Aufarbeitung begonnen. Ziel ist eine nachhaltige und strukturelle Neuaufstellung, um den Betrieb wirtschaftlich zu stabilisieren und die Arbeitsplätze langfristig zu sichern.“

Kurt Miller (FW) zur Kurkrise

„Die größte Sorge“ brachte Kurt Miller im Namen der Fraktion der Freien Wähler zum Ausdruck: „Gingen wir vor einem Jahr noch von einem Plus für 2025 von gut 300.000 Euro aus, wurden wir Mitte letzten Jahres von sehr unangenehmen Tatsachen und Zahlen eingeholt. Viel zu lange blieb der Geschäftsführung verborgen, dass sich Veränderungen zum Negativen abzeichneten, die eigentlich schon viel früher hätten erkannt werden müssen und es notwendig gemacht hätten, schnellstmöglich gegenzusteuern.“ Deswegen musste im September ein Nachtragshaushaltsplan beschlossen werden, weil statt des erwarteten Gewinns plötzlich ein Verlust von 800.000 € zu händeln war. Doch statt der finanziellen Wende habe sich die Talfahrt fortgesetzt, für den Abschluss des Jahres 2025 müsse mit einem noch höheren Defizit gerechnet werden. Nach Bekanntwerden der kritischen Lage wurde der Geschäftsführung des FeelMoor-Gesundresorts sofort Herr Appelt als Unterstützung aus dem Fachbereich Finanzen zur Seite gestellt. Auch der Kämmerer Herr Kunz sowie Frau Bürgermeisterin Scherer haben sich direkt in die Abläufe des Kurbetriebs eingebunden; ein deutliches Zeichen, dass die schwierige Lage des Betriebs und die Notwendigkeit des Handels erkannt wurde.“ Der für 2026 erwartete Verlust von gut 1,5 Mio. € sei eine extrem bittere Pille, die es zu schlucken gelte, zumal auch für die weitere Finanzplanung bis 2029 mit ähnlich hohen jährlichen Verlusten gerechnet wird. Daher bestehe größter Handlungsbedarf, gemeinsam und zügig einen tragbaren Zukunftsplan für das FeelMoor-Gesundresort zu erarbeiten. „Dabei müssen ALLE Aspekte in Betracht gezogen werden, es darf keine Tabus geben.“ Es dürften dabei keine überstürzten Entscheidungen getroffen werden und es müsse mit viel Fingerspitzengefühl vorgegangen werden. „Schließlich handelt es sich um einen Betrieb, der von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lebt.“ Diesen sprach er ausdrücklich für ihre Arbeit und ihren Einsatz den Dank seiner Fraktion aus.

Franz-Josef Maier (Mir Wurzacher) zur Kurkrise

Franz-Josef Maier (Mir Wurzacher) brachte seine Meinung ebenfalls klar zum Ausdruck: „Bad Wurzach ist ein kleines unscheinbares Nest am Rande einer großen Tourismusregion, nennt sich Kurstadt und Moorheilbad und dümpelt, touristisch betrachtet, im Schatten wesentlich aktiverer Konkurrenten vor sich hin.“ Dem vorangesetzt hatte Maier ein vernichtendes Urteil zu dem von den Bürgern und dem Gemeinderat abgelehnten Projekten von 2025, dem Turm im Ried sowie dem geplanten Biosphärengebiet in der Region. „Aus der Sicht der Fraktion Mir Wurzacher hätten beide Projekte, der Erlebnisturm im Ried und das Biosphärengebiet,  das Potenzial gehabt, Bad Wurzach aus diesem Schatten herauszuholen und zu einem überregional bekannten Anziehungspunkt werden zu lassen.“ Denn der Inlandstourismus sei der Motor des aktuellen Tourismusboom in Deutschland. Er bemühte dazu auch das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr e.V., das den wirtschaftlichen Nutzen des Tourismus auf 4 Millionen € für den städtischen Haushalt taxiert hat. Dieses Geld werde in den kommenden Jahren nicht mehr für die städtische Infrastruktur und für freiwillige Leistungen der Stadt verwendet werden können, sondern müssten in das Tourismus und Gesundheitswesen reinvestiert werden, wenn man diese wichtigen Erträge weiterhin erwirtschaften wolle. „Konkret bedeutet dies unter anderem, dass wir die gewaltige Schieflage im städtischen Kurbetrieb FeelMoor begradigen müssen.“ Der Betrieb müsse durch strukturelle Veränderungen in die Lage versetzt werden, sich in diesem schwierigen Geschäftsfeld schneller an veränderte Rahmenbedingungen anpassen zu können. „Die Identität und das gesamte Leben der Stadt Bad Wurzach ist für uns schicksalhaft mit dem Kurwesen verbunden.“

Rainer Deuschel (Die Grünen) zur Kurkrise

Rainer Deuschel sagte für die Grünen-Fraktion zum Thema Kurbetrieb: „Eine immer größere Belastung für den Haushalt stellt der Kurbetrieb dar. In den Jahren 2023 und 2024 summierten sich die Verluste bereits auf rund 2 Millionen Euro. Auch das Geschäftsjahr 2025 wird voraussichtlich nicht besser abschließen. Für 2026 ist ein Abmangel von mindestens 1,54 Millionen Euro eingeplant. Diese Entwicklung muss offen angesprochen und kritisch hinterfragt werden.“

Bürgermeisterin Alexandra Scherer und Kämmerer Stefan Kunz waren bei ihrer Tour durch die Ortschaftsräte der neun Ortschaften mehrfach auf die Misere des Kurbetriebes angesprochen worden. Beide hatten den Ortschafträten die Ursachen für das entstandene Defizit für den Wirtschaftsplan 2024 des Kurbetriebes (Wegfall Energiepreisbremse durch Bundesregierung, Kürzung der Tagessätze durch die Bundeswehr, Erschwerung für Antragstellung einer Kur bei der Bundeswehr, nachdem der Wirtschaftsplan bereits aufgestellt worden war) erläutert. Dennoch hatten alle Ortschaftsräte ebenfalls für den Wirtschaftsplan des Kurbetriebes eine positive Empfehlung abgegeben.

Dieses Ja zum Kurbetrieb spiegelte sich auch in den Haushaltsreden der Fraktionen wider, die alle ihre Zustimmung signalisierten und bei der Abstimmung auch realisierten.
Uli Gresser, rei




NEUESTE BEITRÄGE

Bad Wurzach
Fastenpredigt in der Stadtpfarrkirche St. Verena

Am 27. März mit Pater Friedrich Emde

Bad Wurzach – Den Glauben der Kirche als Quelle der Freude entdecken. Vielfach bricht die Weitergabe des Glaubens in unserer Zeit ab. Wie bekommt der Glaube die Chance, wieder zum Thema zu werden in den Familien und in anderen Lebensbereichen? Erste Voraussetzung ist, dass aus dem Glauben Freude erwächst. In der Freude liegt immer eine Kraft, die von innen kommt. Ein Satz aus dem Buch Nehemia bringt es auf den Punkt: „Die Freude am Herrn ist euere Stärke.“
Fastenpredigten in der Stadtpfarrkirche St. Verena

Am 20. März mit Pater Wolfgang Sütterlin

Bad Wurzach – Den Glauben der Kirche als Quelle der Freude entdecken. Vielfach bricht die Weitergabe des Glaubens in unserer Zeit ab. Wie bekommt der Glaube die Chance, wieder zum Thema zu werden in den Familien und in anderen Lebensbereichen? Erste Voraussetzung ist, dass aus dem Glauben Freude erwächst. In der Freude liegt immer eine Kraft, die von innen kommt. Ein Satz aus dem Buch Nehemia bringt es auf den Punkt: „Die Freude am Herrn ist euere Stärke.“
Stadt setzt auf erneuerbare Energien

2025 wurden fünf neue Solaranlagen auf kommunalen Dächern installiert

Bad Wurzach – Bad Wurzach holt die Sonne vom Dach: Im Jahr 2025 wurden auf fünf öffentlichen Gebäuden in Bad Wurzach insgesamt 168 Kilowatt-Peak (kWp) an Solaranlagen installiert. Mit diesem Schritt setzt die Stadt ein deutliches Zeichen für eine nachhaltige Energieversorgung und den Klimaschutz.
Ab 13. März

Brückenerneuerung zwischen Kurpark und Ried: Zeitweise Umleitung erforderlich

Bad Surzach – Die Brücke im Kurpark, die auf Höhe des Wanderparkplatzes an der B465 (Biberacher Straße) liegt, wird ab Freitag, 13. März, erneuert. Sie dient als direkte Verbindung zwischen dem Wurzacher Ried und dem Kurpark. Im Rahmen der Modernisierung der touristischen Infrastruktur wird sie durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Aufgrund der Bauarbeiten ist der Hauptverbindungsweg in diesem Zeitraum gesperrt. Eine Umleitung für Wanderer und Fußgänger ist vor Ort ausgeschildert. Die Bauarbe…
Taekwondo

Erfolgreiche Prüferlizenz für das Taekwondo-Sportabzeichen

Bad Wurzach – Die drei Taekwondo-Trainer von links Ferat Ersöz (2. Dan.) Peter Stein (4. Dan.) und Werner Hoch (2. Dan.) haben erfolgreich die Prüferlizenz für das Taekwondo-Sportabzeichen erworben.
ANZEIGE

MEISTGELESEN

Bad Wurzach
Bilanz unserer Berichterstattung

Das Heiligblutfest und „Der Wurzacher“

Bad Wurzach (rei) – Bad Wurzach hat Einiges zu bieten: Mit dem Ried und dem Literaturpreis besitzt man Alleinstellungsmerkmale von überragender Bedeutung. Auch die Freundschaft zu Jersey ist mehr als eine gewöhnliche Städtepartnerschaft. Ist der Anknüpfungspunkt auch ein trauriger, ist diese Brücke doch etwas Außergewöhnliches. Barocktreppenhaus und Stadtpfarrkirche sind Zeugnisse großer regionaler Baukunst. Und dann ist da ja noch das Heiligblutfest, der Höhepunkt im Bad Wurzacher Jahreskrei…
 Rehabilitationsklinik Bad Wurzach

Mit orthopädischer Rehabilitation zu neuer Lebensqualität und Lebensfreude

Bad Wurzach – Der Rehamediziner und Orthopäde Dr. Reinhard Huber komplettiert seit 1. Oktober das Chefarzt-Trio in der Rehabilitationsklinik Bad Wurzach.
Ein persönlicher Nachruf auf Manfred Thierer

Er war mein Lehrer

Am 20. Juni 2024 starb Prof. Dr. Manfred Thierer. Er wurde 82 Jahre alt. Gerhard Reischmann, Jahrgang 1958, kannte ihn länger als ein halbes Jahrhundert. Ein ganz persönlicher Nachruf:
Pfarrer Stefan Maier war Firmspender im Auftrag des Bischofs

62 junge Katholiken erhielten das Sakrament der Firmung 

Bad Wurzach – Pfarrer Stefan Maier spendete am 28. Juni bei zwei Firmungsgottesdiensten insgesamt 62 Firmbewerbern das Sakrament der Firmung. Er war hierzu von Bischof Dr. Klaus Krämer beauftragt. Der St. Verena-Jugendchor umrahmte die feierlichen Gottesdienste mit seinen Liedern.
mit Bildergalerie
veröffentlicht am 9. Juli 2025
Leiterin der Sprachheilschule Arnach verabschiedet

Ein Hoch auf Heidi Doubek

Arnach – Mit einer fulminanten Feier verabschiedete sich die Schulgemeinschaft der Sprachheilschule Arnach, die Geschäftsführung des Hör-Sprachzentrums der Zieglerschen, Bürgermeisterin Alexandra Scherer, Schulrat Steffen Rooschütz, Andrea Müller vom Landkreis Ravensburg und Schulleiterkollege André Radke von der langjährigen Schulleiterin Heidi Doubek. Gleichzeitig wurde das neue Schulleiterteam, bestehend aus Iris Kunzendorf und Sandra Weder, herzlich begrüßt.

TOP-THEMEN

Bad Wurzach
Bad Wurzach – Bad Wurzach holt die Sonne vom Dach: Im Jahr 2025 wurden auf fünf öffentlichen Gebäuden in Bad Wurzach …
Arnach / Diepoldshofen – Nach dem misslungenen Diebstahl eines Geldautomaten in der Nacht von Freitag auf Samstag (6….
Arnach – Von der Kommune zum mittelständischen Unternehmen: Beim Begegnungsnachmittag im Gemeindehaus St. Ulrich in A…

Einzelhandel, Dienstleistungen und Handwerk in Allgäu-Oberschwaben

VERANSTALTUNGEN

Bad Wurzach