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Vollausbau

Sanierte Ratperoniusstraße in Arnach freigegeben



Foto: Uli Gresser
Das Band zur Wiedereröffnung der Ratperoniusstraße in Arnach durchschnitten (von links) Ralph Quednau (Ingenieur-Büro Fassnacht), Karl-Josef Fassnacht, Bürgermeisterin Alexandra Scherer, Ortsvorsteher Manfred Braun, Brauns Vorgänger Michael Rauneker, in dessen Amtszeit das Projekt entwickelt wurde, und Berthold Leupolz, Liegenschaftsverwalter der Stadt Bad Wurzach. Das Band wird gehalten von den Ortschaftsrätinnen Margret Zapf und Lisa Anna Brechter.

Arnach – Die Sanierung der Ratperoniusstraße war eine der größten Baustellen der letzten Jahre  in Arnach. Nun wurde die sanierte Straße offiziell mit einem kleinen Festakt freigegeben.

Zur Freigabe der Straße wurden beim Lagerhaus von Bürgermeisterin Alexandra Scherer, Ortsvorsteher Manfred Braun und Karl-Josef Fassnacht vom ausführenden Ingenieurbüro Fassnacht kurze Ansprachen gehalten, ehe die Beteiligten mit dem Durchschneiden eines – natürlich in den Arnacher Farben rot-weiß gehaltenen – Bandes die Freigabe offiziell besiegelten. Was alle Redner betonten: Es war nicht nur eine Sanierung an der Oberfläche, sondern ein kompletter Neuaufbau des Straßenkörpers mit versteckter Infrastruktur, mit Breitband und neuen Wasserleitungen. Bürgermeisterin Alexandra Scherer sprach von einem Vollausbau.

Bürgermeisterin Scherer (Bild) ging auf die Qualität der Straße vor der Sanierung ein. Diese sei nicht mehr gut gewesen, was man an der Fahrbahnoberfläche gesehen hatte. Auch die Tragfähigkeit der Fahrbahn sei schlecht gewesen, so dass man zusätzlich noch einen Bodenaustausch vornehmen musste.  Erneuert wurden im Rahmen des Vollausbaus auch die Einmündungsbereiche von Beethovenweg, Mozartweg, Haydnweg, Hünlishoferweg und Max-Müller-Weg. Es bot sich an, auch den Lindenplatz gleich mit zu erneuern.

1,2 Millionen Euro verbaut

Insgesamt waren für das Projekt für Ausführung, Planungskosten, Vermessungen, Notarkosten (wegen des erforderlichen Grunderwerbs), Baugrunduntersuchungen und den Bauarbeiten Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro angefallen.

Viele Anwohner kamen zur Feierstunde

Dass die Anwohner, die neben den Ortschaftsräten sehr zahlreich zu der Feierstunde erschienen waren, großes Verständnis für die Behinderungen während der Bauzeit hatten, habe auch an der hervorragenden Information über den Bauablauf und die Abstimmung durch die ausführende Baufirma Strabag sowie an der Bauleitung des Ingenieurbüros Fassnacht gelegen. Die Bürgermeisterin dankte auch den betroffenen Betrieben, der Gärtnerei Grad und dem Lagerhaus der BAG, für ihr Verständnis, wenn die Zufahrt einmal nicht einfach war.  Scherer lobte in diesem Zusammenhang die Gärtnerei Grad für deren kreative Gießkannen-Wegweiser, mit denen die Kunden auf die ausgeschilderte Umleitung hingewiesen wurden.

Grads „Umleitungsgießkannen” haben ausgedient.

Ein Teil der Besucher der Feierstunde. Zweiter von rechts der 95-jährige Rupert Veser.

Der seit wenigen Monaten im Amt stehende Ortsvorsteher Manfred Braun sprach einige Gedanken zu der Sanierung aus. Er öffnete seine Gedankenspiele mit dem bekannten Satz, der bereits vor 2000 Jahren dem römischen Dichter Ovid zugeschrieben wird: „Was lange währt, wird endlich gut!“ Die Idee, diese Straße grundlegend zu richten, sei im Rahmen der Planung für das Baugebiet St. Anton aufgekommen.

Ortsvorsteher Manfred Braun bei seiner Ansprache.

Durchgängiger Fußgängerweg

Besonders freute den Ortsvorsteher, dass jetzt kein Trottoir-Hopping mehr erforderlich sei, dass nämlich von der Kreuzung Matthias Grad sen. / Richard Gregg bis hinaus zum neuen Baugebiet ein durchgängiger Fußgängerweg geschaffen wurde, was die Sicherheit für alle Fußgänger erhöhe. Und dass im Zuge der Sanierung der Lindenplatz einbezogen wurde. „Nun sind die Anwohner Lindenplatz voll angeschlossen an den Gesamtort Arnach.“ Mit Blick auf die anfangs noch holperigen Grundstücksverhandlungen, die gemeinsam mit Berthold Leupolz durchgeführt wurden, konnte er dem Ergebnis viel abgewinnen: „So haben wir den Beweis, dass, wenn man gemeinsam mit Blick nach vorne an einer Sache arbeitet, auch ein gutes Ergebnis herauskommt. Das würde ich mir für alle künftigen Projekte wünschen.“

Mit dem Ingenieur-Büro Fassnacht, bei dem Timo Kohlöffel die Projektleitung innehatte und Ralph Quednau Ansprechpartner vor Ort war, und der Firma Strabag, bei der die Herren Barz, Österle und Knittel die Verantwortung trugen, habe man zwei absolut verlässliche Partner gehabt, die die Sanierung mit Erfolg umgesetzt haben.

Die fleißigen Männer von der Strabag. Archivbild: Gerhard Reischmann

Braun wirbt für freiwilliges Tempo 30

„Man muss nicht 50 fahren“, sagte Ortsvorsteher Braun mit Blick auf die nun begradigte Strecke. Er erinnerte daran, dass es sich ja um eine Straße handelt, die durch eine Siedlung führt. Da könnte man auch weniger schnell fahren, zumal es meistens eh Anwohner sind, die die Straße benutzen.

Karl-Josef Fassnacht erläuterte die technischen Details

Karl-Josef Fassnacht (Bild; mit Bürgermeisterin Scherer) hatte zu der kleinen Feier mit der Bauzeichnerin Sandra Eckstein auch eine Person mitgebracht, die wichtige Arbeit leistet, aber meist im Hintergrund steht. Namentlich lobte er sie wie auch seine sonstigen Mitarbeiter und insgesamt alle am Projekt Beteiligten. Fassnacht sprach von einem für Arnach wichtigen Projekt. Beim Blick unter die Fahrbahn sei offenbar geworden, dass es nicht nur um eine neue Fahrbahndecke auf einer Länge von 445 m gehen würde. Da wurde die Hauptwasserleitung inklusive Hausanschlüsse ersetzt, die Breitband-Versorgung wurde durch die Neuverlegung der entsprechenden Rohre vorbereitet. Es wurde ein Teil des Mischwasserkanals erneuert bzw. aufdimensioniert (im Kreuzungsbereich Ratperoniusstraße/Hünlishofer Weg und beim BAG-Gebäude).

Aber auch oberirdisch tat sich einiges: Die Straßenbeleuchtung wurde auf LED umgestellt. Mit dem Fußgängerweg und der Sanierung Lindenplatz wurden insgesamt 3900 qm Asphaltfläche neugeschaffen bzw. erneuert.

„Danke für Eure Geduld“

Nach dem „Band-Durchschneiden“ lud Ortsvorsteher Braun alle Beteiligten im Namen der Stadt zu einem kleinen Umtrunk bei der BAG ein, wofür er sich bei Bürgermeisterin Scherer herzlich bedankte. „Es soll ein Dankeschön an alle sein, die während der Bauphase Einschränkungen hatten oder staubige Fenster oder wenn das Auto mal nicht vor der eigenen Garage geparkt werden konnte. Danke für Eure große Geduld.“
Text und Fotos (16): Uli Gresser

In der Galerie Eindrücke von der sanierten Straße

Gärtner Matthias Grad hatte zur Wiedereröffnung der Ratperoniusstraße ein historisches Foto mitgebracht:

Der 89-jährige Matthias Grad vor der neugemachten Ratperoniusstraße. In Händen hält er ein Foto, das die Ratperoniusstraße in den 1950ern zeigt (die damals noch namenlos war). Das Foto hat der Seniorchef der Gärtnerei Grad eigens zur Eröffnung der neuen Ratperoniusstraße mitgebracht, an der der in den 1920er-Jahren gegründete Betrieb liegt.
rei / Foto: Karl-Josef Fassnacht

Das Luftbild aus den 1950er-Jahren zeigt die Gärtnerei Grad und die an der Wegegabelung beginnende Ratperoniusstraße (die damals noch nicht so hieß). Die drei Wege führen nach Hünlishofen (links), Übendorf (Mitte) und Rahmhaus (rechts). Die Straße Richtung Dorf (von der Gabelung nach links) – also die heutige Ratperoniusstraße – war in der Kindheit des 1935 geborenen Matthias Grad noch unbebaut. Das heutige Lagerhaus und die ganze Siedlung Arnach-Süd waren noch nicht vorhanden. Die ersten Gebäude am Ortsrand waren der Hof Müller („Dirrabauer“), heute Schöllhorn, und der Hof Blank (heute nicht mehr vorhanden) sowie Blanks Villa und das Baugeschäft Vogt. Das hier abgebildete Grad-Haus mit Treibhäusern und Beeten entstand 1928. Das Feld rechts des Grad-Hauses bis zur allein stehenden Kiefer wurde Mitte der 1960er-Jahre bebaut (Max-Müller-Weg). Schultheiß Max Müller, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts amtierte, er wurde auch als „Menschen- und Viehdoktor“ zu Rate gezogen, begrub dort, wo die Kiefer steht, sein totes Pferd. Noch bis mindestens 1980 konnte man an einem großen Stein die Jahreszahl jener Bestattung lesen (ca. 1880). Die Kiefer wurde wohl zur Erinnerung an das geliebte Ross gepflanzt.
Text: Gerhard Reischmann / Repro: Manfred Braun



Fotos: Uli Gresser

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