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Unter der Leitung von Robert Häusle

Kirchenchor St. Verena brillierte bei Bachs Weihnachtsoratorium



Foto: Uli Gresser
Rund ein Jahr probte der Kirchenchor von St. Verena die ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach.

Bad Wurzach – Die Kirche war mit rund 350 Konzertbesuchern sehr gut besetzt, als an diesem Samstagabend (20.12.) der Kirchenchor von St. Verena gemeinsam mit einem 20-köpfigen Orchester und vier Solisten unter der gewohnt souveränen Leitung von Robert Häusle die Kantaten eins bis drei des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach in der Kirche zur Aufführung brachte.

Kirchenchor-Vorstand Peter Grupp zeigte sich in seiner Begrüßung dankbar für die großzügige Unterstützung durch Sponsoren und den großen Publikumszuspruch; die großen Mühen der Probenarbeiten hätten sich gelohnt.

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Das Weihnachtsoratorium wurde von Bach für die sechs Gottesdienste zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und Epiphanias (heute Dreikönig) 1735 geschrieben und mit dem Thomanerchor in der Thomaskirche und der Nicolaikirche in Leipzig uraufgeführt. Von der musikalischen Gattung steht es in einer Reihe mit den Bach’schen Passionen: Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentarischen Weihnachtsgeschichte in den Zitaten, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen dieses Oratorium.

Die Solisten

Der – kirchentraditionsgemäß von einem Tenor gesungene Part des Evangelisten – wurde in diesem Falle von Markus Herzog, der schon häufiger bei Chor-Projekten von Robert Häusle in St. Verena mit an Bord war, gesungen. Dasselbe gilt für Barbara Sauter (Alt), die neben dem Evangelisten, der für die Bibelzitate sorgte, auch diverse Arien gesanglich stemmte.

Sopranistin Yvonne Steiner durfte neben mehrerer Arien gemeinsam mit dem Bassisten Franz Hawlata, der darüber hinaus auch für mehrere Accompagnato-Rezitativ-Partien zuständig war, auch zwei Duette singen.

Das Weihnachts-Oratorium ist vor allem durch seine feierlichen Eingangschöre populär geworden, die neben den Arien die musikalischen Höhepunkte im Werk darstellen. Beeindruckend füllte der vierstimmige Eingangschor des Kirchenchores mit „Jauchzet, frohlocket!“ die Kirche, ganz so, als ob die Sängerinnen und Sänger wirklich der Ankunft des Herrn entgegenfieberten. Wobei sich Bach melodisch im sogenannten Parodieverfahren bei einer eigenen für das sächsische Herrscherhaus komponierten, weltlichen Kantate bediente. So wurde dann aus „Tönet ihr Pauken, Erschallet Trompeten!“ das „Jauchzet, Frohlocket“, wahrscheinlich eines der berühmtesten Text-Zitate überhaupt.

Apropos Pauken und Trompeten: Der ursprünglich für das Konzert vorgesehene Paukist Dieter Allgaier aus Bad Wurzach musste krankheitsbedingt passen, für ihn sprang kurzfristig Stefan Braun aus Arnach ein. Die drei Trompeten waren mit Hermann Ulmschneider, dessen Sohn Felix und Martin Schad fest in Wurzacher Hand, ebenso das Flötenregister mit Bernadette Vogt und Anna Butscher. Weitere Orchestermusikerinnen aus Bad Wurzach waren die Streicherinnen Marianne Schönball und Judith Frisch.

Richtig beeindruckend aber war die Zahl der Sängerinnen und Sänger, die sich auf dem Podest im Altarraum drängten. Seit gut einem Jahr laufen die Proben für das Weihnachts-Oratorium, intensiv seit dem Probenwochenende in Leutkirch im vergangenen November.

Das Oratorium mit seinen Kantaten zählt heute zu den berühmtesten und vom Publikum begeistert aufgenommenen Werken des Thomaskantors Bach. Die Kantatenmusik hatte damals die Aufgabe, die in der jeweiligen Schriftlesung enthaltenen Inhalte musikalisch auszudeuten, die Gemeinde zur Betrachtung anzuregen und Emotionen auszudrücken. Im Wechsel aus Bibelwort in erzählendem Rezitativ, den Arien und Chören, die subjektive Empfindungen nachvollziehen und den Chorälen, die praktisch die Reflexionen der Gemeinde widerspiegeln, gelang Bach ein Oratorium von großem inhaltlichen und musikalischem Reichtum. Damit wurde und wird der Herrlichkeit Gottes ebenso Ausdruck verliehen, wie dem Leben der Hirten und ihrer anbetenden Haltung.

Nicht zu vergessen: Robert Häusle, der musikalische Leiter. Der mal als Dirigent aus dem Chor ein Höchstmaß an sängerischer Leistung auf durchaus empathische Art und Weise herauskitzelte oder als Pianist am stil- und jahrhundertgerechten Tasteninstrument, dem Cembalo, auf dem die Kompositionen entstanden waren, behutsam die Solisten begleitete.

Minutenlange stehende Ovationen waren für die Musiker der verdiente Lohn, denen sich auch Hausherr Stadtpfarrer Stefan Maier begeistert anschloss. Der Lohn fürs Publikum: Einer der Jubelchöre kam noch einmal als begeistert aufgenommene Zugabe präsentiert.

Die ersten drei Kantaten des Oratoriums machten jedenfalls Lust auf mehr, eine Bach-Kennerin im Publikum sprach die leise Hoffnung aus, dass Häusle und sein hervorragender Kirchenchor vielleicht auch einmal die verbleibenden drei Kantaten für ein weiteres Oratorium-Konzert in Angriff nehmen möge.
Text und Bilder: Uli Gresser

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Fotos: Uli Gresser

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