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Originelle Weihnachtsausstellung in der Städtischen Galerie Isny

Sechzehn ungewöhnliche Blicke auf den Christbaum



Foto: Herbert Eichhorn
Manu Camille, „Alle Jahre nieder“ (Ausschnitt)

Isny – Ob eine Nordmanntanne aus der Region oder ein billiges Plastikteil aus China: Ein Tannenbaum gehört zu Weihnachten. Wer aber jetzt nach den Adventswochen das Gefühl hat, eventuell schon zuviel Grün gesehen zu haben, dem könnte die aktuelle Ausstellung der Städtischen Galerie im Schloss gefallen.

Der Christbaum im Blick zeitgenössischer Kunst

Im Faltblatt zu der Ausstellung wird selbstverständlich auch die lange Geschichte des Weihnachtsbaums erwähnt – von den Germanen über das 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit. Die Weihnachtsausstellung der Städtischen Galerie geht – und das durchaus auch mit Humor – das Thema nun erfrischend locker an. Unter dem Titel “Oh Tannenbaum. Der Christbaum im Blick zeitgenössischer Kunst“ hat Elisabeth Olberz vom Büro für Kultur beim Isnyer Stadtmarketing 15 bildende Künstler und ein Künstlerpaar aus der Region eingeladen, sich mit dem Christbaum zu beschäftigen. Herausgekommen ist ein ebenso abwechslungsreicher wie qualitätvoller Parcours an großteils gezielt für die Ausstellung geschaffenen Kunstwerken. Dabei geht es quer durch die künstlerischen Techniken. Das Spektrum reicht von den Scherenschnitten von Stefan Winkler über klassische Malerei – oder auch mal der Kombination von Druck und Malerei bei Bernd Imminger – und Collagen sowie Installationen bis zu einem eher konzeptionellen Projekt des Künstlerduos HüTo (Alexandra Hübner & Mako Toupheksis). Bei ihnen geht es übrigens um den Brauch des Christbaumlobens.

Zoé Hopf, „Blautanne“ und Monika Supé „o.T. Serie 180.000“, Foto: Herbert Eichhorn

Lautes und Meditatives

Klar: Der ganz klassische Christbaum darf in der Schau nicht fehlen. Wobei er natürlich – sagen wir mal – etwas verfremdet wird. Mitten in den Raum hat Guido Weggenmann ihn gestellt und ihn auch ganz traditionell mit Glaskugeln in Rot und Weiß sowie mit Lametta geschmückt. Wenn der Besucher einen Euro in den zugehörigen Automaten wirft, so erwacht der Baum dann aber zu recht überraschendem Leben. Von einem Motor wird der Baum dann unter ziemlich lautem mechanischem Geratter eindrucksvoll durchgeschüttelt. Verglichen damit kommt Zoé Hopfs Blautanne in geradezu majestätischer Ruhe daher. Die Künstlerin hat deren Umrisse mittels der schönen alten fotografischen Technik der Cyanotypie oder – deutsch – des Eisenblaudrucks festgehalten. Diese wie auch die Arbeit von Monika Supé gleich daneben gehören zu den eher stillen, ja fast meditativen Beiträgen in der Auswahl. Monika Supé, deren Arbeit übrigens auch als Plakatmotiv ausgewählt wurde, hat für ihre Installation Tannennadeln behutsam in Bienenwachs eingegossen. Auch Daphne Kerber interessiert sich besonders für die Nadeln und schreibt diesen in ihrer Skulptur sogar Heilkraft zu.

Yvonne Dienstbeck, „Früher war mehr Lametta“, Foto: Herbert Eichhorn

Oft fehlen allerdings die Nadeln ganz, so wie erwartungsgemäß bei Alexander Habisreutinger. Der Bildhauer steuert eine seiner typischen Skulpturen bei, in denen Hölzer mit unterschiedlichen Durchmessern zu einer luftigen organischen Struktur zusammengefügt sind. Und sie fehlen natürlich auch bei dem rabiat gerupften Bäumchen von Yvonne Dienstbeck, das Loriots bekanntes Zitat „Früher war mehr Lametta“ aufgreift.

Nelo Tröller, „Weihnachtszauber“, Foto: Herbert Eichhorn

Am Rand der Gesellschaft

Auf die Kehrseiten des Weihnachtsfests und auf die Tatsache, dass nicht alle in unserer Gesellschaft an ihm Anteil haben können, verweist Nelo Tröllers Fotocollage mit dem ironischen Titel „Weihnachtszauber“. Neben typische Motive aus einer weihnachtlich illuminierten Großstadt setzt er Szenen mit den einsamen und benachteiligten Existenzen am Rand unserer Gesellschaft. Auch die Collage, in der Ilona Maria Amann billige Klamotten von Vater, Mutter und Kind zu einem Christbaum arrangiert, scheint auf solche prekären Verhältnisse zu verweisen. Und damit natürlich auch auf jene andere Familie, die vor über 2000 Jahren ebenfalls ziemlich ärmlich in einem Stall unterkam.

Florian Rautenberg, „Stars of Rising Trees“ und (hinten) Manu Camille, „Alle Jahre nieder“, Foto: Herbert Eichhorn

Die Hingucker der Ausstellung

Während am Eingang des schönen Gewölberaums der Galerie eher ruhige Arbeiten platziert sind, bilden an dessen hinterem Ende Nachklänge der Pop Art den Blickfang. So in der Collage von Riccarda Wallhäuser und in dem großen dreiteiligen Gemälde „Alle Jahre nieder“ des Malers Manu Camille. In seiner starken Bildfolge wird der Tannenbaum als Axt, wenn nicht sogar als Waffe eingesetzt. Andere Hingucker in der Ausstellung sind die größeren Installationen im Raum wie etwa diejenigen von Inge Gerlach Grube und von Florian Rautenberg. Rautenberg hat für die Ausstellung ein hinreißendes dreidimensionales Rätselbild geschaffen. Seine Arbeit erinnert in ihrer Machart an die Holzbaukästen der Kindheit, die früher gerne an Weihnachten auf dem Gabentisch lagen. Und sie erinnert in der Form – unten breit, oben spitz – an einen Tannenbaum. Mit Motiven wie Sternen, Kerzen oder dem Stall der Krippe belässt es der Künstler aber sonst bei Anspielungen auf unsere vertraute weihnachtliche Bildwelt.

Gabriele Maria Lulay, „the dark white“, Foto: Herbert Eichhorn

Neben solchen spektakulären großen Arbeiten sollte man aber keinesfalls den kleinen schwarzen Guckkasten übersehen, den Gabriele Maria Lulay zu der Schau beigesteuert hat. Mit Hilfe einer simplen Taschenlampe kann sich der Besucher bei ihr einen sich wandelnden Winterwald mit einem leuchtenden Christbaum in der Mitte herbeizaubern.

Friedrich Hechelmanns Christbaum in der Marienkapelle, Foto: Herbert Eichhorn

Die Alternative: der Hechelmann-Christbaum

Vielfältig angeregt und dadurch gut gelaunt verlässt man diese ungewöhnliche Weihnachtsausstellung, zu der man der Städtischen Galerie nur gratulieren kann. Wenn dem Besucher nach soviel überraschenden Tannenbaum-Varianten dann aber doch der Sinn wieder nach einem klassisch geschmückten Weihnachtsbaum stehen sollte, dann bietet sich wenige Schritte weiter eine attraktive Alternative. In der historischen Marienkapelle, in die man sowohl aus dem Schloss als auch aus der Kirche kommt, wurde wieder Friedrich Hechelmanns Christbaum aufgebaut. Über Jahre hat der im letzten Jahr verstorbene Künstler vor allem im Bayerischen Wald Hunderte von Glaskugeln und anderen gläsernen Christbaumschmuck in Weiß gesammelt. In einer fränkischen Manufaktur ließ er zudem zarte Tierfiguren in Glas blasen. Bis Lichtmess schmückt nun wieder Hechelmanns Sammlung einen großen, hell leuchtenden Christbaum im dunklen Raum der Kapelle. Der ganz besonderen Stimmung, die dort entsteht, kann sich wahrscheinlich kaum jemand entziehen.
Herbert Eichhorn

In unserer Galerie gibt es weitere Bilder aus der Ausstellung. Fotos: Herbert Eichhorn

Ausstellung „Oh Tannenbaum. Der Christbaum im Blick zeitgenössischer Kunst“

23. November 2025 bis 26. Januar 2026
Städtische Galerie im Schloss Isny
Montag, Donnerstag und Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr
24., 25., 31. Dezember und 1. Januar geschlossen

Weitere Informationen unter www.schloss-isny.de



Fotos: Herbert Eichhorn

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