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Gemeinderats-Sondersitzung zu den gestiegenen Kosten bei der „Löwen“-Sanierung

Bei drei Millionen ein Deckel



Foto: Julian Aicher
Ein – im Wortsinne – eigenständiges Bauwerk: Das Gerüst rund um die „Löwen”-Baustelle zeigt sich als vielfältige Geflecht. Denn die Konstruktion muss eigenständig stabil stehen – ohne Rückverbindung an „Löwen”-Fach- und Mauerwerk. Das Gerüst kostet pro Monat rund 17.000 Euro Miete. Ob es bis Ende Mai ‘26 abgebaut werden kann? Dann wäre am „Löwen” die Schlosstraße wieder zweispurig befahrbar. DBSZ-Archivbild.

Kißlegg – Mittwochabend, 28. Januar. Ab 18.00 Uhr tagt der Gemeinderat Kißlegg im Esther-Saal des Neuen Schlosses. Einziger Tagesordnungspunkt: die „Löwen”-Sanierung. Dafür will der Gemeinderat auch künftig nicht mehr als drei Millionen Euro aus der Rathauskasse ausgeben. Kostensteigerungen des Bauprojekts sind demnach durch Umschichtungen im Haushalt und durch mehr Zuschüsse von außen abzufangen. Außer Peter Killat (SPD), der die feste Beschränkung auf drei Millionen ablehnte, stimmen alle Ratsmitglieder dem zu.

Die Vorgeschichte: Der Ravensburger Architekt Wolf Christian Stottele hatte dem Gemeinderat am 15. Januar mit 5,801 Millionen Euro rund 800.000 Euro höhere Kosten für die „Löwen”-Sanierung genannt. Die Ratsmitglieder betonten damals, dass dies so nicht weitergehen könne. Deshalb setzte Bürgermeister Dieter Krattenmacher auf Mittwoch, 28. Januar, eine Sondersitzung an.

Architekt Wolf Christian Stottele (links neben Bürgermeister Dieter Krattenmacher) berichtet im Gemeinderat über die Kostensteigerung. Foto: Julian Aicher

In der Sitzung am 28. Januar benannte Architekt Stottele nun sehr eingehend und detailliert die Ursachen für die höheren Beträge. Kämmerer Roland Kant und Bauamtsleiter Manfred Rommel erläuterten dann, wie durch Umschichtungen im Haushalt der Kostenrahmen eingehalten werden könne. Außerdem durch weiteres Geld von außen. Bürgermeister Dieter Krattenmacher wies auf solche Zuschüsse – etwa vom Land – hin und zeigte sich zuversichtlich, „dass wir die nächsten vier Wochen Klartext” (zu diesen Zuwendungen von außen) haben“. Dabei helfe Kißlegg auch, was der Bund voraussichtlich Geld aus seinem „Sondervermögen” in Richtung Kißlegg fließen lassen wolle.

Gerüstabbau Ende Mai?

Zwischen September und November 2026 soll die Gesamt-Sanierung des „Löwen” dann fertig sein. Architekt Stottele erklärte gegenüber dem Gemeinderat, es sei heute unmöglich, einen genauen Termin dazu schon für September ‘26 zu benennen. Stottele und seine Baufachleute setzten aber heute alles ihnen Mögliche daran, dass „am 29. 5.” das Gerüst um die „Löwen”-Baustelle so nicht mehr gebraucht werde. Der Architekt: „Das Ziel ist, die Schloss-Straße so schnell möglich freizukriegen.”

Bauamtsleiter Manfred Rommel erinnerte an drei verschiedene Fachgutachter. Diese seien von der Verwaltung um Rat gebeten worden, bevor sich der Gemeinderat dazu entschlossen habe, den „Löwen” zu sanieren. Ein Abbruch des Gebäudes sei aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht möglich gewesen. Und: Von den drei Fachleuten habe das Rathaus zum „Löwen”-Dachstuhl erfahren: „Das ist was Einmaliges.” Und: „Das ist was Tolles”. Kurz: Dass sich Erhalt und langfristige Sicherung des Dachstuhls jetzt als deutlich teurer erwiesen, habe so niemand vorausahnen können.

Beim „Löwen” gehe es um den Schutz einer baulichen Perle. Und um Maßnahmen in altehrwürdigen Wänden, die dann modernsten Ansprüchen genügen. Rommel wies auf das Stadtmuseum im „Cavazzen” Lindau – mit Sanierungskosten dort von über 33 Millionen. Ähnlich (mit rund 20 Millionen) jetzt das Kornhaus Ravensburg. Sogar bei Neubauten seien solche Kosten-Dimensionen, „Bau nichts Neues“, fügte der Amtsleiter hinzu.

„Wir sind immer noch willens“

„Wir sind ja immer noch willens”, betonte FWK-Fraktionschef Bernd Dux. Dennoch würden die Freien Wähler bei ihrer schon eingeschlagenen Linie bleiben. Und diese heiße: „Wir wollen ganz gern einen Deckel haben.” Dieser liege bei nicht mehr als drei Millionen Euro aus der Gemeindekasse.

Darüber, wie sich dieses Ziel wirklich erreichen lasse, hörte der Gemeinderat am vergangenen Mittwoch (28.1.) Einiges von den Fachleuten. Architekt Wolf Christian Stottele bezweifelte dabei, dass es sinnvoll sei, die im ersten Obergeschoss geplanten kleinen Wohnungen für unverschuldet in Not geratender alte Kißlegger Bürgerinnen und Bürger jetzt erstmal nicht auszubauen. Diese Zurückhaltung bringe Probleme für die Sanitär-Versorgung des ganzen Hauses. Außerdem würden so bestenfalls 75.000 Euro eingespart.

„Da müssen wir jetzt durch“

Ähnlich wie sein CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Dürr sagte Michael Fick (CDU): „Wir stehen zum Löwen, da müssen wir jetzt durch.” Fast gleichlautend Daniela Frick (CDU). Michael Fick führte aus: Was der Gemeinderat bisher mit dem „Löwen” erlebt habe, dränge aber die grundsätzliche Frage auf, wie künftig mit ähnlichen Aufgaben in dem Mehr-Seen-Ort umzugehen sei. Deshalb forderte Fick dazu auf, genauer zu ermitteln: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma wieder raus?”

Darauf antwortete Bürgermeister Krattenmacher, dass Verbesserungen in der Kommunalpolitik ohne Risiko nicht zu erreichen seien. Persönlich halte es Krattenmacher nach wie vor eher für richtig, alte Häuser zu erhalten. Aber darüber müsse künftig vor weiteren denkbaren Vorhaben nochmals genauer nachgedacht werden.

„… soll drei Millionen nicht überschreiten“

Was die Kosten der „Löwen”-Sanierung angeht, setzte Bürgermeister Krattenmacher derweil einen klaren Punkt: „Wir streben die drei Millionen an.” Mehr solle aus der Gemeindekasse für das Bauvorhaben nicht genommen werden. Auch, um den Freien Wählern Kißlegg damit entgegenzukommen, schlug Krattenmacher dann vor, im Punkt 2 der Beschlussvorlage der Verwaltung (hier unten) folgenden Satz einzubauen: „Der von der Gemeinde selbst zu finanzierende Betrag soll drei Millionen Euro nicht überschreiten.” Dieser Festlegung wollte Peter Killat (SPD) so nicht folgen. „Wenn der Löwen in vier Jahren schön dasteht, wird niemand mehr nach Baukosten fragen.”

Die Rätinnen und Räte (mit 1 Ausnahme) hoben die Hand dann einstimmig zu folgendem Beschluss:
1. Der Gemeinderat nimmt die vom Architekturbüro EUS vorgestellte Kostenberechnung und den Bauzeitenplan zur Kenntnis.
2. Der Gemeinderat stimmt dem dargestellten Finanzierungsvorschlag zu. Der von der Gemeinde selbst zu finanzierende Betrag soll 3 Millionen € nicht überschreiten.

Die übrigen Punkte des Beschlusses befassten sich mit Vergabern:
3. Der Gemeinderat vergibt den Nachtrag zum Trockenbau an die Firma Baum GmbH, Am Taubenried 8 in 88273 Fronreute, auf der Grundlage des Angebotes vom 23.10.2025 zum vorläufigen Angebotspreis von € 29.896,98.
4. Der Gemeinderat vergibt den Nachtrag 01 + Nachtrag 02 zu den Verputzarbeiten an die Firma Baum GmbH, Am Taubenried 8 in 88273 Fronreute, auf der Grundlage des Angebotes vom 30.9.25 und 03.11.2025 zum vorläufigen Angebotspreis von € 30.340,57.
5. Der Gemeinderat vergibt den Nachtrag zu den Rohbauarbeiten an die Firma Leuthe GmbH & Co. KG, Jahnstr. 19 in 88281 Schlier-Wetzisreute, auf der Grundlage des Angebotes vom 01.12.2025 zum vorläufigen Angebotspreis von € 147.987,20.
6. Der Gemeinderat vergibt die Nachträge der Zimmerer/Holzbauarbeiten an die Firma Veser GmbH & Co. KG, Frickers 1, 88353 Kißlegg auf der Grundlage des Angebotes vom 01.12.2025 zum vorläufigen Angebotspreis von € 433.576,90.
7. Der Gemeinderat vergibt die Estricharbeiten an die Firma Meschenmoser, Spitzäcker 1 in 88682 Salem, auf der Grundlage des Angebotes vom 11.12.2025 zum vorläufigen Angebotspreis von € 17.463,18.
Julian Aicher

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