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Der Blick in die Ausstellung lädt zu genauerem Hinschauen ein. Foto: Andrea Reck

Ochsenhausen – Andy Warhol, dem teuersten Künstler des 20. Jahrhunderts und James Francis Gill, der letzten lebenden Pop-Art-Ikone, ist die Große Sommerausstellung im Fruchtkasten gewidmet. 

Grell, plakativ und einfach verständlich sind die Werke der in den frühen Sechziger Jahren entstandenen Pop Art. Ihr bekanntester Protagonist, Andy Warhol, starb 1987 mit 58 Jahren. Fast jeder kennt seine Siebdruckserie der Campbell‘s Dose und die Portraits von Marilyn Monroe. Auch der 1934 geborene James Francis Gill, Mitbegründer der Pop Art, war erfolgreich mit Portraits der Schauspielerin. 

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Bürgermeister Philipp Bürkle begrüßte bei der Vernissage am 6. Juli im Fruchtkasten besonders den früheren Bürgermeister und Initiator der Fruchtkasten-Ausstellungen Max Herold. Vera Frenzel von der Galerie Kunsthaus Frenzel in Heroldstadt, die bereits die Ausstellungen von Janosch und James Rizzi kuratiert und organisiert hatte, wies darauf hin, dass alle ausgestellten Werke käuflich seien und der 91jährige James Francis, „die letzte lebende Pop Art Ikone“, am 21. September persönlich vor Ort sein werde. Die Amerikaner Warhol und Gill haben viel gemeinsam, wie ausführlich im Buch „Andy Warhol/James Francis Gill, Contemporaries“ (19 €) nachzulesen sei. 

Anschließend ergriff der Autor dieses Werks das Wort. Manuel Moosheer, gebürtiger Riedlinger, hatte eine der berühmten Campell‘s Suppendosen von 1968 mitgebracht und berichtete launig über die Erfolgsgeschichte des Werbegrafikers Warhol, die nur möglich war dank zahlloser Unterstützer in Galerien und Museen und zahlungskräftiger Mäzene. Unermüdlich arbeitete der Künstler an der Marke Warhol und seinem eigenen Mythos. 1962 hatte Warhol in der Ferus Gallery in Los Angeles Campbell’s Soup Cans seine erste Einzelausstellung. Von den 32 fast identischen Bildern (es gab die Suppenkonserve in 32 verschiedenen Geschmacksrichtungen) wurden für je 200 Dollar gerade mal fünf gekauft, etwa vom Schauspieler Dennis Hopper. Gill, der auch in Warhols erster Ausstellung war, kaufte nichts. Der Galerist kaufte sie alsbald zurück und veräußerte sie 1996 für 15 Millionen Dollar an das Museum of Modern Art (MOMA) in New York City. Übrigens wurde 2022 Andy Warhols „Shot Sage Blue Marilyn“ von 1964 in New York für 195 Millionen Dollar verkauft. Warhol ist damit der teuerste Künstler des 20. Jahrhunderts. 

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Den Wendepunkt im Leben des 16 Jahre jüngeren Gill stellte seine Aufnahme in die Galerie von Felix Landau in Los Angeles dar. Er legte laut Moosherr, gelernter  Diplom-Verwaltungswirt und heute als Buchautor und in der Kunstvermarktung erfolgreich, einen Raketenstart in der Kunst hin. 

James Francis Gill, Shades of Night.

Wichtig ist die Geschichte dahinter

„Warum wollen Leute einen Ferrari oder eine Rolex?“, fragte Moosherr ins Publikum. Man kaufe damit das Lebensgefühl und die Geschichte dahinter. Warhol fand anders als Gill zu Alfred Bar, Direktor des MOMA in New York, anfangs keinen Draht. Dieser wollte zunächst nur das Marilyn Triptych von Gill und schickte Warhols Werke zurück. Warhol kam neben einflussreichen amerikanischen Gönnern auch Gunter Sachs zu Hilfe, der eigens für ihn in Hamburg eine Galerie gründete. Kein einziges Werk wurde verkauft, was Sachs bewog, nach der Ausstellung die Hälfte der Werke selbst zu erwerben. Er glaubte an Warhol. 

Eine Einführung in das Werk Warhols und Gills, etwa über Inhalte und Themen sowie die Siebdruck-Technik, wurde den Vernissage-Gästen nicht gegeben. Moosherr beschränkte sich auf die Beziehung Kunst und Kommerz. Wohl passend zu dieser Verkaufsausstellung. Während die Gäste mit dem Prosecco-Glas in der Hand die Werke betrachteten, wurden bereits einige rote Punkte an den Rahmen angebracht. Verkauft! Etwa Gills Grafik von Liz Taylor, deren Auflage 80 Stück beträgt, für 4000 Euro. 

Fruchtkasten-Leiterin Kathrin Käppeler dankte Manuel Moosherr für seine Einführung, der Galeristenfamilie Frenzel für die gute Zusammenarbeit und dem Ochsenhausener Gemeinderat für die Bewilligung finanzieller Mittel für die Ausstellung, die einen spannenden Dialog zwischen zwei Giganten präsentiere.    

Passend war auch die musikalische Begleitung der Vernissage: Michael Strele, Leiter des Cello-Ensembles der Jugendmusikschule brachte mit seinen jungen Musikerinnen raffiniert arrangierte Themen aus amerikanischen Filmen zu Gehör: „Gonna Fly Now“ und „Eye of he Tiger“ aus Rocky, „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem Dschungelbuch sowie einen Titel aus Aladdin. 

Info: Die Ausstellung Warhol & Gill im Fruchtkasten Ochsenhausen läuft bis 5. Oktober 2025. Geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr sowie am Donnerstag von 11 bis 19 Uhr. Führungen jeden Donnerstag um 18 Uhr, samstags um 16 Uhr, an Sonn- und Feiertagen um 11 Uhr. Eintritt 7.50 €.  www.tourismus-ochsenhausen.de

Autorin: Andrea Reck



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