Skip to main content
Das Federseemuseum steht derzeit ganz im Zeiches des Bieres. Foto: Banjamin Fuchs

Bad Buchau – „Urlaub dahoim“ kann ungeahnt an weit entfernte Orte entführen. Dazu genügt bereits der Genuss eines kühlen schwäbischen Bieres. Denn wer hätte gedacht, dass dieses Kultgetränk Oberschwaben mit Ägypten und dem Vorderen Orient verbindet? Die Sonderausstellung „Bier – ein Jahrtausende altes Kultgetränk“ im Federseemuseum Bad Buchau lädt ein, sich mit der Geschichte und Kultur des Gerstensafts zu befassen. Ein maßgeblicher Grund für die Ausstellung seien jüngste Forschungen über die Ernährung der Vorzeit, wie Museumsleiter Ralf Baumeister erzählt.

Viele verschiedene Aspekte des Flüssigbrots werden in der Ausstellung beleuchtet: Zuallererst die wichtige Rolle des Bieres in der Geschichte der Menschheit, vor allem durch seinen Nährstoffreichtum und die Freiheit von pathogenen Keimen, durch das Erhitzen des Wassers. Aber auch die zeremonielle Bedeutung spielt eine Rolle. Schon vor Jahrtausenden wurde Bier auf Festen als Zeichen politischen Einflusses ausgeschenkt und gesellig in Gruppen konsumiert. Die ältesten Schrift- und Bildquellen in Zusammenhang mit Bier führen nach Ägypten und nach Mesopotamien, heute die Region Türkei und Syrien. Schon vor dem Übergang zu den produzierenden Wirtschaftsweisen Pflanzenbau und Viehhaltung, der so genannten neolithischen Revolution, wurde dort vermutlich Bier gebraut und seine berauschende Wirkung war bekannt. Das Bierbrauen hat die neolithische Revolution mindestens beschleunigt, laut manchen Wissenschaftlern sogar maßgeblich getragen.

ANZEIGE
Museumsleiter Ralf Baumeister genießt ein eigens für die Ausstellung gebrautes „Keltenbier“. Foto: Benjamin Fuchs

Das trifft auch auf Süddeutschland und Oberschwaben zu: Obwohl keine so alten Bild- und Schriftquellen wie aus Ägypten und Mesopotamien erhalten sind, ist in unserer Region von einer fast genauso langen Tradition des Bierbrauens und -trinkens auszugehen. Also vermutlich bereits 6000 Jahre lang! Spätestens Fundstücke aus Hochdorf bei Stuttgart und der Heuneburg bei Hundersingen aus der Zeit der Kelten zeigen bei aktuellen Untersuchungen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die lokalen Völker vor uns Bier brauten und tranken. Und das auch gern mal in großen Maßen.

Die vielseitigen Ausstellungstafeln, -stücke und Quellen, aber auch die Möglichkeit, der damaligen Rezeptur nachempfundenes „Keltenbier“ zu trinken, machen die Ausstellung unterhaltsam und alles andere als „bierernst“. Ein Begriff, der übrigens durch die Annahme entstand, Bier stimme im Gegensatz zum beschwingenden Wein schwermütig. Davon ging zumindest der Sprachwissenschafter Heinz Küpper aus.

ANZEIGE
Living History Gruppen zeigen, wie Grillen anno dazumal gegangen ist. 

Ganz gleich, welche Meinung man davor zu Bier hatte, durch den Besuch der Ausstellung erhält man neue Sichtweisen. Auch Museumsleiter Baumeister sagt: Bier ist mehr als nur ein Lebensmittel oder ein Rauschmittel. Es ist menschliche Geschichte und Kultur, selbst von offiziellen staatlichen Anlässen nicht mehr wegzudenken. Dass das Kultgetränk auch lokal verankerte Handwerkskunst ist, zeige ganz besonders Oberschwaben. Ebenfalls kann Bier als soziales Bindemittel dienen: Ob privat, beim Freundestreffen oder auf Feiern und Festen – das schäumende Getränk an sich sowie seine Wirkung verbinden. Sicherlich ist Bier durch Fortschritte in Hygiene und Wasserversorgung nicht mehr ein so unverzichtbares Nahrungsmittel wie früher, was dem Genuss in Maßen aber keinen Abbruch tut. Und wer mehr wissen möchte, der kommt beim „Urlaub dahoim“ und einem Besuch im Federseemuseum bequem von Bad Buchau nach Mesopotamien, Ägypten und wieder zurück ins Ländle. Prost!

Autor: Benjamin Fuchs



NEUESTE BLIX-BEITRÄGE

Editorial BLIX März 2026

Liebe Leserinnen, liebe Leser, vor einem Jahr war die Wahl zum Bundestag. Heraus kam die Schwarz-Rote-Koalition mit Kanzler Merz (CDU) an der Spitze. Sie quält sich über die Runden, hat man den Eindruck. Wenngleich sie mit einem Paukenschlag begann.

„Liebe oberschwäbische Landsleute“

Biberach – Jede Menge Prominenz trat beim 30. Politischen Aschermittwoch der Grünen auf die Bühne. Special Guest war Ex-Außenminister Joschka Fischer, der schon 1996 mit seinem Auftritt in der Biberacher Stadthalle Furore machte.

Was bleibt?

Die Grünen mit ihrem Frontmann Winfried Kretschmann sind dabei, die Sensation perfekt zu machen: an Ostern 2011 verhandeln die Ökos mit den Sozis über einen Koalitionsvertrag, der zur ersten Grün-Roten-Landesregierung in Baden-Württemberg führen wird und beendet damit die unendlich scheinende Nachkriegsära der CDU. Heute wissen wir, dass damit die Ära von Winfried Kretschmann und seinen Grünen begann. 15 Jahre und damit länger als jeder seiner Amtsvorgänger regierte der grüne Realo völlig ska…

Wahl im Umbruch

Wenn in Baden‑Württemberg am 8. März ein neuer Landtag gewählt wird, entscheidet sich mehr als nur die politische Richtung der kommenden fünf Jahre. Es ist die erste Wahl nach einer umfassenden Reform des Landeswahlrechts – ein Systemwechsel, der das politische Gefüge im Südwesten spürbar verändern dürfte.

Wald in Frauenhänden

Kreis Biberach – Der Wald ist für viele ein Sehnsuchtsort mit vielen Ansprüchen, das bringt auch Konflikte mit sich. Beispielhaft im Altdorfer Wald, wo ökonomische Interessen mit ökologischem Schutz kollidieren, wo es neben Kiesabbau auch um Windkraft geht, wo es um Wasser- und Klimaschutz geht. BLIX hat schon häufig darüber berichtet, weil Wald ein Gradmesser für das Befinden von Natur und Umwelt und damit existenziell wichtig ist. Frauen sind die Hälfte, nicht so in der Forstwirtschaft, dor…

Drei gegen einen

Ravensburg – Vier Bewerber dürfen offiziell für das Oberbürger­meisteramt in Ravensburg kandidieren. Der Gemeindewahlausschuss hat für die Wahl am Sonntag, 8. März, die Bewerber Daniel Rapp, Roman Urban, Umut Bulut und Samuel Bosch zugelassen. Wahlberechtigt sind am Sonntag, 8. März, rund 39.000 RavensburgerInnen. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen kann. Sollte dies keinem Bewerber gelingen, wird am 22. März erneut gewählt. Auf den Stimmz…

Nicht jammern

Aulendorf – Aufbruch statt Resignation war die Haltung  der Teilnehmenden einer „Post-Biosphärenkonferenz“, die auf Einladung des BUND am 7. Februar in Aulendorf stattfand. Der Kreis, rund 30 Personen, bestand aus „einer Koalition der Willigen“ aus dem gescheiterten Biosphärenprozess, erklärten Martin Bachhofer, Landesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, und Maike Hauser, Regionalgeschäftsführerin BUND Bodensee-Oberschwaben, bei der abschließenden Pressekonferenz.

Mit Freude am Schaffen

Riedlingen/Ehingen – Rebecca Harnau erzählt begeistert von ihrer Kindheit auf dem Land, geprägt von Familie und Freunden, vom Heimwerken und der Hobby-Landwirtschaft mit familieneigenem Traktor. 2022 folgte das Abitur am Kreisgymnasium Riedlingen mit sprachlichem Profil, Spanisch – nicht etwa Naturwissenschaft und Technik. Das erstaunt, denn die Riedlingerin wurde im Dezember 2025 zur besten Industriemechanikerin Deutschlands gekürt. Grund genug, die 23-Jährige an ihrem Arbeitsplatz bei Liebh…

„Da ist Leben in der Bude“

Ulm – Das kleine Naturmuseum Ulm und das große Museum Ulm wachsen zusammen. Hochmotivierte Teams wollen noch mehr Menschen jeden Alters Natur erlebbar machen. 

Göttinnen-Dämmerung im Kloster

Bad Schussenried – Aus ihrem reichen Fundus zeigt die Sammlerin Hansi Schmehle-Knöpfler Frauenfiguren und weibliche Darstellungen aus vielen Epochen. Und sie erläutert in der Sonderausstellung, wie Rollenbilder sich geändert haben. 

Musik für alle

Biberach – Unbestritten: Musizieren aktiviert das Gehirn, fördert die Koordination und schafft Gemeinschaft. Dies gilt auch für Menschen mit Behinderung. Für sie ist in Musikgruppen und Vereinen aber meist kein Platz, es bedarf spezieller Angebote. Ganz besonders, wenn sie dem Schulalter entwachsen sind. 

Schneiden und säen im Frühjahr

Der Gehölzschnitt sollte erledigt sein, schon damit brütende Vögel nicht gestört werden. Doch die alte Faustregel gilt noch: Sobald die Forsythien ihre gelben Blüten zeigen, können die Rosen geschnitten werden. Was wiederum nicht so einfach ist. Verlangen doch Beetrosen einen anderen Schnitt als Kletterrosen oder Strauchrosen. Auch Rosensorten, die nur einmal im Jahr blühen, werden anders geschnitten als solche, die mehrmals blühen.

Achtsam sein

Wie oft sind wir wirklich voll und ganz im Moment? Nehmen bewusst wahr, was gerade um uns herum ist, ohne schon in Gedanken bei der nächsten Aufgabe zu sein? Und brauchen wir dafür die Hilfe der Künstlichen Intelligenz?

Kaffeeklatsch mit Künstlicher Intelligenz

Bücher für Senioren wecken gerne sentimentale Erinnerungen an alte Zeiten. Manche ermutigen aber auch, sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen.

Riedlingen is(s)t gesund

Riedlingen – In der Donaustadt dreht sich vom 9. bis 15. März alles um die Gesundheit. Unter dem Motto „Riedlingen is(s)t gesund – Gesund leben, lecker genießen!“ steht die Stadt ganz im Zeichen von Ernährung, Bewegung, Achtsamkeit und Gemeinschaft. Die 7. Riedlinger Gesundheitstage bieten ein pralles Programm: Von praktischen Mitmachaktionen über fachliche Vorträge bis hin zu einem verkaufsoffenen Sonntag mit großer Gesundheitsmesse in der Stadthalle. Ein Überblick.

ANZEIGEN

BLIX-NEWSLETTER

VERANSTALTUNGEN

ALLGÄU-OBERSCHWABEN

Wangen – Abschalten vom täglichen Zeit- und Termindruck, zur Ruhe und in Einklang kommen, sich Energie holen für die …
Aulendotf / Wilhelmsdorf – “Häckmäck”, das aktuelle Programm des Kleinkunstvereins Aulendorf, wird in diesem Frühjahr…
Waldburg – Die Waldburg startet früh in die Saison 2026. Das Team hat sich viele tolle Neuerungen für 2026 einfallen …
Marl / Zussdorf (rei/FR) – Die oberschwäbische Kult-Serie „Tschappel“ hat den renommierten Grimme-Preis erhalten. Der…
Waldburg – Das Schloss Waldburg startet in die Saison 2026 und lädt Besucherinnen und Besucher ein, einen der geschic…