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Von Siebenbürgen nach Bad Wurzach

Maria Csürök feierte den 90. Geburtstag



Foto: Uli Gresser
Bürgermeister-Vertreter Klaus Schütt überbrachte die Glückwünsche der Stadt Bad Wurzach und die Urkunde des Ministerpräsidenten. Foto: Uli Gresser

Bad Wurzach – Maria Csürök feierte kürzlich ihren 90. Geburtstag. Sie wurde als Maria Gottlieb am 21. Juni 1935 in einem Schwabendorf namens Hamroth in Siebenbürgen geboren (damals wie heute rumänisch, zwischendurch ungarisch). Im Gespräch mit Bildschirmzeitungsreporter Uli Gresser und Bad Wurzachs Bürgermeister-Stellvertreter Klaus Schütt schilderte sie ihr von Krieg und Flucht, von Aufbau und Familienzusammenhalt geprägtes arbeitsames Leben, das nicht einfach war, das die Jubilarin aber als glücklich bezeichnete.

Die kleine Maria war ein sehr aufgewecktes Kind, das im Kindergarten den vorgeschriebenen Mittagsschlaf ausließ und sich stattdessen von der Erzieherin „Tante Grete“ lieber Geschichten vorlesen ließ.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Russen das Gebiet eroberten, wurde auch ihr Heimatdorf niedergebrannt und die Familie musste fliehen; über Pressburg (Bratislava) und Budapest ging es nach Bischofshofen im Salzburgischen und später nach Thüringen, wo sie noch ein wenig Normalität in der Schule erleben durfte. Dann kehrte die Familie Gottlieb –  mit Hindernissen – wieder zurück in ihr Heimatdorf, wo die Familie arm, aber fleißig begann, sich eine neue Existenz aufzubauen. Maria lernte mit zehn Jahren von ihrer Mutter Kochen. Da ihr Vater Zimmermann war, half er fleißig mit, das Dorf wiederaufzubauen. Und bald nach dem Krieg konnte er ein eigenes Haus für seine Familie bauen.

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Schneiderlehre, Fabrikarbeit

Maria verließ die Schule regulär nach der siebten Klasse und begann eine Schneiderlehre, die sie mit etwa 16 Jahren erfolgreich abschloss. Mit 17 Jahren ging sie in eine Fabrik, um ein stabiles Einkommen zu haben. Dort holte sie sich im folgenden Jahr eine Lungenentzündung und wurde nur dank der Pflege durch ihre Mutter wieder gesund. 1955 heiratete sie ihren ersten Mann Wendelin Hölzli, der gelernter Schmied war und in einer Fabrik arbeitete, die Waggons für die Eisenbahn herstellte. Sie kauften sich ein Haus in der Stadt Satmar-Nemeti.  Unzufrieden mit ihrer Arbeit in der Textilfabrik, weil es inzwischen sehr viele – politisch bedingt –  schwierige Kontrolleure gab, wünschte sie sich 1970 bei einem Unwetter, nicht mehr dort arbeiten zu müssen. Ihr Wunsch wurde erhört: Am nächsten Tag standen die Brücke, über die sie zur Arbeit musste, und die Fabrik unter Wasser. Erst nach einer Woche konnte sie wieder dort arbeiten.

Mit 38 Jahre Witwe, mit 41 zweite Heirat

1973 besuchte ihr Mann einen Cousin in Göppingen in Deutschland und kam dort bei einem Autounfall ums Leben. Zwei Jahre später lernte sie ihren zweiten Mann Johann Csürök kennen, den sie 1976 heiratete; im Jahr darauf brachte sie ihren Sohn Josef Otto zur Welt, eine Geburt per Kaiserschnitt, die der 42-Jährigen eine richtige Nahtod-Erfahrung einbrachte: „Ich sah mich in einer Blase aus Licht, die immer höher schwebte, sah auf dem OP-Tisch eine Frau mit einem  Kind und dachte: ,Wer liegt denn da unten so blutig mit einem Baby auf dem Tisch?´“ Aber als sie nach dieser Erfahrung wieder zu sich kam, war sie der glücklichste Mensch und freute sich über ihr schönes Baby.

Als die Situation in Siebenbürgen, das früher zu Ungarn gehört hatte, auf Grund der politischen Situation immer prekärer wurde – es herrschte großer Lebensmittelmangel und mit den Lebensmittelkarten durften die Siebenbürger nur das holen, was auf der Karte stand – zog auch Maria mit ihrem Mann und Sohn nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Deutschland um. Ein Schritt, den schon vorher ihre sämtlichen Verwandten gemacht hatten. In Deutschland angekommen, kam die kleine Familie zunächst nach Raststatt in ein Flüchtlingslager, wo sie als Dolmetscherin arbeitete. Nach rund einem Monat kam dann eines Tages die Meldung, dass sie nach Ravensburg in ein dortiges Lager fahren sollten. Doch dazu kam es nicht mehr: Dank des Vermieters, bei dem ihr Vater untergekommen war, kam die Familie wieder zusammen. Und so kam das Großstadtkind Maria mit ihrem Mann und Sohn nach Wengenreute und damit nach Bad Wurzach. Als ihr Sohn Josef in die Schule in Seibranz kam, konnte er nur wenige Worte Deutsch; als er dort mit 16 seinen Abschluss machte, war er der Zweitbeste seines Jahrganges. Den Rat des Schulleiters, weiterzumachen, schlug er aus: „Ich möchte mein eigenes Geld verdienen.“ Und machte in der Glasfabrik eine Ausbildung zum Schlosser. Danach absolvierte er den Zivildienst und lernte 2001 seine Frau Patricia kennen, die ihm ein Jahr nach der Hochzeit im Jahre 2002 den Sohn Fabian schenkte.

Die Schwiegertochter wurde im Laufe der Jahre zur besten Freundin für Maria Csürök. War zur Stelle als sie 2004 nach einer Tumoroperation wegen einer Lungenembolie fast gestorben wäre, und ebenfalls, als sie 2017 erneut operiert werden sollte und auf abenteuerliche Weise aus dem Krankenhaus flüchten konnte. Mit einem Ernährungsplan, zusammengestellt von anderen Ärzten, genas sie. Noch einmal war sie dem Tod sehr nahe,  als sie 2021 eine Blutvergiftung bekam.

Sie kocht noch immer für sich und ihren Mann

Kochen ist eine der Tätigkeiten, die die bis auf Probleme mit ihren Knien noch erstaunlich fitte Jubilarin auch jetzt mit 90 Jahren noch immer selbstständig für sich und ihren demenzkranken zweiten Mann gut erledigen kann. Und sollte sie doch von ihrer Schwiegertochter etwas benötigen, die mit ihrem Mann das obere Stockwerk des Eigenheimes bewohnt, dann klopft sie an die Wand.

Ihr Rezept fürs Altwerden: Sie habe sicher gute Gene geerbt, weil eine „Nane“ von ihr auch 100 Jahre alt geworden ist. Aber auch: Wenn alle glücklich sind, dann sei das eine gute Voraussetzung fürs Altwerden.
Uli Gresser




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