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Blutreitergruppenführerversammlung

Das diesjährige Heiligblutfest startet in die heiße Vorbereitungsphase



Foto: Uli Gresser
Die Reiterjubilare.

Bad Wurzach – Traditionell am Pfingstmontag findet in Bad Wurzach die vom Wallfahrtsausschuss organisierte Blutreitergruppenführerversammlung im Kurhaus statt, bei der viele organisatorische Details zu dem am zweiten Freitag im Juli stattfindenden Heilig-Blut-Fest mit den Gruppenführern geklärt werden. Zudem ist das stets der Rahmen, um  verdiente Blutreiter und Musikanten zu ehren.

Alle geehrten Blutreiter und Musikanten sowie verabschiedeten Gruppenführer.
 
Dem feierlichen Gottesdienst in St. Verena für die Blutreiter, zelebriert von Stadtpfarrer Stefan Maier und Pater Konrad Werder, verliehen zahlreiche Standarten der Blutreitergruppen den entsprechenden würdigen Rahmen. Die Musikkapelle Ellwangen unter ihrem Dirigenten Elmar Hirsch setzte traditionell nach dem Wechsel in den Saal der Kurhaus-Kulturschmiede den musikalischen Auftakt zur Gruppenführerversammlung, um anschließend in der Konzertmuschel zum Kurkonzert aufzuspielen.

Pater Konrad Werder (Bild), der Superior der Salvatorianer auf dem Gottesberg, eröffnete die Versammlung nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Alexandra Scherer, die qua Amtes Vorsitzende des Wallfahrtsauschusses ist, mit einem geistlichen Impuls. „Der Gottesberg ist mehr als die vier dort lebenden Brüder, er ist Ziel vieler Wallfahrer und Pilger.“ Die Gruppenführerversammlung lasse jetzt die Spannung steigen und steigere mit Gänsehautmomenten – wie dem Standarteneinzug beim Gottesdienst – die Vorfreude auf das Heiligblutfest im Juli. Es sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr, dass bei fast jeder Gruppe ein Pfarrer mitreitet. Die dafür, wie jener Priester, der extra aus Regensburg anreist, bisweilen weite Wege in Kauf nehmen. Pater Konrad beendete – angesichts der sehr angespannten Weltlage – seinen Impuls mit einem Gebet für den Frieden.

Einladung an die Veteranen

Bürgermeisterin Scherer (Bild) dankte den Blutreitern für ihre Bereitschaft, die für Bad Wurzach so wichtige Tradition zu pflegen – und aus dem Glauben heraus für ein menschliches Miteinander einzutreten. Sie bat die Gruppenführer darum, die Einladung an die Veteranen, die Prozession von der Tribüne beim Marienbrunnen aus zu verfolgen, weiterzugeben.

Im vergangenen Jahr 65 Reiter-Gruppen und 25 Musikkapellen

Klaus Schütt (Bild), der Organisationsleiter, berichtete, dass im vergangenen Jahr rund 1000 Reiter in 65 Gruppen an der Prozession teilgenommen haben. Ein großes Dankeschön ging an die 25 Musikkapellen, insbesondere an den Musikverein Unterschwarzach, der die Blutreliquie an den liebevoll gestalteten Außenaltären am Josenhof, in Truschwende und am Reinstein musikalisch begleitete.

Altar in Truschwende: Die Ära Mangler endet

Beim Altar in Truschwende gebe heuer es eine Änderung: Dieser werde rund 50 Meter weiter vorne am Käslädele stehen. Dankenswerterweise übernehme die Familie Feurle, unterstützt von weiteren Truschwendern, die Aufgabe, den Altar aufzubauen und zu schmücken, teilte Klaus Schütt mit. Er dankte auch der Familie Mangler für die jahrzehntelange Altargestaltung an ihrem Haus. Erika Mangler und ihre Familie werden heuer auf die Ehrentribüne eingeladen.

Heuer der Musikverein Hauerz

Diese Aufgabe, den Heiligblutwagen draußen auf den Fluren zu begleiten und an den Altären zu spielen, übernimmt in diesem Jahr der Musikverein Hauerz.

Dank an Bauhof, Quartiergeber, Blumenfrauen, Kutscher …

Ein großer Dank ging auch an die Mitarbeiter des Bauhofes, ohne die es nicht möglich wäre, so viele Pferde in den verschiedenen Quartieren unterzubringen. Natürlich dankte Klaus Schütt auch den Quartiergebern, denen die Gruppenführer schnellstens Bescheid geben sollten, wenn sich Änderungen etwa bei der Pferdeanzahl ergeben sollten. Mit in den Dank an den Fahrer des Blutwagens schloss Schütt auch die Blumenfrauen ein, die alljährlich den Heiligblutwagen zu einem farbenfrohen Kunstwerk machten.

Sicherheitsmaßnahmen erhöht

Die erste Abteilung kommt in diesem Jahr von Osten zum Stationsaltar vor dem Schloss. Bei Der zweiten Abteilung wurde die Reihenfolge ein wenig verändert, damit Reitergruppen, die bisher weit hinten waren, ein wenig früher in die Prozession starten können.

Schütt erklärte, dass die Sicherheitsmaßnahmen erhöht wurden. Damit sei die Innenstadt ab 6.20 Uhr nicht mehr anfahrbar. Er bat darum, dies beiden Zeitplänen zu berücksichtigen.

Ratschläge des Tierarztes

Der verantwortliche Tierarzt Dr. Andreas Veeser (Bild), der selbst als Gruppenführer und Reiter dabei ist, berichtete von einem aus seiner Sicht guten Verlauf des letztjährigen Blutfestes. Es folgten die üblichen Hinweise: Den tierärztlichen Anweisungen unbedingt zu folgen, unruhige Pferde aus der Prozession zu nehmen, in der Stadt den richtigen Abstand einhalten und nach der Prozession die Pferde versorgen und die Anhänger im Schatten parken. Er wie Schütt zuvor ermahnte die Reiter, Unfälle noch am selben Tag zu melden. Wie man es nicht machen sollte, habe er in diesem Jahr in Weingarten erleben müssen: Sein Onkel Pater Hubert Veeser sei nach einem Sturz vom Pferd entgegen seinem Rat sofort wieder aufgesessen. Mit dem Ergebnis: Gehirnerschütterung und Einlieferung ins Krankenhaus.

Sorgfältige Kassenführung

Ludwig Brechter, der langjährige Kassier der Wallfahrtskommission, stellte seinen Kassenbericht in Kurzform vor: Dank erstmals seit langem wieder von der Bank ausbezahltem Zins und wenig Vorfällen konnte die Pferdeversicherung ihren Kontostand verbessern. Kassenprüfer Karl Ehrmann bescheinigte dem Kassier eine sorgfältige Kassenführung und die von ihm durchgeführte Entlastung für den Kassier ergab ein einstimmiges Ergebnis.

Kassier Ludwig Brechter (rechts) mit den Kassenprüfern Karl Ehrmann (Mitte) und Anton Brandiser.

Ehrungen

Ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Gruppenführerversammlung sind die Ehrungen für langjährige Blutreiter, Gruppen und Musikanten. Für die Musiker gab es im vergangenen Jahr eine Neuerung: Diese bekommen nun ebenfalls ab einer gewissen Jahreszahl eine Medaille und eine Anstecknadel, statt wie bisher eine Urkunde.

Sieben aus Immenried

Für 40 Jahre Teilnahme am Heiligblutfest in Bad Wurzach mit Urkunde und Anstecknadel in Silber geehrt wurden:  Josef Weishaupt, Fritz Kling, Robert Kible, Armin Notz, Andreas Schuler, Willi Kaas und Heribert Gut (alle Musikverein Immenried).

Die 100-jährigen Arnacher

Vier Blutreitergruppen wurden besonders geehrt: Noch bevor der Wurzacher Blutritt offiziell 1928 erstmals durchgeführt wurde, wurde die Blutreitergruppe Arnach gegründet, die vor wenigen Wochen ihr 100-jähriges Bestehen feiern konnte (sie nahm damals am Weingärtler Blutritt teil). Seit 80 Jahren dabei sind die Blutreiter aus Reinstetten. Seit 75 Jahren dabei ist die Blutreitergruppe aus Altmannshofen und seit 50 Jahren die Gruppe aus Leupolz, bei der Pater Konrad immer mitreitet (er stammt von dort).

Vertreter geehrter Gruppen (mit Urkunden). Links Superior Pater Konrad Werder, rechts neben Bürgermeisterin Alexandra Scherer Stadtpfarrer Stefan Maier.

Blutreiter-Medaillen und Ehrenurkunden.

Josef Fischer seit 60 Jahren als Reiter dabei

Einer der altgedienten Blutreiter.

Spitzenreiter bei den Reitern war Josef Fischer von der Gruppe aus Mittelbuch/Ummendorf, der für 60 Jahre als Blutreiter mit der goldenen Medaille mit Kreuz und Gravur ausgezeichnet wurde.
50 Jahre mit dabei sind die Reinstettener Karl Schneider, Erwin Gerster und Franz Miller, die dafür die Goldene Medaille mit Lorbeerkranz erhielten.
Für 40 Jahre als Blutreiter geehrt wurden und mit der goldenen Medaille mit Urkunde ausgezeichnet wurden: Jörg Mayerföls, Hugo Fessler (beide Bad Schussenried), Frank Roland und Andreas Riedlinger (beide Baienfurt), Alexander Henzler (Baindt), Rosi Keck (Immenried), Josef Lämmle und Hermann Roth (beide Mittelbuch/Ummendorf), Andreas Hertkorn (Reute-Gaisbeuren), Hubert Schäch und Manfred Metzler (Schlier), Christoph Arnegger (St. Christina Ravensburg), Hubert Walder (Willerazhofen), Klaus Walter und Stephan Müller (Winterstettendorf).

Schade um Engerazhofen

Mit einem Präsent und Urkunde wurden die Gruppenführer von Gaisbeuren-Reute, Dieter Hertkorn und Josef Schädler von der Blutreitergruppe Schmalegg verabschiedet, die beide einen Nachfolger präsentieren konnten. Manfred Baur von der Gruppe in Engerazhofen fand keinen Nachfolger, so dass die Blutreiter aus Engerazhofen zukünftig nicht mehr als eigene Gruppe in Bad Wurzach dabei sein werden.

Der Begriff „Blutfreitagsparty“

Unter dem Punkt „Verschiedenes“ erntete Karl Ehrmann (Bild) viel Beifall. Er prangerte an, dass im vergangenen Jahr am Abend im Kursaal eine Blutfreitagsparty gefeiert worden war. Er fand den Begriff im Zusammenhang mit dem Heiligblutfest unpassend, da das eine nichts mit dem anderen zu tun habe. Auch Bürgermeisterin Scherer vermisste dabei die notwendige Sensibilität.
Text und Fotos: Uli Gresser

Weitere Bilder in der Galerie
 
Im Jahre 2022 hat der Redaktionsleiter der Bildschirmzeitung die Familie Mangler am Samstag nach dem Heiligblutfest besucht und beim Abbau des Altares zugesehen. Über den nachstehend eingeklinkten roten Button finden Sie seinen Bericht:



Fotos: Uli Gresser

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