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Anregende Jahresausstellung des Kunstvereins Leutkirch

„Sott halt im Rahma bleiba“



Foto: Herbert Eichhorn
Regina Wellmann, „Fangfrisch“

Leutkirch – Es ist schon Tradition, dass der Kunstverein Leutkirch seine Jahresausstellung jeweils unter ein Motto stellt. Vor zwei Jahren ging es etwa unter dem Titel „Auf Tuchfühlung“ um Textiles. Für 2024 hatte die Künstlervereinigung die Losung „Im Rahmen?“ ausgegeben. Was die Künstler aus dieser Vorgabe machten, zeigt nun bis zum 17. November eine kurzweilige Ausstellung im Kornhaus.

Solche und solche Rahmen

Rahmen: Die gehören natürlich erst einmal zum Alltag einer Künstlerin oder eines Künstlers. Da sind die Bilderrahmen, in denen das Kunstwerk ganz am Schluss an die Wand kommt, oder die Keilrahmen – bei Großformaten durch Kreuzleisten stabilisiert –, auf denen zuvor die Leinwand aufgespannt wird und die für den Betrachter normalerweise unsichtbar bleiben. Aber der Begriff Rahmen wird natürlich oft auch im übertragenen Sinn verwendet, worauf im Ausstellungstitel wohl das Fragezeichen anspielt. In der Ausstellung kommt beides vor: Kunstwerke, in denen Rahmen als Objekte auftauchen, und solche, in denen es, was manchmal in kurzen Texten erläutert wird, um den Bezugsrahmen geht. Und dann gibt es auch Arbeiten, die sich offensichtlich um das vorgegebene Thema – und bei einer Jahresausstellung muss auch das möglich sein – überhaupt nicht scheren. In allen drei Gruppen finden sich schlüssige Arbeiten, die das Hingucken lohnen.

Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Irene Greinwald und Waltraud Hagedorn. Foto: Herbert Eichhorn

Es geht auch ohne Bezug zum Ausstellungsmotto

Ohne ersichtlichen Zusammenhang mit dem Thema erscheinen zum Beispiel die Beiträge von Irene Greinwald, Richard Maucher und Waltraud Hagedorn. Die kleinen Serien von Acrylmalereien der letzteren, die mit Pastellkreide überarbeitet sind, schlagen dabei einen ansprechenden lyrischen Ton an. Auch die beiden Werkgruppen, die Robert Anderson, eingereicht hat, kümmern sich nicht um das Ausstellungsmotto. Seine monochromen quadratischen Wandarbeiten, die halb Leinwandbild, halb Relief sind, haben fast etwas Meditatives. Noch ansprechender sind allerdings seine etwas älteren plastischen Arbeiten: kleinformatige ungegenständliche Tonskulpturen, die mit einer matten weißen Engobeglasur überzogen sind. Hannelore Vetter erfüllt in ihrem Werk „Affinität“ die Vorgabe der Schau, indem sie kleine Monotypien in Rot und Schwarz dicht gedrängt in einem schmalen querformatigen Rahmen wie auf einer Pinnwand präsentiert. Die einzelnen Blätter sind dabei oft gerissen statt geschnitten und wurden dann nur punktuell befestigt. Diese leichthändige Vorgehensweise wirkt sehr stimmig.

Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Robert Anderson. Foto: Herbert Eichhorn

Ein Hingucker als Mahnung

Mit einem kurzen Wandtext versucht Regina Wellmann den Zusammenhang ihrer Arbeiten mit dem Ausstellungstitel zu erläutern. Dabei hätten es diese gar nicht nötig. Vor allem ihre aus gefundenen Materialien gebauten Objekte vermögen den Besucher auch ohne jeglichen theoretischen Überbau anzusprechen. Vor allem ihr etwas böse mit „Fangfrisch“ betiteltes Werk ist ein echter Hingucker. Ein großer aus Drahtgeflecht geformter Fisch ist mit weggeworfenem und am Strand wieder angespültem Plastikmüll gefüllt. So gelingt fast spielerisch eine recht eindrückliche Mahnung an den gedankenlosen Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten.

Auch das Künstlerpaar Ute B. Schraag und Peter Horn versucht, mit einem Handzettel zu erklären, was ihr Projekt „Kunst für die Katz“ mit dem Motto der Präsentation zu tun hat. Ihre kleine Ausstellung innerhalb der eigentlichen Ausstellung, die unter anderem auch selbstgebautes Katzenspielzeug umfasst, ist auf alle Fälle eine Überraschung.

Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Michael Weinmann. Foto: Herbert Eichhorn

Ein historisches Medium: das Dia-Rähmchen

Elegant löst der Fotokünstler Michael Weinmann seine Aufgabe. Um seine auf Leinwand gedruckten Fotografien legt er locker große, aus dem technischen Bereich kommende Holzrahmen. Außerdem beschäftigt er sich in einer seiner Arbeiten mit einer Form des Rahmens, die mittlerweile auch bereits historisch geworden ist, nämlich mit dem Dia-Rähmchen. Für sein Werk „Buenos Dias“ ordnet er zahlreiche Dias nebeneinander in einen Rahmen und lässt sie in der Ecke rechts unten schließlich auch noch wortwörtlich aus dem Rahmen fallen.

Lilli Schneider, „Mona Lisa ärgert sich“. Foto: Herbert Eichhorn

Klassische Collagen

Vor allem zwei Künstlerinnen, Lilli Schneider und Monika Stoffel, haben sich von dem vorgegebenen Motto offensichtlich stark inspirieren lassen und haben für die Ausstellung originelle neue Werke geschaffen. Lilli Schneider trägt zu der Jahresschau ein ganzes Kabinett mit – in Technik und Format – klassischen Collagen bei. Ihr Material dazu findet sie in Zeitschriften und Prospekten. Das bringt sie mit viel augenzwinkerndem Humor und allerlei Bezügen zu Kunst und Kunstgeschichte zu attraktiven kleinen Arbeiten zusammen, die den Besucher schmunzeln lassen. Das Blatt „Mona Lisa ärgert sich“ ist nur ein Beispiel für diese Vorgehensweise.

Monika Stoffel, „Trau dich! – Nur Mut!“, im Hintergrund ihre Arbeit „Diversity“. Foto: Herbert Eichhorn

Sie traut sich was

Im Gegensatz zu diesen Kabinettarbeiten sind die Beiträge von Monika Stoffel sozusagen raumgreifend. Der Titel ihrer Skulptur könnte eigentlich über allem stehen, was sie für die Ausstellung beisteuert: „Trau dich! – Nur Mut!“. Für „Sott halt im Rahma bleiba“ hat sie, wie Lilli Schneider, Fundstücke aus Zeitschriften, zum Teil ebenfalls collagiert, in dutzenden kleinen Pappschachteln eingelegt und so gewissermaßen gerahmt. Und dann hat sie diese zu einer großen Wandarbeit arrangiert. Den größten Eindruck macht aber ihre letzte Arbeit. Für diese schöpft sie die eher niedere Raumhöhe auf der Etage des Kornhauses komplett aus. Sie hat einfach vier unregelmäßige Holzlatten, alle schön grau verwittert, mit vier Schrauben brachial zusammengeschraubt. Das Ergebnis überzeugt. Außerdem liefert die Künstlerin mit diesem Werk ganz nebenbei eine simple Definition dafür, was ein Rahmen im Grunde immer ist: nämlich vier zusammengefügte Leisten, die in der Mitte einen rechteckigen Ausschnitt frei lassen.

Ein gemeinsam geschaffenes Objekt oben unter dem Dach. Foto: Herbert Eichhorn

Ein Gemeinschaftswerk, spielerisch leicht

Wie schon die Jahresausstellung 2022 endet auch die diesjährige Schau im letzten Raum, ganz oben unter dem Dach, mit einer Gemeinschaftsarbeit der beteiligten Künstler. Dazu haben die Künstlerinnen und Künstler Rahmen in den unterschiedlichsten Formen und in den unterschiedlichsten Materialien zusammengetragen. Diese wurden dann ganz lapidar mit Klarsichtfolie verbunden und zu einem großen luftigen Objekt zusammengefügt. Vielleicht steht die spielerische Leichtigkeit, die dieses Kunstwerk ausstrahlt, ja für das unkomplizierte Miteinander innerhalb der Künstlergruppe.

Es lohnt sich also auf jeden Fall, im Kornhaus bis ganz oben unters Dach hinaufzusteigen. Der Besuch der Ausstellung lohnt sich überhaupt. Die abwechslungsreiche Auswahl gewährt spannende Einblicke in das, was in den Künstlerateliers der Region in diesem Jahr so alles passiert ist.
Herbert Eichhorn

In der Bildergalerie weitere Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Herbert Eichhorn

Ausstellung „Im Rahmen?“
Kunstverein Leutkirch
Galerie im Kornhaus
montags 9.00 bis 18.00 Uhr
mittwochs 14.00 bis 18.00 Uhr
donnerstags 10.00 bis 12.00 und 14.00 bis 19.00 Uhr
freitags 14.00 bis 18.00 Uhr
samstags 10.00 bis 12.00 Uhr
sonntags 11.00 bis 16.00 Uhr            



Fotos: Herbert Eichhorn

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