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Hutkönigin

Nach der Erdbeerkönigin hat Bad Wurzach wieder ein gekröntes Haupt



Foto: Uli Gresser
Nicole Schmitz-Bernt beim Interviewtermin, mit dem einer Königin würdigen Gebäude im Hintergrund…

Bad Wurzach – Nicole Schmitz-Bernt ist seit rund einem Monat für zwei Jahre die neue deutsche Hutkönigin. Sie wurde am 5. Mai in der Hut-Stadt Lindenberg von einer Jury in ihr Ehrenamt gewählt. Ein Grund, sich einmal die Person unter den stylischen Kopfbedeckungen näher anzuschauen.

Foto: Uli Gresser

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„Ich bin eine echte Berliner Pflanze“, so stellt sie sich beim Interviewtermin vor. Was man allerdings am akzentfreien Hochdeutsch der diplomierten Psychologin mit der mit einem Facharzt vergleichbaren Zusatzausbildung als Psychotherapeutin nicht erkennen kann.

Bereits im Gymnasium habe sie in Psychologie als Wahlfach hineingeschnuppert und erste Impulse in diese Richtung erfahren. Dennoch nahm sie nach dem Abitur erst einmal mehrere Jobs an, wollte etwas vom Leben lernen, ehe der nächste akademische Abschnitt mit Lernen und Prüfungen folgte.

In dieser Zeit erinnerte sie sich wieder an ihre ersten Wahlfacherfahrungen mit Psychologie. „Meine Motivation, Psychologie zu studieren, lag darin, Menschen zu verstehen, ihre Persönlichkeit zu verstehen, ihr Handeln nachzuvollziehen und herauszufinden, warum wir teilweise so unterschiedlich und doch so gleich sind.“ Daran habe sich nichts geändert: „Das fasziniert mich seit damals. Ihnen zu helfen, indem ich sie ein Stück des Weges begleite und sie sich dadurch selbst besser verstehen, ist bis heute der Antrieb hinter meiner Arbeit.“

Sie nahm an der TU Berlin das Studium mit dem Abschluss Diplom auf. „Damals war es noch möglich, über den Tellerrand zu schauen.“ Sprich: sie konnte bis zu ihrem Abschluss im Jahr 2010 auch noch Einblicke in den technischen Bereich gewinnen. Besonders faszinierte sie neben der klinischen Psychologie die Neuropsychologie, über die sie dann letztendlich auch bei zwei ambitionierten Professoren ihre umfangreiche Diplomarbeit über den Zusammenhang von „Entspannung und Psyche“ schrieb.

Nach all dem Stress mit dem Studiumsabschluss wollte sie etwas anderes machen – und arbeitete zwei Jahre als Kinderbetreuerin. Letztendlich nahm sie die Herausforderung der berufsqualifizierenden Ausbildung zur Psychotherapeutin an und startete diese in 2012. Wie die meisten angehenden PsychotherapeutInnen stand sie vor der großen Hürde, die Ausbildung selbst finanzieren zu müssen, da es in Deutschland bis heute keine staatliche Unterstützung dafür gibt. Aus diesem Grund hatte sie sich neben ihren Praktika in Kliniken nebenberuflich als psychologische Gutachterin selbstständig gemacht, eine Tätigkeit die sie noch bis letztes Jahr beibehalten hat. Seit 2022 arbeitet sie als psychologische Psychotherapeutin an der Waldburg-Zeil-Klinik für Psychosomatik in Neutrauchburg.

2017 die Diagnose

Dass dieser ganze Stress nicht spurlos an ihr vorübergehen konnte, zeigte sich dann 2017. Kurz nach ihrer Hochzeit mit ihrem Mann, mit dem sie inzwischen 23 Jahre zusammen ist, kam der Schock: Die Diagnose Krebs, mit 35 Jahren. Als sie an Krebs erkrankte, stand sie noch in ihrem letzten Ausbildungsabschnitt. Damals behandelte sie schon eigene PatientInnen und führte die Therapien auch während ihrer eigenen Krebstherapie fort. Denn ihr war es immer wichtig, ihre Rolle als Therapeutin nicht zu verlieren, was ihr mit kollegialer Unterstützung auch gelungen ist. Ihren Abschluss, ihre Approbation erhielt sie dann 2019, als sie schon hier lebte.

Ein Wink des Schicksals: Einen Tag nach ihrer Diagnose erhielt ihr Mann die Zusage für einen Job bei der EnBW in Biberach. Nach ihrer (erfolgreichen) Therapie war es dann keine Frage mehr: Sie würde ihrem Mann in den Süden folgen, heraus aus der Großstadt und hinein ins Grüne. Sie erfüllten sich ihren gemeinsamen Traum von Haus und Garten und wohnen seit Mai 2018 in einem Teilort von Bad Wurzach.

Sie und ihr Mann freuen sich auch, dass sich in den letzten Jahren auch beim öffentlichen Nahverkehr in der Region viel getan hat. Auch wenn sie sich ein Auto anschaffen mussten, fahren sie gerne mit dem Bus mal nach Ravensburg oder Bad Waldsee, was durch die neuen Schnelllinien nur unwesentlich länger dauert als mit dem Auto. Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist dem Ehepaar wichtig: Bereits als ihr Mann den Job bei der EnBW annahm, zog er zunächst nach Aulendorf, damit er per Bahn an seinen Arbeitsplatz fahren konnte. In ihrem Garten bieten sie – umgeben von Mais- und Kornfeldern, die herkömmlich bewirtschaftet werden – Pflanzen und Tieren wie auf einer Insel einen natürlichen Lebensraum. Ein wenig konnte Nicole Schmitz-Bernt mit ihrer Idee eines natürlichen Gartens bereits einige ihrer Nachbarn überzeugen. Sie liebt Tiere, bietet Vögeln Nistmöglichkeiten. Und sie ist seit etwa 15 Jahren Vegetarierin.

Nicole Schmitz-Bernt beim Interviewtermin, mit dem einer Königin würdigen Gebäude im Hintergrund…, Fotos: Uli Gresser

Bei ihrem größten Hobby – neben ihrem Garten – nämlich dem Schneidern, ist sie ein wenig familiär vorbelastet: die Affinität dazu hatte ihre Mutter ihr als Kind mitgegeben. Nach Beendigung ihres Studiums ging es für sie damit so richtig los. Mode ist für Nicole Schmitz-Bernt auch in jeder Epoche ein Spiegelbild der politischen Gesellschaft. Ihr großer Favorit sind die zwanziger Jahre, die modegeschichtlich ein wenig geteilt waren. Weil sie sich sehr viel mit Modegeschichte befasst, ist ihr auch wichtig, die politischen Zusammenhänge zu verstehen. „Schneidern ist für mich auch eine kulturelle Fähigkeit, die verloren zu gehen droht. Und sie war und ist auch lebensnotwendig: Ohne das Umarbeiten etwa von Fellen zu Kleidung hätten die Menschen die Eiszeit nicht überlebt.“

Der Nähzirkel

Vor einigen Jahren war sie Gründungsmitglied des Nähzirkels in der Riedstadt. Sehr dankbar ist sie, dass der Schulleiter des Salvatorkollegs, Klaus Amann, dem Nähzirkel eine Bleibe gegeben hat. Weil Nicole Schmitz-Bernt so gerne im Vintage-Stil schneidert, war dieser auch Inhalt eines kleinen Motto-Näh-Wettbewerbes des Zirkels. Mit dem Ergebnis, dass die Damen beim Geschichtival im vergangenen Oktober vor dem Geschäft von Optik Blickfang – gemeinsam mit den Oldtimern von Karl Ehrmann – zu eben einem solchen Blickfang wurden. Noch heute schwärmt Nicole Schmitz-Bernt begeistert von diesem Tag.

Hüte runden nach ihrem ästhetischen Empfinden ein Outfit erst richtig ab. Seit sie bei einem Workshop in Wuppertal die Basics gelernt hat, wie man aus im Wortsinne „alten Hüten“ mit kleinen Accessoires viel herausholen kann, macht sie, die ihre Hut-Modelle vom Flohmarkt oder aus Nachlässen bezieht, dies mit großer Hingabe. Deshalb führte sie einer ihrer ersten Ausflüge in der neuen Heimat nach Lindenberg, wo sie dann dem dortigen Hutmuseum einen Besuch abstattete.

Im letzten Jahr besuchte sie gemeinsam mit ihrer Mutter den „Lindenberger Hut-Tag“, wo die Idee, bei der Wahl in diesem Jahr mitzumachen, in ihr reifte. Also bewarb sie sich, gemeinsam mit neun anderen Damen. Ihre Bewerbung sei wohl sehr gut angekommen, meint sie, sie wurde zum Finale an jenem 5. Mai eingeladen. Was dann noch mit einer gewissen Hektik verbunden war: Innerhalb von gut zwei Wochen musste sie noch ein passendes Kleid entwerfen und schneidern. Mit überzeugendem Erfolg schaffte sie das, wie ihre Wahl dann an diesem für die Kandidatinnen recht anstrengenden Sonntag zeigen sollte. Dabei hatte sie nicht nur die hochkarätige Jury überzeugen können, sondern auch das Publikum.

Foto: Uli Gresser

Für ihre Amtszeit hat sie auch schon einige Projekte und Ideen: Seit ihrer Krebserkrankung und den mit der Chemotherapie einhergehenden Folgen (Haarausfall) hat der Hut für sie noch eine viel größere Bedeutung gewonnen. Sie möchte Menschen, die das gleiche Schicksal ereilt, durch Hüte helfen, sich wieder schön und lebenswert zu finden. „Das hat mir damals sehr geholfen, meine Schönheit und Weiblichkeit zu behalten.“

Am 21. Mai in Lindenberg

Einen – für sie – besonderen ersten Auftritt als gekröntes Haupt hat sie auch schon hinter sich gebracht: Am 21. Mai war die Übergabe des Sozialistenhutes in Lindenberg. Diesjähriger Preisträger ist Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band “Die Prinzen”. Er erhielt die Auszeichnung für sein Engagement gegen Rechts. Das verbindet sie mit dem Sänger, dessen Musik sie schon in ihren Kindheitstagen gerne hörte, da sie selbst Rassismus, Diskriminierung und alte Rollenbilder ablehnt.

Weitere Auftritte wird sie beim Lindenberger Stadtfest und natürlich im Herbst beim Jubiläum vom Hutmuseum haben.

Beim Bad Wurzacher “Geschichtival”: Nicole Schmitz-Bernt ausnahmsweise “ohne” Hut. Fotos: Uli Gresser




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