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Aus dem Gemeinderat

Kißlegg – Aulendorf alle halbe Stunde: denkbar ab 2040



Kißlegg – 70.000 Euro. Diesen Betrag wäre die Gemeinde Kißlegg 2027 bis 2031 pro Jahr zu zahlen bereit. Und dann 2032 bis 2036 je Jahr nochmals 50.000. Schließlich dann 9230 Euro pro Jahr von einschließlich 2037 bis 2039. Also insgesamt 627.690 Euro. Dies als Beitrag Kißleggs für die Elektrifizierung der Strecke Kißlegg Aulendorf – bis (frühestens) 2040. Zum Beispiel dafür, dass dann die Züge schneller fahren. Mit insgesamt einem „konkreten Nutzen für viele Fahrgäste”. So beschloss es der Gemeinderat in seiner Sitzung am 18. Februar.

Der Schienenbau. Eigentlich eine Aufgabe des Bundes. In Abstimmung mit den Ländern. Da aber viele Strecken zu verbessern sind, dürften die Gleise, auf denen wenig Fernverkehr rollt, wohl am wenigsten modernisiert werden. Das verhalte sich anders, wenn von Gemeinden und Kreisen entlang dieser Strecken „ein Signal” komme. Nämlich die Bereitschaft, von den über 100 Millionen Gesamt-Ausbaukosten der Strecke Aulendorf-Kißlegg einen kleinen Teil aus den Gemeindekassen zu stemmen. 


„Bahnbauten sind Generationen-Aufgaben.” Bürgermeister Dieter Krattenmacher wies im Gemeinderat schon mehrmals darauf hin, dass flott zu nutzende Gleise meist nur über mehrere Jahrzehnte entstehen. Die Sanierung der Strecke Aulendorf – Kißlegg dann bis 2040. Dass dieser Zeitraum noch vergleichsweise kurz sei, lasse sich an der Jahreszahl 1865 erkennen. Damals fiel die Entscheidung für die Strecke Aulendorf – Leutkirch zugunsten von Kißlegg aus –  statt für Wurzach. Denn Kißlegg habe zuvor schon die Ach verlegt, damit die Gleise zielstrebig nach Kißlegg führen konnten. Außerdem wollte Wangen eine Schienenführung übers nähere Kißlegg. „Man wusste ja nie, was die Bayern machen”, erinnerte Krattenmacher an das Jahr 1865. Gebaut wurde die Strecke Waldsee – Kißlegg 1870, die Strecke nach Leutkirch 1872.

Alle halbe Stunde per Bahn von Kißlegg nach Aulendorf. Fast so häufig wie bei mancher Straßen-, S- oder U-Bahnverbindung in Großstädten. Und dann auch mal Kißlegg – Friedrichshafen ohne Umsteigen. Das alles (und noch manches mehr) soll möglich werden, wenn die Strecke Kißlegg-Aulendorf elektrifiziert ist. Ab (frühestens) 2040. Die Planungen dafür sollen aber ab jetzt vorbereitet werden. Deshalb sei es höchste Eisenbahn für einen Gemeinderatsbeschluss aus Kißlegg. Vergleichbar mit schon erteilten Zustimmungen anderer gewählter Runden in mehreren nahen Orten – bis nach Ravensburg.

„Ein Zeichen setzen”

Sie sollten „ein Zeichen” in Richtung Landesregierung in Stuttgart senden. So Dr. Wolfgang Heine, der Leiter des Regionalverbands Bodensee Oberschwaben. Auf dass von Stuttgart aus dann der Bund dazu angeregt werden solle, die Elektrifizierung bis 2040 tatsächlich ausführen zu lassen. Vom Bund bliebe denn auch der allergrößte Teil der Kosten über etwa 100 Millionen Euro zu berappen. Das schwäbische Oberland habe davon bestenfalls rund 8 Millionen Euro zuzusichern – davon die Hälfte der Kreis Ravensburg. Die andere Hälfte dann Orte entlang oder nahe der Strecke.

Wie stark verlässliche Züge den Verkehr insgesamt entlasteten, schilderte Regionalverbands-Chef Heine dem Kißlegger Gemeinderat am Beispiel der Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB). Ursprünglich sollte sie 1 Million Leute pro Jahr transportieren – inzwischen nutzen 1,5 Millionen die BOB (die ab 2028 in anderer Trägerschaft fährt).

Der Brief von Dieter K.

Heine erinnerte auch an seinen ersten Arbeitstag beim Regionalverband 2006. Damals vor leerem Schreibtisch – mit einer Ausnahme: ein Brief von einem gewissen Dieter Krattenmacher. Der habe sich damals schon für funktionierenden Bahnverkehr stark gemacht.

Der Kißlegger Gemeinderat wollte es am 18. Februar aber doch ganz genau wissen. Michael Fick (CDU): „Wie fix sind die Zahlen – und wo führt das hin?” Darauf antwortete Dr. Wolfgang Heine: „Es gibt ein Risiko.” Aber in der Machbarkeitsstudie, die das Ganze über Jahre untersucht und berechnet habe, sei alles „sehr detailliert” bewertet worden. Die Bahn gehe von 2 bis 3% Inflation pro Jahr aus. Andererseits gelte: „Es steigen ja auch die Steuern.”

„Jetzt oder nie”

Entweder jetzt – oder gar nicht. So beschrieben Heine und Krattenmacher die Beschlusslage. Dem folgte der Gemeinderat am Mittwochabend einstimmig. Ab 2027 soll’s also losgehen mit 70.000 Euro pro Jahr.
Julian Aicher




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